Märkte: Schwer angeschlagen
Wie ein taumelnder Boxer gingen die deutschen Aktienmärkte auch aus den letzten Handelstagen. Trotz einer leichten technischen Erholung bleibt die Lage an den Weltbörsen höchst prekär. Zum Wochenstart blicken Anleger gebannt auf den nächsten Krisenherd: Den möglichen Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers.
Das ganz große Debakel scheint nur aufgeschoben. Nach einer weiteren höchst nervösen Woche, in der der deutsche Aktienindex Dax passenderweise am 11.9. bei 6086 Zählern auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten schlitterte, blieb am Ende immerhin eine kosmetische Erholung.
Bei 6235 Punkten ging der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel – immerhin 108 Punkte oder knapp 2 Prozent stärker als noch in der Vorwoche. Dennoch bleibt seit Januar ein kräftiges Minus von knapp 23 Prozent – und vor allem die Aussicht, dass es kurzfristig wenige Hoffungsschimmer für Börsianer zu geben scheint, zu trist ist die Lage zwischen immer neuen Milliardenabschreibungen, Schieflagen und möglichen Insolvenzen.
Deutsche Aktienmärkte: Moderate Erholung nach schwerem Absturz
Auch der MDax, mit einem Minus von 18 Prozent noch immer bester deutscher Index, konnte sich in den vergangenen Handelstagen nur schwerlich von den deutlichen Vorwochenverlusten erholen. Am Freitag ging der Midcap-Index bei 8112 Zählern aus dem Handel, 87 Punkte oder rund 1 Prozent fester als in der Vorwoche. Erst gar nicht Richtung Norden schafften es dagegen die Kleinstwerte: So ging der SDax bei nur noch 3909 Zählern aus dem Handel, 1 Prozent schwächer als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index damit schon um 25 Prozent hinten. Wie schon seit einem Monat geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax.
Doch auch der TecDax, der in den letzten Wochen zunächst für eine so furiose Aufholjagd gesorgt hatte, orientiert sich wieder deutlich nach unten. Nach volatilem Handel in den letzten 5 Handelstagen ging der Nemax50-Nachfolger dennoch fast unverändert aus dem Handel – nämlich bei 764 Zählern, ein Plus von 2 Punkten. Damit liegt der deutsche Technologieindex 2008 auch schon wieder 21 Prozent hinten, ist damit aber aktuell weiter das zweiterfolgreichste deutsche Kursbarometer.
US-Börsen: Moderate Erholung zieht Dow nach oben
Auch die amerikanische Technologiebörse, die im August noch so geglänzt hatte, ist weiter angeschlagen. Bei nur noch 2261 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. Das ist allerdings immerhin noch 6 Punkte besser als in der Vorwoche. Vor allem jedoch die Schwergewichte Apple und Research in Motion mussten in den vergangenen Tagen weiter kräftig Federn lassen. Seit Jahresbeginn hat sich das Minus der US-Technologiebörse damit wieder auf 15 Prozent summiert.
Wieder Boden zurückgewinnen konnte dagegen der traditionsreichste Index der Welt. Der Dow Jones Industrial Average konnte sich deutlich besser behaupten als die US-Technologiebörse und legte in der letzten Woche immerhin knapp zwei Prozent an Wert zu, um bei 11.422 Punkten aus dem Handel zu gehen. Seit Jahresbeginn liegt der Dow damit nunmehr mit einem Minus von 14 Prozent wieder vor der Nasdaq.
Kommende Woche: Erneuter Blick auf die US-Banken
Ob es dabei bleibt, dürfte in der kommenden Handelswoche maßgeblich von den amerikanischen Großbanken abhängen. Nach der Fast-Pleite von Bear Stearns im März befindet sich nun seit Wochen die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers unter erheblichem Druck. Im letzten halben Jahr hat die Aktie mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren und notiert am Freitag nur noch bei rund 3 Dollar. Nach einem Schuldenstand, der sich zuletzt auf enorme 30 Milliarden Dollar summiert hatte, steht die Bank vor Handelseröffnung am Montag nun kurz vor dem Kollaps. Fieberhaft wurde am Wochenende nach einer Lösung gesucht – Lehman hatte sich am Freitag bereits zum Verkauf gestellt.
Ein ähnlich dickes Ende könnte auch diesseits des Atlantiks drohen. Die größte italienische Fluggesellschaft Alitalia müsse möglicherweise am heute alle Flüge einstellen, da kein Geld mehr für neues Kerosin bereit stehe, teilte der Insolvenzverwalter am Wochenende mit. Auch hier wurde am Wochenende zwischen dem Unternehmen, der Gewerkschaft und der italienischen Regierung nach einem Rettungsplan gesucht.
Mehr Krisenmeldungen könnten im Wochenverlauf dann nochmals von der Wall Street zu erwarten sein. Hier nämlich informieren zwei weitere US-Banken ihre Aktionäre über den Verlauf ihrer Geschäftstätigkeit in den abgelaufenen drei Monaten. Goldman Sachs und Morgan Stanley vermelden am Dienstag und Mittwoch ihre Quartalsergebnisse. Zudem berichten aus dem Technologiesektor Adobe und Palm im Wochenverlauf.
Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple und Research in Motion
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