Märkte: Erholung auf tiefem Niveau
Nach dem brutalsten Ausverkauf der letzten 21 Jahre versuchten die Märkte in der letzten Woche ein Comeback. Obwohl praktisch jeder Erholungsversuch abverkauft wurde, blieb in der Breite doch ein Plus hängen. Vor dem Handelsstart in die neue Woche, in der die US-Quartalssaison an Fahrt aufnimmt, überwiegt dennoch die Angst vor neuen Hiobsbotschaften.
Für einige Wochen sah es so aus, als sollte das moderne Wirtschaftssystem von der Klippe fallen. Immer schneller und immer tiefer brachen die Weltbörsen in der vorvergangenen Woche ein – zwischen 18 Prozent im Dow Jones und 24 Prozent im Nikkei. Bei erdrutschartigen Verlusten in dieser Größenordnung braucht es kein Mathematikgenie, um die Wahrscheinlichkeit einer Gegenreaktion vorherzusagen.
Sie kam – und wie. Um mehr als zehn Prozent schossen die Aktienmärkte am letzten Montag in die Höhe. Doch die Rallye hielt nicht. Fast reflexartig ergriffen verunsicherte Anleger die Chance zum Ausverkauf, als der Dax wieder die Schwelle von 5300 Zählern überschritten hatte. Am Ende der Woche blieb der deutsche Aktienindex Dax bei nur noch 4782 Punkten stehen. Das sind zwar schon wieder fast 600 Punkte weniger als noch im Handelsverlauf am Dienstag, aber am Ende der Woche immerhin auch 5 Prozent mehr als noch sieben Tage zuvor. Gemessen am Startniveau des Jahres ist das jedoch nur ein schwacher Trost: Seit Januar liegt der deutsche Blue-Chip-Index nämlich um tiefrote 41 Prozent unter Wasser.
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Börsencrash: Die Woche, in der der Himmel einstürzte
Dies ist der schlimmste Markt unserer Generation. Der schlimmste Markt seit 1987, der gegen das Desaster dieser Tage eine Episode war. Genau wie die Einbrüche nach 9/11, die rückblickend betrachtet eher Korrekturen waren. Genau wie das letzte Ende des großen Bärenmarktes 2002 - 2003 mit seinen endlosen Einbrüchen. Und genau wie das Ende der Dot.com-Blase 2000. Der Crash von 2008 wird in die Geschichte eingehen - doch der Ausgang ist offener denn je.
Man muss die Dinge beim Namen nennen, wie sie sind. Dies ist keine Korrektur, kein Einbruch, kein Kurssturz. Es ist ein Crash - der Crash. Und zwar der schlimmste, brutalste Crash unserer Zeit. Nie, wirklich nie in den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die globalen Aktienmärkte so hemmungslos, so willenlos und so panisch zusammengebrochen wie in den vergangenen fünf Handelstagen. Das hier ist der big one - der Crash einer Ära.
Historische Kursverluste: Weltbörsen verlieren mehr als 20 Prozent in einer Woche
Wie im schlimmsten Albtraum kollabierten die Aktienindizes in seit 1929 nicht da gewesener Weise - die Märkte verloren wie folgt:
• Dow Jones: - 18 Prozent
• Nasdaq Composite: - 16 Prozent
• Dax: - 22 Prozent
• MDax: - 21 Prozent
• SDax: - 22 Prozent
• TecDax: - 24 Prozent
• EuroStoxx50: - 23 Prozent
• Nikkei: - 24 Prozent
Wohlgemerkt: Das sind nicht die Endstände des Börsenjahres, das bis dato noch viel desaströser verlaufen ist - es sind die Endstände einer Börsenwoche, der Börsenwoche vom 6. bis 10. Oktober 2008, die in die Annalen eingehen wird als die Woche, in der die Finanzmarktkrise ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.
