US-Banken - Krise noch nicht überwunden
Die Citigroup, einst die größte Bankgruppe der Welt, verbucht weiterhin hohe Verluste. Auch andere Banken sind noch nicht aus dem Gröbsten raus und fürchten die Zukunft. Beim Erklären der Krisenursachen geben Top-Banker sich weiterhin kenntnis- und ahnungslos.
Die Aktien der Citigroup notieren momentan um die 3,5 US-Dollar. Im vierten Quartal 2009 fiel bei der Bank ein Verlust von 7,6 Milliarden US-Dollar an. Bei 22,8 Milliarden ausstehenden Aktien entspricht das einem Verlust von 33 Cent je Aktie. Bezogen auf den aktuellen Unternehmenswert ist das ein Quartals-Minus von fast zehn Prozent bezogen auf die aktuelle Aktienbewertung. Das zeigt einmal mehr, welche unsinnigen Kapitalhebel die Citibanker in Bewegung gesetzt hatten. Die Zahl der Mitarbeiter wurde durch Verkauf von Beteiligungen von 375.000 auf 265.000 gesenkt.
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„Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft“ – das hört sich platt an, ist aber richtig. Der Suizid von Robert Enke ist das schreckliche Ergebnis eines falschen Leistungsdenkens, das unsere Gesellschaft beherrscht. Leider.
Die Witwe von Robert Enke ist eine starke Frau, die einen Tag nach dem Suizid in bewegenden Worten und in einem unglaublichen Kraftakt der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten hat. Teresa Enke ist aber auch eine verzweifelte Frau, die hoffentlich stark genug ist, mit ihrem eigenen Schmerz zu leben. Jeder sollte in den Spiegel der Teresa Enke hineinschauen und seine Schlüsse daraus ziehen. Jeder.
Bankenkrise: Schwarzer Montag
Es ist der vorläufige Höhepunkt einer historischen Krise: In der Nacht zum Montag musste Lehman Brothers Insolvenz beantragen, während sich Konkurrent Merrill Lynch in die Arme der Bank of America warf. AIG benötigt unterdessen eine Finanzspritze in Höhe von 40 Milliarden Dollar. Börsianer ziehen an der Wall Street die Reißleine.
Der 15. September 2008 dürfte seinen Platz in den Gesichtsbüchern sicher haben. Binnen weniger Stunden braute sich ein Sturm zusammen, den die amerikanische Bankenlandschaft seit der Weltwirtschaftkrise 1929 nicht mehr gesehen hatte.
Dabei schien mit der Fast-Pleite von Bear Stearns vor exakt einem halben Jahr der Gipfel der Finanzmarktkrise erreicht zu sein. Sechs Monate später nun der ganze große Knall, vor dem notorische Skeptiker immer wieder gewarnt hatten: Trotz fieberhafter Verhandlungen konnte die viertgrößte amerikanische Investmentbank Lehman Brothers nicht mehr gerettet werden – eine überraschende Trendwende, nachdem im März bei der Nummer Fünf, Bear Stearns, von Politik und Finanzbranche noch alle Hebel in Bewegung gesetzt worden waren, um eine Insolvenz zu verhindern.
Nicht so beim einst begehrten Filetstück des amerikanischen Investmentbankings. Nach allen erdenklichen Planspielen zum Notverkauf einzelner Unternehmensteile und nach fieberhaften Verhandlungen zur Übernahme durch die Barclays Bank oder Bank of America blieb in den Morgenstunden zum Montag nur noch die Kapitulation auf ganzer Ebene – nämlich die Beantragung des Gläubigerschutzes nach Chapter 11.
“Lehman-Pleite: Das globale Vertrauen in die Stützung und Stabilität des Finanzsystems ist erschüttert“
Bei ganzen 19 US-Cent ging die Lehman-Aktie daraufhin gestern aus dem Handel. Bei knapp 86 Dollar hatte das Papier Anfang 2007 noch auf einem Allzeithoch notiert. Nun der Zusammenbruch, der gleichzeitig die größte Pleite in der US-Geschichte darstellt. Per 31. Mai hatte Lehman noch ein Vermögen von enormen 639 Milliarden Dollar in seinen Büchern geführt.
