HRE-Klagen: Besser keinen Schadenersatz zusprechen
Kapitalanlagen mit Aktien sind risikobehaftet. Alle paar Monate kommen Anleger auf die Idee, sich Geld auf unkonventionelle Art und Weise zurück holen zu wollen. Das sind dann meist schlechte Verlierer.
Unzweifelhaft hat der Vorstand der Hypo Real Estate (HRE) im letzten Sommer die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Das Institut war zudem strategisch falsch positioniert. Das dürfte inzwischen unstrittig sein. Ob Anleger aber Schadenersatz für erlittene Kapitalmarktverluste erhalten sollten, ist eine völlig andere Frage. Denn schließlich waren es die Aktionäre selbst, die auf Hauptversammlungen das Management bestätigt und eine fragwürdige Strategie jahrelang gebilligt hatten. Gerichte können und sollten das im Nachhinein nicht korrigieren. Wer damals schon nicht einverstanden war, der konnte die Aktien verkaufen. Wer es nicht tat, den trifft eigene Schuld.
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Märkte: Ein kleiner Befreiungsschlag
Es ist doch noch Verlass auf die Historie: Wie so oft in der Vergangenheit notierten die amerikanischen Aktienmärkte in der verkürzten Thanksgiving-Woche fester. Die deutschen Börsen legten zum Teil noch stärker zu. Dennoch sind die Marktteilnehmer nach zuletzt so vielen gescheiterten Erholungsversuchen skeptisch, ob der Dezember noch für eine spürbare Korrektur eines desaströsen Börsenjahres gut ist.
Es herrscht noch etwas Leben im Markt. Nach einem erneut vernichtenden Kurssturz in der Vorwoche setzten die Aktienmärkte rund um den Globus in den letzten fünf Tagen zur breit angelegten Rallye an. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte um stolze 542 Punkte oder fast 13 Prozent auf ein Niveau von 4669 Zählern – in der Vorwoche war der deutsche Bluechip-Index noch bei 4127 Punkten stehen geblieben. Trotz der starken Rallye, die vor allem von Finanzwerten angetrieben wurde, bleibt seit Jahresbeginn ein Minus von deftigen 42 Prozent. weiterlesen …
Labile Finanzmärkte: Gut gemeint reicht oft nicht! Über Rettungspakete.
Anfang der letzten Woche durfte die Hypo Real Estate (HRE) sich als gerettet fühlen. Am Donnerstag war das nicht mehr so klar, da die rettenden Banken sich nicht einigen konnten. Freitag gab es Entwarnung und jetzt ist das Paket wieder offen.
Ähnliches machten Anleger beim US-Rettungspaket mit. Jetzt ist das Paket durch und die Börsen geben dennoch nach. Das ist nicht einmal überraschend: Denn das Vertrauen ist weg und diverse Zinssätze spielen verrückt. So zum Beispiel der US-Interbankensatz ist hoch wie selten. Der Interbankensatz ist der Zinssatz zu dem Banken sich untereinander Geld leihen. Ist dieser - wie derzeit - auch bei kurzfristigen Engagements sehr hoch, spricht das für einen Mangel an Vertrauen.
Neuerliche Stützungsaktion - Staatshilfe für Dexia
Der angeschlagene Immobilien- und Staatsfinanzierer Dexia soll durch Staatshilfen gerettet werden. Die Beneluxstaaten Luxemburg und Belgien sowie Frankreich sorgen einer Agenturmeldung zufolge für eine Kapitalerhöhung von 6,4 Milliarden Euro.
Frankreich und Belgien tragen mit jeweils drei Milliarden den Hauptteil der finanziellen Lasten. Neben Luxemburg, das etwas weniger als 400 Millionen Euro beisteuern soll, beteiligen sich auch institutionelle Anleger und die Regionen an der Stützungsaktion.