Nichts half am Ende: Keine endlosen Liquiditätsspritzen, keine warmen Worte der Politik, keine Staatsgarantien für Sparkonten - nicht einmal die konzertierten Zinssenkungen der Notenbanken. Dieser Markt kannte im wörtlichen Sinne nur eine Richtung: Er wollte, er drängte, er musste nach unten. Raus, raus, raus - das war die einzige Order, die Aktionäre zu Beginn und Ende eines Handelstages kannten, wie es Dirk Müller, der wohl bekannteste Händler des Frankfurter Börsenparketts am Donnerstag gegenüber manager-magazin.de so metaphorisch auf den Punkt brachte: “Verkaufswellen rollen über uns hinweg - und niemand, niemand scheint dagegen zu halten. In früheren Krisen konnte man darauf fast immer zählen. Jetzt gibt es kein Aufbäumen. Und das ist es, was dieses Desaster so zermürbend macht.”
Schwarzer Freitag: 10 Prozent Minus zum Handelsstart im Dax
Am Freitagmorgen war es schließlich nicht mehr zermürbend: Es war ein einziges Blutbad. Im Gegensatz zur Börse in Wien und Moskau hatte die Deutsche Börse nämlich kein Erbarmen mit dem Massaker und entschied sich dafür, den Handel nicht zu unterbrechen: Der Markt sollte seine eigenen Grenzen testen und finden.
“Wer jetzt noch Positionen besitzt, dürfte mit diesen Vorgaben in Panik verfallen und zu jedem Kurs versuchen, aus dem Markt zu kommen”, erklärte ein Börsianer zum Handelsstart am Freitag, als der Dax in den ersten Handelsminuten um unfassbare 10 Prozent einbrach - ein schier unglaubliches Niveau, wenn man bedenkt, dass der Deutsche Leitindex in den letzten vier Handelstagen bereits 1000 Punkte verloren hatte. Wie ein angeschlagener Boxer nahm der deutsche Bluechip-Index jeden Treffer, aber auch wirklich jeden Treffer, den Aktionäre ihm mit ihren Verkaufsorders erteilten.
Tags zuvor hatten sich an der New Yorker Börse unglaubliche Szenen abgespielt: In der letzten Handelsstunde brach der Dow Jones um mehr als 500 Punkte ein, nachdem er sich schon die ganze Woche über im freien Fall bewegt hatte. Wie ein heißes Messer durch die Butter glitten die Verkäufer und durchbrachen erst die 9000-Punktemarke, um dann bei gerade 8594 einzuhalten.
Dow Jones: 10.000-, 9.000- und 8.000-Punktemarke in einer Woche durchbrochen
Wer jedoch gedachte hatte, damit wäre der Bärenüberfall endlich beendet, durfte am Freitag seinen Augen nicht trauen: Die Kurse brachen schon wieder im großen Stil zusammen. Nachdem im Dow im Wochenverlauf erst die magische Schwelle von 10.000 Punkten gefallen war, fielen binnen 20 Stunden die 9000er- und 8000er-Marke.
Bis auf 7883 Zähler wurde der traditionsreichste Index der Welt in den ersten Handelsminuten heruntergeprügelt - so tief wie seit dem Kurssturz im Zuge des Irak-Kriegs im April 2003 nicht mehr. Fast 2500 Punkte innerhalb von fünf Handelstagen gingen damit in der Spitze verloren - das sind Superlative, die zu keinem, aber auch wirklich keinem Zeitpunkt in der Börsengeschichte erreicht worden sind.
18 Prozent: Die schlechteste Handelswoche aller Zeiten im Dow
Selbst nach einer moderaten Intraday-Erholung bleiben die Negativrekorde bestehen: Mit einem Minus von 1874 Punkten oder absolut 18,15 Prozent verzeichnete der Dow den größten Wochenverlust aller Zeiten. In anderen Worten: Nie hat der traditionsreichste Index der Welt in seiner 134-jährigen Geschichte mehr in einer Woche verloren als in den letzten fünf Handelstagen! Nie: Nicht im dramatischen Ausverkauf von 1929, als der Dow einmal um 12 Prozent kollabierte - und auch nicht am Schwarzen Freitag von 1987, die sich beide übrigens ebenfalls im Oktober ereigneten. In dieser Handelswoche jedoch gab es keine Erholung, keine Gegenwehr - mit einem Wort: keine Käufer. Acht mal in Folge hat der Dow nunmehr im Minus geschlossen. Acht mal Käuferstreik, niedergeschlagene Erholungsversuche, acht mal Ausverkauf - zum Großteil: den totalen.
