Wirtschaft neu denken: Wo kommt das zukünftige Wachstum her?


Wer dem als Bundeswirtschaftsminister gehandelten Rainer Brüderle aufmerksam zuhört, der fragt sich woher der Aufschwung in seiner Logik kommen soll. Der Mann hat nämlich offenkundig kein Konzept. Ohnehin steckt die Welt in einer Wachtumsfalle. Ein kurze Bestandsaufnahme.

Im ersten Semester Volkswirtschaft lernt jeder Student, dass Wachstum durch Entsparen und langfristig durch Investitionsprozesse generiert wird. Zudem gibt es Mechanismen, die aus umlaufendem Geld sozusagen andere Prozesse anregen können. Das sind die sogenannten Multiplikatoreffekte. Wer Wachstum fördern will, muss jetzt Anreize zum kreditfinanzierten Konsum geben - ohne das derart zu übertreiben wie die Amerikaner in den letzten Jahren. Im volkswirtschaftlichen Aggregat ist es kurzfristig zunächst egal, wer das Geld in die Hand nimmt - der Staat oder seine Bürger. Entscheidend ist nur, was damit angefangen wird.

weiterlesen …

Meist gelesen

  • Haftungsdach oder § 34f GewO?

    Gegenwärtig bereiten die meisten Fondsvermittler nach § 34c der Gewerbeordnung sich auf ihre Zukunft als Finanzanlagenvermitt ...

    Weiterlesen
  • Eurokrise: Eine Muh, eine Mäh, eine Tätärätätä

    Die von der Presse ausgerufene Rückkehr der Eurokrise angesichts der Entwicklungen in Spanien und Griechenland impliziert ja, ...

    Weiterlesen
  • Friedrich Nietzsche, Fondsboutiquen und die Wahrheit

    „Was ist die Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern. Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen". Vielleicht ist dies e ...

    Weiterlesen

Deutschland hat Nachholbedarf bei nachhaltigen Investments


Pragmatische Nachhaltigkeitskonzepte weisen den Weg

Schnelllebigkeit, blinder Wachstumsglaube und die Knappheit der fossilen Energieressourcen haben die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in vielen Industriestaaten geprägt. Aus der „grünen“ Gegenbewegung, die sich in den 80er Jahren entwickelte, entwickelte sich unter dem Schlagwort „Nachhaltigkeit“ ein neuer Zeitgeist. Vor allem in Deutschland setzt sich nachhaltiges Denken und Handeln in allen möglichen Lebensbereichen durch. Auch im Bereich der Finanzprodukte hat sich mit den nachhaltigen Geldanlagen, auch Socially Responsible Investments (SRI) genannt, ein entsprechendes Angebot entwickelt. Vor allem über Investmentfonds wurden Anlageideen entwickelt, die den Zielen Klimawandel, Gesundheit und sozialer Frieden dienen sollen.

Deutsche Anleger auf der Hinterbank

Trotz der günstigen Ausgangssituation, stellt sich die Frage ob es sich bei nachhaltigen Geldanlagen noch um Nischenprodukte handelt oder ob sie bereits ein etablierter Bestandteil der deutschen Geldanlagen sind. Eine Studie von Eurosif untersuchte in 2008, welchen Anteil nachhaltige Investments an allen investierten Geldern in 13 europäischen Ländern haben. Eurosif unterscheidet hier zwischen nachhaltigen Investments im engeren Sinne und nachhaltigen Investments im weiteren Sinne, die Nachhaltigkeit als Zusatzkomponente berücksichtigen, z.B. durch ein oder zwei Ausschlußkriterien. Das Ergebnis der Studie ist zunächst nicht überraschend, denn es zeigt sich, dass nachhaltige Investments in Europa schon ein bedeutendes Ausmaß erreicht haben. Insgesamt wurden im Durchschnitt aller Länder fast 18% aller Gelder nachhaltig investiert. Davon waren Im bereits knapp 4% aller Gelder nachhaltig im engeren Sinne investiert, circa 14% aller Investments berücksichtigen Nachhaltigkeit als Zusatzkomponente. Erstaunlich ist jedoch, dass Deutschland weit hinter dem europäischen Durchschnitt zurück liegt. Zum Stichtag der Studie, Ende 2007 waren hier zu Lande gerade einmal 0,7% der Gelder nachhaltig investiert. Wie lässt sich diese geringe Quote mit der Vorbildrolle Deutschlands im Bereich der Umwelt- und Klimaschutztechnologien vereinen?

