Kurserholung: Die Rückkehr der alten Reflexe


Nach einem katastrophalen Jahresstart  haben die Aktienmärkte in den letzten Wochen wieder deutliche Zuwächse verbucht. Keine Frage: Mit immer neuen Negativwachstumsszenarien erscheint die konjunkturelle Lage weiter  düster. An den Weltbörsen keimt jedoch angesichts der enormen Rettungspakte leise Hoffnung auf. Zu Recht? An der Spitze der Erholung stehen alte Bekannte. Kehrt der Bulle zurück?

Gottfried Heller ist immer für eine Börsenweisheit gut.  Überliefert  ist dieses Bonmot des früheren Kostolany-Partners: “Bei Pessimismus kaufen. Der Pessimismus ist die häufigste Ursache für niedrige Börsenkurse; je größer der Pessimismus desto niedriger die Kurse”.

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US-Quartalssaison: Abgründe tun sich auf


In der dieser Woche rüsten sich die USA für ein Fest, dass God’s own Country noch nicht gesehen hat. An der Wall Street herrschen dagegen umgekehrte Vorzeichen: Zeitgleich zur Inauguration von Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA müssen die Vorzeige-Unternehmen Amerikas bei Vorlage der  jüngsten Quartalszahlen Farbe bekennen. Den Auftakt hatten in der letzten Woche bereits die US-Großbanken gemacht - mit desaströsen Ergebnissen.

Das Prinzip Hoffnung währte nicht mal eine Woche. Hoffnungsvoll waren die Aktienmärkte in der vorvergangenen Woche ins neue Jahr gestartet. Doch spätestens, als die ersten schlechten Nachrichten von Corporate America  eintrafen, ergriffen Anleger reflexartig die Flucht. Intel warnte, Time Warner  warnte – und die Konjunkturdaten verschreckten. 
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Postbank: Konsolidierung im Bankensektor


Die Postbank schien keiner haben zu wollen. Dann bieten mit der Deutschen Bank und der spanischen Banco Santander doch zwei Institute. Nach dem Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank kommt es jetzt zur Konsolidierung unter deutschen Banken.

In einer Eilmeldung gab die spanische Bankengruppe Santander ein indikatives Gebot für die Deutsche Postbank AG ab. Nach einer sorgfältigen Prüfung, Due Diligence genannt, wollen die Spanier 50 Prozent plus eine der Aktien der Postbank von der Deutschen Post World Net übernehmen. Kurz danach wurde Meldungen zufolge schnell der gesamte Anteil angestrebt. Die Deutsche Bank wollte zunächst nur 29,75 Prozent der Postbank kaufen und später den Rest des Instituts übernehmen. Die Deutsche wollte einen Aufschlag von 20 Prozent auf den letzten Schlusskurs zahlen hieß es.

Finanzminister Peer Steinbrück begrüßte am Tag der zwei Angebote eine Fusion ganz generell auf einer Tagung der Wirtschaftszeitung Handelsblatt: “Wenn es zu einem solchen Zusammenschluss kommt, würde das dem Kriterium entsprechen, das ich für notwendig erachte: Nämlich die Konsolidierung auch bei den privaten Banken stärker voranzutreiben”, sagte Steinbrück am Donnerstag. Ausländische Investoren seien im Grundsatz ebenfalls willkommen hieß es.

Größe zählt 

In keiner anderen Branche ist die Bedeutung der Unternehmensgröße derart wichtig wie in der Bankenbranche: Wer zu klein ist, der kann aufgekauft werden oder der leidet unter zu geringem Haftungskapital. In den USA trat der vor Jahresfrist fast undenkbare Ernstfall inzwischen bei zehn Banken ein, die nicht mehr handlungsfähig waren: das Einlagensicherungssystem wurde in Anspruch genommen. Die Krise hat Regionalbanken und naturgemäß Investmentbanken hart getroffen. Darüber hinaus sind die spezialisierten Institute Fannie Mae und Freddy Mac auf dem Weg in die Arme des Staates. In der aktuellen Krise kam es immer wieder zu dem Problem, dass Bankinstitute mit ihrer Liquidität und ihrem Eigenkapital nicht hinkamen. Zwar ist Größe kein Komplettschutz wie die Schwierigkeiten der Citigroup zeigen, aber  je größer ein Institut ist, desto besser können Krisen wie die aktuelle Vertrauenskrise gemeistert werden.

Die Konsolidierung wurde bei einigen Landesbanken (SachsenLB, WestLB) bereits zwangsweise herbeigeführt. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn diese Fusionen aus der Stärke heraus zustande gekommen wären. Aber das ist zumindest bei öffentlich rechtlichen Banken ein sehr frommer Wunsch. Zu viele lukrative Jobs verschwinden schließlich bei solchen Konsolidierungsprozessen. Man kann das Beharrungsvermögen von etablierten Strukturen im Bankensektor übrigens immer noch in den vielen Landeszentralbanken beobachten. Von alleine ändert sich hier in den nächsten Jahren sicherlich gar nichts. Bei Landeszentralbanken muss die Politik endlich handeln.