Was Ende dieser - in jeder Hinsicht - historischen Börsenwoche bleibt, ist die Hoffung, dass Börsianer mitten im dramatischsten Absturz aller Zeiten über das Ziel hinausgeschossen sind. Immerhin: Der Handelsschluss am Freitag hätte noch dramatischer ausfallen können. In der Spitze bemerkenswerte 1018 Punkte konnten die Bullen den Dow am Freitag noch nach oben treiben, ehe sie in den letzten 20 Handelminuten erneut der Mut verließ und wieder mehr als 450 Zähler abgegeben werden mussten. Auch wenn es ein ganz schwacher Trost ist: So etwas wie eine Gegenreaktion war erkennbar…
Marktrückblick August 2008: Die Angst im Nacken
Offener Schlagabtausch mitten in der Sommerpause: Wie schon im Vormonat ging das Auf und Ab an den Weltbörsen ungebremst weiter. Immerhin: Während die Wall Street im August schwächer tendierte, gelang den deutschen Aktienindizes ein kleines Comeback. Die weiteren Aussichten bleiben jedoch eingetrübt.
Was für ein Unterschied doch ein Sommer machen kann. Rund ein Jahr ist es her, dass der der Deutsche Aktienindex erstmals seit 2000 wieder ein neues Allzeithoch aufstellen konnte. Bei 8151 Zählern markierte das wichtigste Kursbarometer der deutschen Aktienmärkte Mitte Juli schließlich eine neue Bestmarke, auf die Anleger hatten so lange warten müssen.
Entsprechend euphorisch feierten dann auch die sogenannten Marktexperten die “Super-Börsen” (Anlegermagazin “Börse Online”). “Der Aufschwung wird auch über das Jahresende hinaus tragen, mit etwas Glück bis ans Ende des Jahrzehnts”, mutmaßte etwa Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo-Instituts. Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), machte Kleinaktionären dann auch auf weitere Kurssteigerungen Hoffnung: “Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft wie bisher, dann sehe ich im Moment keinen Grund, dass es nicht weiter nach oben gehen sollte”, erklärte er der “Berliner Zeitung”. Und auch der Deutsche Bank-Chefstratege Klaus Martini ließ sich Mitte letzten Jahres noch zu den verhängnisvollsten Worten der Börse hinreißen: “Diesmal ist alles anders”, erklärte Martini gegenüber manager-magazin.de
Ein Jahr später ist es tatsächlich anders – aber nicht so, wie gewünscht. Sie Stimmung hat um 180-Grad umgeschlagen: “Auf Dur folgt Moll“, wie es beim Börsenaltmeister André Kostolany so schön heißt. Und Wie! Rund zwölf Monate später erntet Martini größtmöglichen Widerspruch – und das aus dem eigenen Haus: “Die Rezession ist kaum noch abzuwenden”, wurde der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, erst am Wochenende zitiert – wohl gemerkt: die Rezession in Deutschland.
Entsprechend verschreckt agierten Anleger auch weiterhin im August. Selbst ein unerwartet günstiger Vorzeichenwechsel an den Rohstoff- und Devisenmärkten vermochte den Börsen keinen Auftrieb zu geben. Die Rallye, die der drastisch fallende Öl- und Dollarpreis entfacht hatte, wurde postwendend wieder verkauft. So blieb dem Dax am letzten Freitag nur das symbolische Plus von 4 Punkten – bei 6422 Zählern ging die erste deutsche Börsenliga praktisch unverändert aus dem Handel. Seit Jahresbeginn bleibt der deutsche Blue-Chip-Index damit tief im Bärenmarktmodus – in den bisherigen 8 Monaten fiel ein dickes Minus von 21 Prozent an.