Weniger ist manchmal mehr

Da Nachhaltigkeitsinvestments im Schwerpunkt über Aktien und Aktienfonds abgebildet werden, bietet die grundsätzliche Zurückhaltung der deutschen Anleger gegenüber Aktienkapital eine Teilerklärung. Einen weiteren Schlüssel für die deutsche Zurückhaltung bei SRI liefert die Studie selbst. Während in Europa die Nachhaltigkeitsinvestments im erweiterten Kontext einen klaren Schwerpunkt bilden, finden sich in deutschen Depots und Vermögensverwaltungen solche Kompromisslösungen zwischen Nachhaltigkeit, Risiko und Rendite gar nicht. Ganz offensichtlich wird in Deutschland viel stärker als im Ausland polarisiert. Da nur sehr wenige Banken und Anlageberater wirklich in der Tiefe in den Fragen der Nachhaltigkeit geschult sind, scheuen viele Finanzberater eine aktive Empfehlung von Nachhaltigkeitsinvestments. Wer weiß schon, ob in der Fabrik, die Transformatoren für Windmühlen baut, auch Turbinen für Kohlekraftwerke geschraubt werden? Sind die wettbewerbsfähigen Preise eines Textilherstellers vielleicht das Ergebnis eines verwerflichen Lohndumpings? In welche Unternehmen kann man dann überhaupt noch investieren? Bevor sie hier auf dünnem Eis stehen, verzichten die meisten deutschen Finanzexperten völlig auf nachhaltige Anlageberatung. So sind es die informierten Kunden und die engagierte Presse, die bei dem Thema Nachhaltigkeit auf Perfektion drängen und damit vor allem eine breite Risikostreuung für die Verwalter deutlich erschweren. Die im restlichen Europa erfolgreichen Kompromisse zwischen Nachhaltigkeit, Risiko und Rendite, die eine weitaus breitere Zahl von Anlegern ansprechen, sind in Deutschland aus dem Blickfeld geraten.

Risiko, Rendite und Nachhaltigkeit in Balance

Einige wenige institutionelle Anleger wie z.B. kirchliche Pensionskassen und erste Publikumsfonds weisen durch ein klares Konzept und viel Transparenz einen Ausweg aus der deutschen Perfektionsfalle: Anstatt Nachhaltigkeit zu dem führenden Prinzip der Geldanlage zu erklären, werden Nachhaltigkeit, Risiko und Rendite gleichgewichtig in Balance gebracht. Praktisch bedeutet dies, dass der Vermögensverwalter zunächst die Nachhaltigkeitsziele für sich und den Anleger bewertet und dadurch möglicherweise das Profil der Lösung schärft. Vielleicht ist es für einen nachhaltig orientierten Anleger akzeptabel, dass ein Fonds in seinem Portefeuille das Thema Klimaschutz abdeckt, ein zweiter sich mit gesunder Ernährung und Vermeidung von Umweltverschmutzung befasst und ein dritter Fonds sich dem Ziel Sozialer Frieden widmet, anstatt ein Produkt zu suchen, dass alle drei Ziele gleichermaßen abdeckt. Durch diese Fokussierung erhält jede einzelne Lösung ein breiteres Anlagespektrum und kann damit die Risikokosten senken. Weitere Freiräume erhält der Vermögensverwalter, wenn er das Nachhaltigkeitskonzept mit einem Baukasten von Nachhaltigkeitsstrategien umsetzt, anstatt sich auf eine Methode zu konzentrieren. Die vier wichtigsten Strategien sind Positivkriterien, Ausschlusskriterien, Engagement und andere Ausdrucksformen gesellschaftlicher Verantwortung und wurden im Beitrag “Nachhaltigkeit muß transparenter werden” in der Vermögenszeitung näher analysiert.