“Die Druckerschwärze unter dem Insolvenzantrag von Lehman ist noch nicht ganz trocken”, resümiert Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank gegenüber der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. “Wir hatten mit Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac die ganz klare Sicherheit, dass das Finanzsystem nicht wankt, da der Staat diesen Banken unter die Arme gegriffen hat. Lehman steht nun mit dem Rücken zur Wand, und das globale Vertrauen in die Stützung und Stabilität des Finanzsystems ist wieder einmal erschüttert”.
Schneller Merger Bank of America-Merrill Lynch: “Das führende Finanzinstitut der Welt”
Das gilt erst recht nach den nächsten Schockmeldungen, die die Märkte ebenfalls noch vor Handelseröffnung am Montag erreichten: So verschwand - buchstäblich über Nacht – auch die drittgrößte amerikanische Investmentbank, Merrill Lynch. Diesmal nicht durch eine Pleite, sondern durch einen überraschenden Verkauf an die Bank of America, der größten Bank der Vereinigten Staaten. Kaufpreis: 50 Milliarden Dollar in Aktien (0,8595 eigene Aktien für einen Merrill-Lynch-Anteilsschein).
Dass beide Unternehmen erklärten, sie würden nunmehr “das führende Finanzinstitut der Welt” bilden, wirkt in diesem Marktumfeld da eher wie schlechter Treppenwitz, zu desaströs ist die Stimmung an den globalen Finanzmärkten. Tatsächlich munkeln Marktbeobachter, das Traditionshaus Merrill Lynch, das im Zuge der Subprime-Krise ebenfalls heftig unter die Räder gekommen war, wollte einem ähnlichen Schicksal wie Lehman und Bear Stearns zuvorkommen und habe daher die Gunst der Stunde zu einer noch standesgemäßen Übernahme genutzt.
Nächster Krisenherd AIG: 40 Milliarden Dollar zum Überleben benötigt
Doch das war immer noch nicht alles: Auch der vor ein paar Monaten noch weltgrößte Versicherer AIG steht mit dem Rücken zur Wand. Und wie: Die American International Group musste in der Nacht zum Montag eingestehen, dass sie dringend frisches Kapital benötige. Nach Berichten der “New York Times” drohe eine Herabstufung des Kreditratings, wodurch reflexartig immense Mittelabflüsse losgetreten werden könnten. “AIG hätte nur noch 48 bis 72 Stunden zu leben gehabt”, wurde ein Insider in der Zeitung zitiert.
Durch eine Lockerung der Kreditregeln kann der Dow Jones-Konzern nun Vermögen von Tochterunternehmen in Höhe von 20 Milliarden Dollar zur Stützung der Muttergesellschaft verwenden. Weitere 20 Milliarden Dollar sollen folgen. Anleger reagierten auf die Not-Transaktion indes panisch und flüchteten aus dem ohnehin schon leckgeschlagenen Traditionskonzern. Gegen Handelsende stand ein tiefrotes Minus von mehr als 60 Prozent auf der Kurstafel.
Wall Street: “Der denkbar schlechteste Handelsschluss. Ein komplett hoffnungsloser Handelsschluss”
Auch in der Breite quittierten die Anleger das Desaster an den Finanzmärkten mit den stärksten Abschlägen seit dem 11. September 2001. Der Dow Jones Industrial Average schloss am Montagabend nur noch bei 10.917 Punkten. Das entsprach einem Verlust von 504 Punkten oder 4,4 Prozent. Damit notierte der Dow auf dem tiefsten Stand seit Juli 2006. Der marktbreite S&P-500 verlor sogar 4,6 Prozent auf 1193 Zähler, während die Technologiebörse Nasdaq mit einem Minus von 3,6 Prozent auf 2179 Punkte abtauchte.