Deutsche Aktienindizes: MDax und TecDax mit furiosem Comeback – SDax Schlusslicht
Um einiges robuster als die deutschen Standardwerte hatten im laufenden Jahr die Nebenwerte performt. Nach einem rabenschwarzen Vormonat konnte der Midcap-Index im August in die Erfolgsspur zurückfinden. Nach einem Plus von fast 400 Punkten oder knapp 5 Prozent schloss der MDax im August bei 8682 Punkten. Seit Jahresbeginn bleibt ein Minus von 12 Prozent. Doch schon um einiges größer sind die Kursverluste, die der Kleinstwerteindex SDax seit Jahresbeginn angehäuft hat – nämlich 22 Prozent. Bei nur noch 4119 Zählern ging der Smallcap-Index im August schließlich sogar rund 1 Prozent leichter aus dem Handel.
Eine wahre Glanzleistung gelang dagegen dem Star des vergangenen Jahres unter den deutschen Aktienindizes, der in den ersten Monaten dieses Jahres noch am meisten unter die Räder gekommen war. Vor allem angetrieben durch die wieder erstarkten Solarwerte konnte der TecDax ein furioses Comeback feiern: Fast 8 Prozent legte der Nemax-50-Nachfolger im August zu, um wieder bei 827 Punkten den Monat zu beenden. Seit Januar liegt der deutsche Technologieindex damit nur noch um 15 Prozent im Minus – und hat sich damit binnen eines Monats zum zweitbesten Index an der Deutschen Börse entwickelt.
Internationale Börsen: Krisengewinner Wall Street – Krise, welche Krise?
In weitaus weniger beeindruckender Form präsentierten sich dagegen die US-Börsen, denen es aber erneut gelang, den August im positiven Terrain zu beenden. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite ging bei 2368 Zählern aus dem Handel – ein Zugewinn von immerhin knapp 2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Der marktbreite Dow Jones Industrial Average machte es seinem Pendant vom Times Square nach – und gewann ebenfalls knapp zwei Prozent an Wert. Bei nunmehr 11.544 Punkten notiert der traditionsreichste Index der Welt jedoch weiter 13 Prozent unter dem Startniveau vom Januar.
Nach wie vor nichts verdienen konnten Anleger, die in den vergangenen Monaten europäischen Aktien in der Breite die Treue gehalten hatten: Dem EuroStoxx50 gelang das fragwürdige Kunststück, auf exakt demselben Indexstand wie im Vormonat aus dem Handel zu gehen – nämlich bei 3367 Zählern. Seit Jahresbeginn lastet damit noch immer ein Minus von happigen 23 Prozent auf dem wichtigsten europäischen Index.
Die zuletzt wieder erstarkten japanischen Aktienmärkte gaben dagegen leicht nach: Der Nikkei 225 ging bei 13.073 Zählern mit einem Minus von rund 2 Prozent aus dem August. Seit Jahresbeginn bleibt damit ein halbwegs achtbares Minus von 15 Prozent. Auf der in den Vorjahren noch weitaus erfolgreicheren chinesischen Halbinsel Hongkong fielen dagegen erneut kräftige Verluste an: Der Hangseng-Index ging am vergangenen Freitag bei 21.262 Punkten aus dem Handel – happige 1600 Punkte oder rund 7 Prozent schwächer als im Vormonat. Seit dem 31.12.2007. summierte sich das Minus damit schon auf deftige 26 Prozent.
