Carmen und Vincent Reinhart: After the Fall, das “geheime” Papier der Fed


Das jährliche Wirtschaftssymposium der Fed fand dieses Jahr in  Jackson Hole statt. Hier treffen sich nicht nur Ben Bernanke und weitere amerikanischen Notenbanker, sondern auch Vertreter anderer Notenbanken, wie Claude Trichet von der europäischen Zentralbank (EZB) und William White von der Bank für Internationale Zahlungen (BIZ).  

Selbstverständlich berichten die Medien ausführlich über die Schlussfolgerungen, die Ben Bernanke der Presse mitteilt. Über das sogenannte „Kickoff-Paper” wird aber wenig berichtet. Und das kann einen schon wundern, denn der Bericht hat es in sich.

Das Kickoff-Paper wurde von den renommierten Ökonomen Carmen Reinhart und ihrem Ehemann Vincent Reinhart geschrieben, und dient der Standortbestimmung und soll Anreiz für die Diskussionen während des Symposiums sein.

Der Bericht trägt den Titel „After The Fall”, was sich nicht auf den Herbst bezieht, sondern auf den erlebten wirtschaftlichen Niedergang durch die Finanzkrise. In dem Bericht werden die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen dargestellt. Untersucht wurde, wie die Wirtschaft sich in den Jahren nach bedeutenden Krisen entwickelt hat.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Es identifiziert die niedrigen Zinsen und die hohe Kredithebelung als Ursache für die Finanzkrise, was durchaus als Schuldbekenntnis aus dem Hause Fed gewertet werden kann. Noch wichtiger ist aber der Ausblick, den der Bericht bietet. Er legt die Vermutung nahe, dass nach einem Ende der Finanzkrise Jahre der Konsolidierung folgen werden. In diesem Zusammenhang ist Konsolidierung als „Schrumpfen” oder „Rückzug” der Wirtschaft zu übersetzen.

Die Konsolidierung ist von einem niedrigen Wirtschaftswachstum, einer hohen Arbeitslosigkeit, sowie von einer niedrigen Inflation geprägt. Die Dauer dieser Konsolidierungsphase könnte fast so lange werden, wie die vorangegangene Phase des Kreditanstiegs. Diese Phase dauerte mindestens 10 Jahre, was zu Folge hat, dass wenn Reinhart und Reinhart recht bekommen, wir mit mindestens sieben mageren Jahren rechnen müssen. Zudem weist das Ehepaar daraufhin, dass Politiker und Notenbanker in Krisen manchmal die schnellen, kurzfristigen Lösungen bevorzugt haben. Hierdurch waren die Auswirkungen in den Folgejahren umso schlimmer. Das ist harter Tobak.

Den Reinhart-Bericht finden Sie hier. Die Untersuchungen sind von zwei praktisch und theoretisch sehr erfahrenen und seriösen Wissenschaftlern vorgenommen worden. Sie entstammen nicht dem Parteibuch eines Schwarzmalers und wurden mit dem Segen der Fed publiziert.

Umso erstaunlicher ist es, dass hierzulande kaum eine Zeitung über die Einsichten berichtet. Es ist fast als wäre das Papier geheim. Stattdessen wird ausführlich über Bernankes Beschwörungen berichtet, dass die Wirtschaft in 2011 wieder stärker wachsen sollte. Als Reaktion auf die schlechteren Wirtschaftsdaten bleibt die Fed bei ihrer jüngsten Politik der verstärkten Lockerung der Kreditbedingungen („further Quantitative Easing”). Im Vergleich zum starken Tobak von Reinhart und Reinhart ist das aber kalter Kaffee.

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