Markt bricht ein auf Jahrestief
Die Hypo Real Estate (HRE) wird weiter gestützt. Die privaten Banken erhöhten ihr Engagement nach einer nächtlichen Krisensitzung. Das Paket umfasst insgesamt 50 Milliarden Euro. Inzwischen fordert Finanzminister Peer Steinbrück den Rücktritt von HRE-Chef Georg Funke.
Der Deutsche Aktienindex Dax brach zu Handelsbeginn um etwa viereinhalb Prozent ein. Der Finanzminister strebt nach seinen Erfahrungen mit der HRE eine Gesamtabschirmung für die Finanzindustrie an. Immerhin konnte das Ministerium nach der Krisensitzung eine Lösung präsentieren, die den Steuerzahlern keine neuen Bürgschaften abverlangt. Der Ruf nach einer Ablösung des Vorstandschefs der HRE wird immer lauter. Nach Erfahrungswerten mit solchen öffentlich diskutierten Rücktrittforderungen ist sein Verbleib im Vorstand inzwischen kaum noch zu erwarten.
Märkte: Nach dem Crash ist vor der Panik
Man sucht nach neuen Superlativen, um das Debakel an den Märkten zu begreifen. Weltweit gingen die Börsen in der vergangenen Woche nach dem Schwarzen Montag auf Talfahrt – zum Teil crashartig. Doch ein Ende der Panik scheint noch immer nicht in Sicht: Schon morgen droht an den deutschen Börsen der ganz große Einbruch.
Es sind Tage für die Geschichtsbücher. Ein Rettungsplan über 700 Milliarden Dollar, den US-Präsident Bush auf den Weg gebracht hatte, wurde erst vom Kongress abgelehnt, dann im zweiten Anlauf doch gebilligt. “Wir haben ein gutes Gefühl”, erklärt der Republikaner John Boehner nach dem klaren Beschluss. US-Präsident Bush scheint unterdessen nach der ersten Abstimmungsblamage altes Selbstbewusstsein wiederzufinden. “Die USA haben der Welt bewiesen, dass sie weiter eine führende Rolle in der Weltwirtschaft spielen”, erklärt der in drei Monaten scheidende US-Präsident. Was für ein Anspruch für die Supermacht.
Die Märkte bezweifeln das unterdessen offenbar weiterhin. Auch am Freitag ging die Wall Street schwächer aus dem Handel, nachdem sie noch mehr als den halben Tag im Plus gelegen – und dem deutschen Aktienindex Dax damit eine Steilvorlage gegeben hatte. Bei nur noch 5797 Zählern war der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel gegangen – 266 Punkte oder knapp 5 Prozent schwächer als noch in der Vorwoche. Seit Januar hat sich damit ein enormes Minus von rund 28 Prozent aufgetürmt.
Wie groß die Panik unterdessen inzwischen geworden ist, wurde am Wochenende klar, als sich die Krise um die in Schieflage geratene Hypo Real Estate erneut verschärfte – und für Stunden die Pleite des Dax-Konzerns drohte. Um die aufgewühlten Gemüter und Millionen von Bundesbürgern zu beruhigen, wie sicher ihre Ersparnisse tatsächlich noch sind, sprach Bundeskanzlerin Merkel die bedeutungsschwangeren Worte: “Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind”. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück adjutierte: “Ich möchte unterstreichen, dass wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.”
Deutsche Aktienmärkte: Hemmungsloser Ausverkauf
Angesichts solcher Bekenntnisse von historischem Ausmaß erscheint es fast vorprogrammiert, dass Anlegern erneut schwierige Handelstage bevorstehen. Das könnte ebenso für die kleineren Indizes gelten, die in den vergangenen Wochen mitunter noch stärker unter Druck gekommen waren. So musste der MDax, der über drei Viertel des Jahres noch bester deutscher Index gewesen war, in der vergangenen Woche happige 8 Prozent abgeben – und liegt mit einem Minus von 28 Prozent nun mit dem Dax gleichauf.