Vom Dogmatismus zum Pragmatismus

Damit die deutschen Gelder wenigstens genauso nachhaltig arbeiten, wie die europäischen, ist ein Wandel vom Dogmatismus zum Pragmatismus wünschenswert. Wenn es gelingt, breitere Anlegerschichten aktiv für ausgewogene Nachhaltigkeitsinvestments zu begeistern, wird auch das Volumen der Gelder anwachsen, wo Nachhaltigkeit die oberste Priorität hat. Erste Produktlösungen weisen den Weg und nun bedarf es nur noch einer Integration der Berater, damit sich Deutschland nicht mehr für seine Geldanlagen schämen muss.

Buchbesprechung: Der amerikanische Virus von Rainer Hank


Rainer Hank sorgt sich in seinem neuesten Buch um den Kapitalismus moderner Prägung. In liberaler Tradition ist der Autor pessimistisch, wenn der Staat jetzt zu stark eingreift. Schutz vor künftigen Krisen verspricht Hank sich von den Rettungsmaßnahmen jedenfalls nicht.

»Der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems im Herbst 2008 hat der Menschheit auf dramatische Weise vor Augen geführt, wie verwundbar der Kapitalismus ist: Vom amerikanischen Virus infiziert, ist in der globalen Wirtschaft das große Chaos ausgebrochen. Im Zeitraffer verschwinden Traditionsbanken. „Wo ist mein Geld noch sicher?“, heißt die Frage der Stunde. „Rette sich wer kann“, ist die Antwort hilfloser Anlageberater. weiterlesen …

Zinssenkung: So tappen Sie in die Zins- und Abgeltungssteuer-Falle


Manche Anleger haben zur zeit kein Vertrauen in den Kapitalmarkt und bringen ihr Geld zur Bank. Die Banken brauchen Geld und locken mit hohen Zinsen für Tagesgeld und Festgeld, teilweise mit mehr als fünf Prozent Zinsen. Trotzdem sollten Sie sich zwei mal überlegen, ob Sie Ihr Geld im Moment zur Bank bringen. Denn sonst tappen Sie ganz leicht in die Zins- und Abgeltungssteuer-Falle. weiterlesen …

Abgeltungsteuer von A bis Z- Teil 3 - Kapitaleinkünfte bis Sparpläne


Viele Anleger wollen raus aus Aktien oder ihr Depot umstrukturieren. Dabei sollte man jedoch nie den Fiskus außer Acht lassen. Gerade im Hinblick auf die neue Abgeltungssteuer. Was Anleger, Sparer und Vorsorger beachten sollten (Teil 3; Quelle: BMF).

Kapitaleinkünfte
Unter die Regelungen der Abgeltungsteuer fallen alle Einkünfte aus dem inländischen Kapitalvermögen, insbesondere Zinserträge aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten, Kapitalerträge aus Forderungswertpapieren, Dividenden, Erträge aus Investmentfonds oder Termingeschäften und auch Zertifikatserträge. Weiterhin erfasst die Abgeltungsteuer Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften, insbesondere bei Wertpapieren, Investmentanteilen und Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, nicht jedoch Immobilien. Ausländische Kapitalerträge unterliegen genauso wie inländische Kapitalerträge der Abgeltungsteuer. Allerdings muss der Steuerpflichtige diese, sofern sie nicht von einem inländischen Kreditinstitut für ihn verwaltet werden, in seiner Einkommensteuererklärung angeben. weiterlesen …

Auf den letzten Drücker: Abgeltungsteuer von A bis Z


Der letzte Börsencrash brachte viele Anleger zum Nachdenken. Viele planen den Ausstieg aus Aktien oder mindestens eine Umstrukturierung ihres Depots. Dabei sollten sie jedoch den Fiskus nicht außer Acht lassen. Gerade im Hinblick auf die neue Abgeltungssteuer.