BRIC-Märkte: Krachende Verluste rund um den Globus
Richtig hart getroffen wurden im August unterdessen die viel zitierten BRIC-Märkte , die Anleger in den Vorjahren noch so fasziniert hatten:
• Die brasilianische Börse, die im ersten Halbjahr 2008 noch so überraschend positive Akzente gesetzt hatte, gerät immer heftiger in den Abwärtssog der Rohstoffmärkte. So musste der Leitindex Bovespa im vergangenen Monat das nächste dicke Minus verkraften – nämlich nochmals Abschläge in Höhe von 7 Prozent. Der wichtigste südamerikanische Aktienindex beendete den August damit auf der Marke von nur noch 55.680 Zählern – zwanzig Prozent schwächer als zu Jahresbeginn.
• Dasselbe Bild – nur um einiges beschleunigt – war auch an den russischen Aktienmärkten zu beobachten: Im Zuge des fallenden Ölpreises und der militärischen Intervention in Georgien ging die rohstofflastige russische Börse in die Knie. Der Leitindex der Börse Moskau RTS brach diesmal sogar um krachende 16 Prozent ein und liegt damit nun nur noch bei 1646 Punkten - dadurch damit seit Januar nunmehr bereits um 34 Prozent hinten.
• Besitzer von indischen Aktien sind solchen Kummer 2008 bereits gewohnt. Umso erfreulicher, dass der Leitindex Sensex in dem schwierigen Börsenumfeld der vergangenen Wochen gegen den Markttrend wieder zulegen konnte – wenn auch nur moderat. Am Ende der vergangenen Woche notierte die Börse Bombay immerhin wieder bei 14.565 Zählern – ein eher symbolisches Plus von 1 Prozent wurde damit in den vergangenen 30 Tagen erzielt. Seit Januar liegt der Leitindex der indischen Aktienmärkte aber weiterhin um knapp 28 Prozent hinten.
• Den unerreichten Negativrekord 2008 halten dagegen weiter die für zwei Jahre so enorm haussierenden Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen. Ungeachtet der Olympischen Spiele setzten sich die erdrutschartigen Abschläge des Vormonats im maßgeblichen Shanghai-A-Index im August nämlich ungebremst fort: Bei nur noch 2397 Punkten stoppte das Kursbarometer letzten Freitag - weitere 14 Prozent schwächer. Seit Jahresbeginn bleibt das unfassbare Minus von mehr als 57 Prozent.
Mini-Crash an den Rohstoff- und Devisenmärkten: Öl, Gold, Euro brechen weg
Maßgeblicher Auslöser der krachenden Kurseinbrüche der Schwellenländerbörsen waren die schwersten Verluste an den Rohstoffmärkten, die tatsächlich so heftig ausfielen wie seit 1980 nicht mehr. So ging dem Goldpreis nach einem volatilen Auf und Ab der Vormonate komplett die Luft aus. Die Feinunze wurde somit per Ende August bei 830 Dollar gehandelt. Damit haben die Goldbullen seit Jahresbeginn wieder alle Gewinne abgegeben.
In dieselbe Richtung tendiert auch der Ölpreis, der bis zur Jahresmitte noch die einzigartige Erfolgsgeschichte der vergangenen Monate gewesen war. Nach einer schier unendlichen Rallye befinden sich die Rohölnotierungen an der New Yorker Warenterminbörse Nymex nun weiter im Sinkflug. Nach einem vorläufigen Top bei 145 Dollar ging ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Leichtölsorte Light Sweet Crude schließlich am Freitag vergangener Woche bei genau 115 Dollar aus dem Handel – ein Minus von nochmals rund 8 Prozent im Vergleich zu Monatsbeginn.
In fast ähnlichen Dimensionen ging es an den Devisenmärkten bergab: Der Euro, der im ersten Quartal des Jahres kräftig zugelegt und dann stagniert hatte, gab überraschenderweise fast alle Zugewinne des Börsenjahres ab. Ende Juli ging die europäische Gemeinschaftswährung schließlich mit einem krachenden Minus von rund 6 Prozent aus dem Handel – nämlich bei exakt 1,4701 Dollar.