Die Märkte schlossen damit allesamt auf Tagestiefs. Wall Street-Haudegen James Cramer schlägt dann auch in schrillsten Tönen Alarm: “Der denkbar schlechteste Handelsschluss. Ein komplett hoffnungsloser Handelsschluss. Ich will keine Hoffnung machen, wenn es keine gibt”, erklärte der CNBC-Marktkommentator.
“Das US-Finanzsystem befindet sich in seiner größten Krise seit 1929″
Andere Marktexperten sehen die amerikanische Bankenlandschaft dann auch bereits in der schwierigsten Lage seit der Weltwirtschaftskrise. “Fakt ist, das US-Finanzsystem befindet sich in seiner größten Krise seit 1929. Ohne die Intervention der US-Regierung sowie der US-Notenbank wäre das System sehr wahrscheinlich schon längst kollabiert”, erklärt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank, gegenüber manager-magazin.de “Sie versuchen das Schlimmste abzuwenden, um den Schaden für die Realwirtschaft in Grenzen zu halten.”
Wie das noch gelingen könnte, erklärt James Cramer: “Wir brauchen – noch in dieser Woche – eine Lösung für AIG, eine große Zinssenkung und einen weiteren Merger im Stile Bank of America-Merrill Lynch, um einen weiteren strauchelnden Player aufzufangen. Und wir brauchen die Liquiditätssicherung durch die Fed, um einen Crash zu vermeiden.” Damit ist das hässliche C-Wort ausgesprochen: Ein veritabler Crash – das wäre noch eine Steigerung des Schwarzen Montags vom 15. September 2008.
US-Quartalssaison: Was sind die Milliardengewinne der Banken wert?
So schnell kann es doch gehen: Mitten in der Finanzmarktkrise, deren Ende viele Marktexperten noch längst nicht absehen wollen, erleben ausgerechnet die US-Banken eine schier mirakulöse Renaissance. Dabei hatten die amerikanischen Investmentbanken das Börsenbeben im vergangenen Herbst erst ausgelöst. Im abgelaufenen ersten Quartal fuhren Goldman Sachs, J.P. Morgan oder Wells Fargo jedoch bereits wieder Milliardengewinne ein. Taugt das Signal als Trendwende?
Es sind rare Worte: Es deute einiges darauf hin, dass die von der Fed ergriffenen massiven Interventionen maßgeblich zur Reanimierung der Wirtschaft beigetragen hätten, hieß es am vorvergangenen Wochenende – und zwar vom Chef der New Yorker Fed, William Dudle, und Fed-Vize Donald Kohn selbst.
Märkte: Schwer angeschlagen
Wie ein taumelnder Boxer gingen die deutschen Aktienmärkte auch aus den letzten Handelstagen. Trotz einer leichten technischen Erholung bleibt die Lage an den Weltbörsen höchst prekär. Zum Wochenstart blicken Anleger gebannt auf den nächsten Krisenherd: Den möglichen Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers.
Das ganz große Debakel scheint nur aufgeschoben. Nach einer weiteren höchst nervösen Woche, in der der deutsche Aktienindex Dax passenderweise am 11.9. bei 6086 Zählern auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten schlitterte, blieb am Ende immerhin eine kosmetische Erholung.
Bei 6235 Punkten ging der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel – immerhin 108 Punkte oder knapp 2 Prozent stärker als noch in der Vorwoche. Dennoch bleibt seit Januar ein kräftiges Minus von knapp 23 Prozent – und vor allem die Aussicht, dass es kurzfristig wenige Hoffungsschimmer für Börsianer zu geben scheint, zu trist ist die Lage zwischen immer neuen Milliardenabschreibungen, Schieflagen und möglichen Insolvenzen.