Weniger ist oft mehr

Für Kunden ist eine Konzentration nicht immer nur ein Verlust an Wettbewerb und Anlagemöglichkeiten. Nimmt man beispielsweise die Vielzahl an Investmentfonds und Zertifikateprodukten so dürfte für den Kunden eine Zusammenlegung ähnlicher Produktgruppen der Fusionspartner von Vorteil sein. Schließlich zählt auch bei Investmentfonds die Größe, um ein wirtschaftliches Management zu ermöglichen. Die größeren, konsolidierten Institute können also den Anlegern durchaus Vorteile bescheren. Und vielleicht wird die Produktlandschaft etwas gestraffter daherkommen in Zukunft.

Das große Bild

Natürlich kämpfen Mitarbeiter aus der Bankenbranche um ihre Jobs, denn bei jeder Fusion fallen auf Dauer Arbeitsplätze weg. Interessant ist aber die Fusion mit der Postbank, die gar keine so beratungsintensive Struktur aufweist in jedem Fall. Schließlich ist die Postbank die kundenstärkste deutsche Bank mit zuletzt mehr als 14,5 Millionen Kunden. In Amerika sieht es im Bankensektor deutlich dramatischer aus: An der Wall Street verlieren zurzeit Investmentbanker und Juristen tausendfach ihre Jobs.

Gespannt sein darf man auch wie die Deutsche Bank die vielen Neukunden behandeln will: Privatkunden sind zwar aufwändiger als Investmentbanking, aber Einnahmen aus diesem Sektor sind viel verlässlicher zu planen. Die Deutsche Bank krankte in diesem Zusammenhang immer noch etwas an ihrer ehemals einseitigen Ausrichtung auf das vormals lukrative Investmentbanking. Durch die Postbank wünscht die Deutsche Bank demnächst vielleicht wieder Kontakt zu mehr Privatkunden. Diesmal sollte sich das größte deutsche Institut jedenfalls vor einer Kundenklassifizierung wie bei dem Segmentierungsversuch in Deutsche Bank/ Bank 24 hüten.

Bekannt ist, dass es in Deutschland zu viele Institute gibt, die kaum sämtlich genügend wirtschaftlich arbeiten können. Der Konsolidierungsprozess hat gerade mit den großen Playern der Branche begonnen. Viel spannender könnte in den nächsten Monaten die weitere Konzentration bei kleinen und mittleren Instituten werden

Ausblick: Zittern vor dem Börsenjahr 2009


Neustart: Das Horrorjahr 2008 ist Geschichte – das ist die beste Nachricht, die Anleger aus dem Jahreswechsel mitnehmen. Viel Grund zum Optimismus bietet die Nachrichtenlage zu Jahresbeginn tatsächlich nicht: Eine Schreckensmeldung jagt die nächste – die Stimmung ist miserabel. Doch genau daraus ziehen Börsianer die Hoffnung.  

Das Börsenjahr 2008 begann gut und endete schlecht.  Warum sollte es diesmal also nicht anders kommen: Ein glückliches Ende nach einem vermurksten Beginn? So oder so ähnlich könnte die optimistische Hypothese aussehen, die Anleger zu Beginn des neuen Börsenjahres vage formulieren. weiterlesen …

Märkte: Richtungsloser Sommerhandel


Immerhin: Nach zwei verlustreichen Wochen konnten die deutschen Aktienmärkte in den letzten Handelstagen wieder verlorenes Terrain zurückgewinnen – zumindest etwas. Der relativ impulslose Sommerhandel dürfte mit Beginn des Septembers nun enden. Für den ersten Paukenschlag sorgte gestern Abend eine Großübernahme im Bankensektor: Die Commerzbank übernimmt die Dresdner. 

 

Es war kein guter Sommer. Weder an den Freibädern, Biergärten und Stränden der Republik – noch an den Aktienmärkten. Bei über 7000 Punkten notierte der deutsche Aktienindex (Dax)  noch Anfang Juni, als der Sonnenschein so vielversprechend Hoffnung auf die schönste Jahreszeit machte. Davon ist nicht viel geblieben. Der Sommer fiel größtenteils ins Wasser, und auch die deutschen Aktienindizes tauchten ab.     

 

Nun zum Ausklang noch einmal glückliche Tage. Das Wochenende versöhnte die leidgeprüften Bundesbürger, und auch die letzten Handelstage konnten zumindest etwas versöhnlicher stimmen. Bei 6422 Punkten ging der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel – immerhin 80 Punkte oder rund 1 Prozent stärker als noch in der Vorwoche. Dennoch bleibt seit Januar ein kräftiges Minus von rund 20 Prozent.   