Märkte: Nach dem Crash ist vor der Panik
Man sucht nach neuen Superlativen, um das Debakel an den Märkten zu begreifen. Weltweit gingen die Börsen in der vergangenen Woche nach dem Schwarzen Montag auf Talfahrt – zum Teil crashartig. Doch ein Ende der Panik scheint noch immer nicht in Sicht: Schon morgen droht an den deutschen Börsen der ganz große Einbruch.
Es sind Tage für die Geschichtsbücher. Ein Rettungsplan über 700 Milliarden Dollar, den US-Präsident Bush auf den Weg gebracht hatte, wurde erst vom Kongress abgelehnt, dann im zweiten Anlauf doch gebilligt. “Wir haben ein gutes Gefühl”, erklärt der Republikaner John Boehner nach dem klaren Beschluss. US-Präsident Bush scheint unterdessen nach der ersten Abstimmungsblamage altes Selbstbewusstsein wiederzufinden. “Die USA haben der Welt bewiesen, dass sie weiter eine führende Rolle in der Weltwirtschaft spielen”, erklärt der in drei Monaten scheidende US-Präsident. Was für ein Anspruch für die Supermacht.
Die Märkte bezweifeln das unterdessen offenbar weiterhin. Auch am Freitag ging die Wall Street schwächer aus dem Handel, nachdem sie noch mehr als den halben Tag im Plus gelegen – und dem deutschen Aktienindex Dax damit eine Steilvorlage gegeben hatte. Bei nur noch 5797 Zählern war der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel gegangen – 266 Punkte oder knapp 5 Prozent schwächer als noch in der Vorwoche. Seit Januar hat sich damit ein enormes Minus von rund 28 Prozent aufgetürmt.
Wie groß die Panik unterdessen inzwischen geworden ist, wurde am Wochenende klar, als sich die Krise um die in Schieflage geratene Hypo Real Estate erneut verschärfte – und für Stunden die Pleite des Dax-Konzerns drohte. Um die aufgewühlten Gemüter und Millionen von Bundesbürgern zu beruhigen, wie sicher ihre Ersparnisse tatsächlich noch sind, sprach Bundeskanzlerin Merkel die bedeutungsschwangeren Worte: “Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind”. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück adjutierte: “Ich möchte unterstreichen, dass wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.”
Deutsche Aktienmärkte: Hemmungsloser Ausverkauf
Angesichts solcher Bekenntnisse von historischem Ausmaß erscheint es fast vorprogrammiert, dass Anlegern erneut schwierige Handelstage bevorstehen. Das könnte ebenso für die kleineren Indizes gelten, die in den vergangenen Wochen mitunter noch stärker unter Druck gekommen waren. So musste der MDax, der über drei Viertel des Jahres noch bester deutscher Index gewesen war, in der vergangenen Woche happige 8 Prozent abgeben – und liegt mit einem Minus von 28 Prozent nun mit dem Dax gleichauf.
Hemmungslos eingebrochen sind auch die Kleinstwerte: So ging der SDax bei nur noch 3342 Zählern aus dem Handel – deftige 10 Prozent schwächer als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index damit schon um 35 Prozent hinten. Wie schon in den letzten zwei Monaten geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax.
Doch auch der TecDax, der im Spätsommer zunächst für eine so furiose Aufholjagd gesorgt hatte, taucht wieder sehr deutlich nach unten ab. Nach volatilem Handel in den letzten 5 Handelstagen ging der Nemax50-Nachfolger um 6 Prozent leichter aus dem Handel – nämlich bei 681 Zählern, ein Minus von 44 Punkten. Damit liegt der deutsche Technologieindex 2008 nun doch schon wieder 30 Prozent hinten und ist damit wieder das zweitschwächste deutsche Kursbarometer.