Bislang hatte die insbesondere von Banken, Sparkassen, Versicherer und Kapitalgesellschaften einbehaltene Steuer auf Kapitalerträge (Zinsabschlag und Kapitalertragsteuer) lediglich den Charakter einer Vorauszahlung auf die vom Finanzamt zu ermittelnde Einkommensteuer. weiterlesen …

Exportschlager - Abwrackprämie?


Die einen feiern die »Umweltprämie« als Erfolg und die anderen sehen darin Teufelszeug. Beide Gruppen haben Recht und irren zugleich. Eine kurze Bestandsaufnahme.

In Japan hat es die »Abwrackprämie« in das dortige Konjunkturpaket geschafft. Die Asiaten reservierten jüngst 2,8 Milliarden Euro ihres Konjunkturprogramms (116 Milliarden Euro) für das benannte Instrument. In Japan müssen die Autos mindestens 13 Jahre alt sein, damit japanische Autobesitzer eine Prämie von 1.900 Euro erhalten können. Andere Länder - andere Bedingungen bei der Abwrackprämie.

weiterlesen …

Finanztransaktionen besteuern - eine schlechte Idee


Pünktlich zum Auftakt des Wahlkampfjahres melden sich Politiker mit dem Thema Börsenumsatzsteuer zu Worte. Der politische Kampf um die Urheberschaft ist absurd angesichts von Vorschlägen, die zwar populär sind, aber zur Problemlösung künftiger Krisen nicht beitragen. Im Gegenteil.

Die Urform einer modernen Finanztransaktionssteuer wurde nach ihrem Erfinder James Tobin (1918-2002) benannt. Der Vorschlag wurde von dem späteren Nobelpreisgewinner Anfang der 70er-Jahre auf einer Konferenz in Princeton vorgeschlagen. Um kurzfristige Devisenspekulationen möglichst einzudämmen, soll jede Transaktion mit einer geringen Steuer belegt werden.  Auch Globalisierungskritiker berufen sich auf die Tobin-Tax als Kampfinstrument gegen Devisenspekulation. Mehrfach betonte James Tobin, dass er seine Idee von Kritikern des Freihandels missbraucht sieht.

weiterlesen …

Abgeltungsteuer von A bis Z- Teil 4 – Termingeschäfte bis Zinseinkünfte


Für die Abgeltungsteuer gilt das so genannte Veranlagungswahlrecht: Ein Steuerpflichtiger, dessen individueller Steuersatz über 25 Prozent liegt, wird sich für die neue Besteuerung entscheiden. Liegt der Steuersatz allerdings unter 25 Prozent, so kann er das alte Besteuerungsverfahren wählen - und sich das „zu viel” gezahlte Geld über seine Steuererklärung zurückholen.

Was Anleger, Sparer und Vorsorger noch beachten sollten (Teil 4 und Abschluss der Serie; Quelle: BMF). weiterlesen …

Abgeltungsteuer von A bis Z- Teil 2 - Finanzinnovationen bis Investmentanteile


Die Abgeltungsteuer wird in Zukunft direkt von den Banken, bei denen die Kapitalanlagen gehalten werden, einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Für die Kapitalerträge gilt wie bei der Lohnsteuer ein Quellenabzugsverfahren. Was Anleger, Sparer und Vorsorger beachten sollten (Teil 2; Quelle: BMF).

Finanzinnovationen
Die folgende Regelung gilt für Zerobonds, Gleitzinsanleihen, inflationsindexierte Anleihen, Garantie-Zertifikate: Zukünftig erfolgt die Besteuerung der laufenden Zahlungen im Rahmen der Abgeltungsteuer. Auch alle Veräußerungen nach dem 31.12.2008 unterliegen der vollen Besteuerung des Gewinns. weiterlesen …