 

Deutsche Aktienmärkte: MDax setzt sich ab

 

Immer weiter von dieser Marke setzt sich dagegen der Nebenwerte-Index ab, der lediglich 12 Prozent unter Januarniveau liegt. Der MDax ist im laufenden Börsenjahr damit weiter bester deutscher Index und bewies in den vergangenen Handelstagen, warum. Am Freitag ging der Midcap-Index nämlich deutlich stärker aus dem Handel – bei 8671 Zählern, stolze 260 Punkte oder rund 3 Prozent fester als in der Vorwoche.

 

Nur leicht Richtung Norden tendierten dagegen die Kleinstwerte: So ging der SDax  bei 4119 Zählern aus dem Handel, rund 1 Prozent höher als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index  inzwischen allerdings um 21 Prozent hinten.

 

Wie schon seit einem Monat geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax. Der lange Zeit Klassenletzte, der TecDax,  setzte seine Aufholjagd unterdessen fort. Angetrieben von der Stärke der Solarwerte legte der Nemax50-Nachfolger in den letzten 5 Handelstagen abermals stärker zu als der Markttrend – diesmal um weitere  2 Prozent!  Bei 827 Zählern liegt der deutsche Technologieindex 2008 nun nur noch 15 Prozent hinten und ist damit aktuell weiter das zweiterfolgreichste deutsche Kursbarometer.  

 

US-Börsen: Nasdaq schwächelt

 

Damit konnte der TecDax sogar den Vorgaben aus den USA trotzen. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq, die in den letzten Wochen noch so durch Stärke aufgefallen war, musste in den vergangenen Handelstagen einen kräftigeren Rücksetzer verkraften.  Bei nur noch 2367 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. In der Vorwoche hatte der Indexstand noch bei 2415 Punkten gelegen – das entspricht einem Abschlag von zwei Prozent. Vor allem die Schwergewichte Apple und Research in Motion mussten in den vergangenen Tagen kräftig Federn lassen.  Seit Jahresbeginn hat sich das Minus damit wieder auf 11 Prozent summiert.

 

Ebenfalls im Rückwartgang befand sich zuletzt der traditionsreichste Index der Welt. Der Dow Jones Industrial Average konnte sich jedoch deutlich besser behaupten  als die Technologiebörse und gab in der letzten Handelswoche gerade mal ein halbes Prozent an Wert ab, um bei 11.544 Punkten die Woche zu beenden. Seit Jahresbeginn liegt der Dow damit nunmehr mit einem Minus von 13 Prozent hinten.

 

Kommende Woche: Index-Umstellung steht an

 

Wohin die Reise in den kommenden Handelstagen an den Aktienmärkten geht, ist nach wie vor ungewiss. Klar ist jedoch: Mit dem heutigen Labourday, an dem US-Börsen traditionell geschlossen sind, geht Ende die Urlaubssaison zu Ende. Der dünne Handel der vergangenen Woche dürfte dann wieder an Fahrt gewinnen. Für Impulse dürfte auch ohne die abgelaufene Quartalssaison gesorgt sein. Nach dem  glamourösen Nominierungsparteitag der Demokraten steht nun das Event der Republikaner an, das schon heute beginnen sollte. Vielleicht aber auch nicht: Denn nach dem Aufkommen des Hurrikans Gustav, der heute auf New Orleans treffen soll, erwägt der Präsidentschaftskandidat John McCain den Parteitag im letzten Moment noch abzusagen.

 

Schlagzeilen ganz anderer Art haben am Vorabend des neuen Wochenbeginns auf der anderen Seite des Atlantiks bereits zwei Großbanken geliefert. Nach monatelangen Verhandlungen wird nun die Commerzbank die angeschlagene Allianz-Tochter Dresdner Bank übernehmen. Als Kaufpreis kursierte Sonntagabend die Summe von 9,8 Milliarden Euro. Damit geht eine siebenjährige Odyssee unter dem Dach des größten deutschen Versicherungskonzerns zu Ende, bei der niemand so richtig glücklich zu werden schien – vor allem nicht die leidgeprüften Allianz-Aktionäre. Mit entsprechender Spannung wird nun am Montag die Marktreaktion auf die Großübernahme erwartet.  

 

Ebenfalls ein beherrschendes Marktthema dürfte die Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse sein, der Mitte der Woche ansteht. K+S und Salzgitter gelten als aussichtsreichste Kandidaten auf einen Dax-Aufstieg. Gesamtvolkswirtschaftlich dürften Anleger vor allem Freitag gebannt über den großen Teich schauen, wenn die Bekanntgabe der neuen Arbeitsmarktdaten ansteht. Marktexperten rechnen mit einem weiteren Jobabbau.  

 

Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple, K+S und Research in Motion