US-Börsen: Dow Jones verliert mehr als 800 Punkte
Ausgelöst wurde der weltweite Kurssturz erneut von der Wall Street, die nach den starken Kursverlusten der letzten Wochen am vergangenen Montag ihr Waterloo erlebte – den historischen Black Monday der 2000er-Jahre. Bis auf 10.325 Zähler wurde der traditionsreichste Index der Welt Freitagabend durchgereicht. Damit hatte der Dow Jones Industrial Average nicht nur mehr als 800 Punkte binnen einer Woche eingebüßt, sondern fiel auch gleichermaßen auf den tiefsten Stand seit drei Jahren zurück.
An der US-Technologiebörse Nasdaq ging der Ausverkauf gar noch weiter. Bei nur noch 1947 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. Das sind alarmierende 11 Prozent weniger als in der Vorwoche. Seit Jahresbeginn hat sich das Minus der US-Technologiebörse damit auf 27 Prozent summiert. Der Dow Jones liegt um 22 Prozent hinten.
Kommende Woche: Erneute Angst vorm Schwarzen Montag
Wie es in der kommenden Handelswoche weitergeht, erscheint völlig offen. Obwohl auf einen Kursrutsch in dieser Größenordnung historisch betrachtet oftmals eine technische Gegenreaktion zu beobachten ist, traut kaum ein Anleger gegenwärtig dem Markt. “Überverkauft zu sein, ist die eine Seite der Medaille”, erklärt der Vermögensverwalter Manny Weintraub von Integre Advisors, “angeschossen zu sein, die andere.”
Wieder blicken Anleger auf den Schicksalstag – Montag. In den vergangenen drei Wochen mussten Anleger enorme schmerzhafte Verluste verkraften: Vor drei Wochen kollabierte Lehman, letzte Woche erlebten Börsianer den Schwarzen Montag. Diese Woche steht die Hypo Real Estate mit dem Rücken zur Wand. “Man weiß nicht, was der Montag bringt, bis es Montag ist”, übt sich Weintraub schon fast in Galgenhumor. Viel mehr, so scheint es, bleibt Anlegern in diesen schwarzen Herbsttagen nicht…
Märkte: Richtungsloser Sommerhandel
Immerhin: Nach zwei verlustreichen Wochen konnten die deutschen Aktienmärkte in den letzten Handelstagen wieder verlorenes Terrain zurückgewinnen – zumindest etwas. Der relativ impulslose Sommerhandel dürfte mit Beginn des Septembers nun enden. Für den ersten Paukenschlag sorgte gestern Abend eine Großübernahme im Bankensektor: Die Commerzbank übernimmt die Dresdner.
Es war kein guter Sommer. Weder an den Freibädern, Biergärten und Stränden der Republik – noch an den Aktienmärkten. Bei über 7000 Punkten notierte der deutsche Aktienindex (Dax) noch Anfang Juni, als der Sonnenschein so vielversprechend Hoffnung auf die schönste Jahreszeit machte. Davon ist nicht viel geblieben. Der Sommer fiel größtenteils ins Wasser, und auch die deutschen Aktienindizes tauchten ab.
Nun zum Ausklang noch einmal glückliche Tage. Das Wochenende versöhnte die leidgeprüften Bundesbürger, und auch die letzten Handelstage konnten zumindest etwas versöhnlicher stimmen. Bei 6422 Punkten ging der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel – immerhin 80 Punkte oder rund 1 Prozent stärker als noch in der Vorwoche. Dennoch bleibt seit Januar ein kräftiges Minus von rund 20 Prozent.
Deutsche Aktienmärkte: MDax setzt sich ab
Immer weiter von dieser Marke setzt sich dagegen der Nebenwerte-Index ab, der lediglich 12 Prozent unter Januarniveau liegt. Der MDax ist im laufenden Börsenjahr damit weiter bester deutscher Index und bewies in den vergangenen Handelstagen, warum. Am Freitag ging der Midcap-Index nämlich deutlich stärker aus dem Handel – bei 8671 Zählern, stolze 260 Punkte oder rund 3 Prozent fester als in der Vorwoche.
Nur leicht Richtung Norden tendierten dagegen die Kleinstwerte: So ging der SDax bei 4119 Zählern aus dem Handel, rund 1 Prozent höher als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index inzwischen allerdings um 21 Prozent hinten.