Hemmungslos eingebrochen sind auch die Kleinstwerte: So ging der SDax bei nur noch 3342 Zählern aus dem Handel – deftige 10 Prozent schwächer als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index damit schon um 35 Prozent hinten. Wie schon in den letzten zwei Monaten geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax.
Doch auch der TecDax, der im Spätsommer zunächst für eine so furiose Aufholjagd gesorgt hatte, taucht wieder sehr deutlich nach unten ab. Nach volatilem Handel in den letzten 5 Handelstagen ging der Nemax50-Nachfolger um 6 Prozent leichter aus dem Handel – nämlich bei 681 Zählern, ein Minus von 44 Punkten. Damit liegt der deutsche Technologieindex 2008 nun doch schon wieder 30 Prozent hinten und ist damit wieder das zweitschwächste deutsche Kursbarometer.
US-Börsen: Dow Jones verliert mehr als 800 Punkte
Ausgelöst wurde der weltweite Kurssturz erneut von der Wall Street, die nach den starken Kursverlusten der letzten Wochen am vergangenen Montag ihr Waterloo erlebte – den historischen Black Monday der 2000er-Jahre. Bis auf 10.325 Zähler wurde der traditionsreichste Index der Welt Freitagabend durchgereicht. Damit hatte der Dow Jones Industrial Average nicht nur mehr als 800 Punkte binnen einer Woche eingebüßt, sondern fiel auch gleichermaßen auf den tiefsten Stand seit drei Jahren zurück.
An der US-Technologiebörse Nasdaq ging der Ausverkauf gar noch weiter. Bei nur noch 1947 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. Das sind alarmierende 11 Prozent weniger als in der Vorwoche. Seit Jahresbeginn hat sich das Minus der US-Technologiebörse damit auf 27 Prozent summiert. Der Dow Jones liegt um 22 Prozent hinten.
Kommende Woche: Erneute Angst vorm Schwarzen Montag
Wie es in der kommenden Handelswoche weitergeht, erscheint völlig offen. Obwohl auf einen Kursrutsch in dieser Größenordnung historisch betrachtet oftmals eine technische Gegenreaktion zu beobachten ist, traut kaum ein Anleger gegenwärtig dem Markt. “Überverkauft zu sein, ist die eine Seite der Medaille”, erklärt der Vermögensverwalter Manny Weintraub von Integre Advisors, “angeschossen zu sein, die andere.”
Wieder blicken Anleger auf den Schicksalstag – Montag. In den vergangenen drei Wochen mussten Anleger enorme schmerzhafte Verluste verkraften: Vor drei Wochen kollabierte Lehman, letzte Woche erlebten Börsianer den Schwarzen Montag. Diese Woche steht die Hypo Real Estate mit dem Rücken zur Wand. “Man weiß nicht, was der Montag bringt, bis es Montag ist”, übt sich Weintraub schon fast in Galgenhumor. Viel mehr, so scheint es, bleibt Anlegern in diesen schwarzen Herbsttagen nicht…
Gezerre um das US-Rettungspaket - Finanzkrise trifft den Dax
Das US-Rettungspaket stand vor unerwarteten Hürden im US-Kongress. Sowohl Demokraten als auch Republikaner übten Kritik daran. Zum Ende der Woche gab es eine neue Schreckensnachricht: Die größte US-Sparkasse, Washington Mutual (WaMU) gibt auf und wird übernommen.
Die US-Parlamentarier wollten von US-Finanzminister Henry Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke Antworten darauf, ob die jetzige Rettungsaktion Erfolg bringen werde. Soweit wollte aber niemand gehen: Bernanke argumentierte andersrum: Die Märkte seien so ” fragil“, dass der vorgestellte 700-Milliarden-Dollar-Plan notwendig ist. Paulson malte Anfang der Woche weitere Bankpleiten und ausgetrocknete Kreditmärkte an die Wand.