Deutsche Aktienmärkte: Moderate Erholung nach schwerem Absturz
Auch der MDax, mit einem Minus von 18 Prozent noch immer bester deutscher Index, konnte sich in den vergangenen Handelstagen nur schwerlich von den deutlichen Vorwochenverlusten erholen. Am Freitag ging der Midcap-Index bei 8112 Zählern aus dem Handel, 87 Punkte oder rund 1 Prozent fester als in der Vorwoche. Erst gar nicht Richtung Norden schafften es dagegen die Kleinstwerte: So ging der SDax bei nur noch 3909 Zählern aus dem Handel, 1 Prozent schwächer als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index damit schon um 25 Prozent hinten. Wie schon seit einem Monat geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax.
Doch auch der TecDax, der in den letzten Wochen zunächst für eine so furiose Aufholjagd gesorgt hatte, orientiert sich wieder deutlich nach unten. Nach volatilem Handel in den letzten 5 Handelstagen ging der Nemax50-Nachfolger dennoch fast unverändert aus dem Handel – nämlich bei 764 Zählern, ein Plus von 2 Punkten. Damit liegt der deutsche Technologieindex 2008 auch schon wieder 21 Prozent hinten, ist damit aber aktuell weiter das zweiterfolgreichste deutsche Kursbarometer.
US-Börsen: Moderate Erholung zieht Dow nach oben
Auch die amerikanische Technologiebörse, die im August noch so geglänzt hatte, ist weiter angeschlagen. Bei nur noch 2261 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. Das ist allerdings immerhin noch 6 Punkte besser als in der Vorwoche. Vor allem jedoch die Schwergewichte Apple und Research in Motion mussten in den vergangenen Tagen weiter kräftig Federn lassen. Seit Jahresbeginn hat sich das Minus der US-Technologiebörse damit wieder auf 15 Prozent summiert.
Wieder Boden zurückgewinnen konnte dagegen der traditionsreichste Index der Welt. Der Dow Jones Industrial Average konnte sich deutlich besser behaupten als die US-Technologiebörse und legte in der letzten Woche immerhin knapp zwei Prozent an Wert zu, um bei 11.422 Punkten aus dem Handel zu gehen. Seit Jahresbeginn liegt der Dow damit nunmehr mit einem Minus von 14 Prozent wieder vor der Nasdaq.
Kommende Woche: Erneuter Blick auf die US-Banken
Ob es dabei bleibt, dürfte in der kommenden Handelswoche maßgeblich von den amerikanischen Großbanken abhängen. Nach der Fast-Pleite von Bear Stearns im März befindet sich nun seit Wochen die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers unter erheblichem Druck. Im letzten halben Jahr hat die Aktie mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren und notiert am Freitag nur noch bei rund 3 Dollar. Nach einem Schuldenstand, der sich zuletzt auf enorme 30 Milliarden Dollar summiert hatte, steht die Bank vor Handelseröffnung am Montag nun kurz vor dem Kollaps. Fieberhaft wurde am Wochenende nach einer Lösung gesucht – Lehman hatte sich am Freitag bereits zum Verkauf gestellt.
Ein ähnlich dickes Ende könnte auch diesseits des Atlantiks drohen. Die größte italienische Fluggesellschaft Alitalia müsse möglicherweise am heute alle Flüge einstellen, da kein Geld mehr für neues Kerosin bereit stehe, teilte der Insolvenzverwalter am Wochenende mit. Auch hier wurde am Wochenende zwischen dem Unternehmen, der Gewerkschaft und der italienischen Regierung nach einem Rettungsplan gesucht.
Mehr Krisenmeldungen könnten im Wochenverlauf dann nochmals von der Wall Street zu erwarten sein. Hier nämlich informieren zwei weitere US-Banken ihre Aktionäre über den Verlauf ihrer Geschäftstätigkeit in den abgelaufenen drei Monaten. Goldman Sachs und Morgan Stanley vermelden am Dienstag und Mittwoch ihre Quartalsergebnisse. Zudem berichten aus dem Technologiesektor Adobe und Palm im Wochenverlauf.
Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple und Research in Motion