Wie schon seit einem Monat geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax. Der lange Zeit Klassenletzte, der TecDax, setzte seine Aufholjagd unterdessen fort. Angetrieben von der Stärke der Solarwerte legte der Nemax50-Nachfolger in den letzten 5 Handelstagen abermals stärker zu als der Markttrend – diesmal um weitere 2 Prozent! Bei 827 Zählern liegt der deutsche Technologieindex 2008 nun nur noch 15 Prozent hinten und ist damit aktuell weiter das zweiterfolgreichste deutsche Kursbarometer.
US-Börsen: Nasdaq schwächelt
Damit konnte der TecDax sogar den Vorgaben aus den USA trotzen. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq, die in den letzten Wochen noch so durch Stärke aufgefallen war, musste in den vergangenen Handelstagen einen kräftigeren Rücksetzer verkraften. Bei nur noch 2367 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. In der Vorwoche hatte der Indexstand noch bei 2415 Punkten gelegen – das entspricht einem Abschlag von zwei Prozent. Vor allem die Schwergewichte Apple und Research in Motion mussten in den vergangenen Tagen kräftig Federn lassen. Seit Jahresbeginn hat sich das Minus damit wieder auf 11 Prozent summiert.
Ebenfalls im Rückwartgang befand sich zuletzt der traditionsreichste Index der Welt. Der Dow Jones Industrial Average konnte sich jedoch deutlich besser behaupten als die Technologiebörse und gab in der letzten Handelswoche gerade mal ein halbes Prozent an Wert ab, um bei 11.544 Punkten die Woche zu beenden. Seit Jahresbeginn liegt der Dow damit nunmehr mit einem Minus von 13 Prozent hinten.
Kommende Woche: Index-Umstellung steht an
Wohin die Reise in den kommenden Handelstagen an den Aktienmärkten geht, ist nach wie vor ungewiss. Klar ist jedoch: Mit dem heutigen Labourday, an dem US-Börsen traditionell geschlossen sind, geht Ende die Urlaubssaison zu Ende. Der dünne Handel der vergangenen Woche dürfte dann wieder an Fahrt gewinnen. Für Impulse dürfte auch ohne die abgelaufene Quartalssaison gesorgt sein. Nach dem glamourösen Nominierungsparteitag der Demokraten steht nun das Event der Republikaner an, das schon heute beginnen sollte. Vielleicht aber auch nicht: Denn nach dem Aufkommen des Hurrikans Gustav, der heute auf New Orleans treffen soll, erwägt der Präsidentschaftskandidat John McCain den Parteitag im letzten Moment noch abzusagen.
Schlagzeilen ganz anderer Art haben am Vorabend des neuen Wochenbeginns auf der anderen Seite des Atlantiks bereits zwei Großbanken geliefert. Nach monatelangen Verhandlungen wird nun die Commerzbank die angeschlagene Allianz-Tochter Dresdner Bank übernehmen. Als Kaufpreis kursierte Sonntagabend die Summe von 9,8 Milliarden Euro. Damit geht eine siebenjährige Odyssee unter dem Dach des größten deutschen Versicherungskonzerns zu Ende, bei der niemand so richtig glücklich zu werden schien – vor allem nicht die leidgeprüften Allianz-Aktionäre. Mit entsprechender Spannung wird nun am Montag die Marktreaktion auf die Großübernahme erwartet.
Ebenfalls ein beherrschendes Marktthema dürfte die Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse sein, der Mitte der Woche ansteht. K+S und Salzgitter gelten als aussichtsreichste Kandidaten auf einen Dax-Aufstieg. Gesamtvolkswirtschaftlich dürften Anleger vor allem Freitag gebannt über den großen Teich schauen, wenn die Bekanntgabe der neuen Arbeitsmarktdaten ansteht. Marktexperten rechnen mit einem weiteren Jobabbau.
Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple, K+S und Research in Motion




