Ist der DFB für Atomkraft?


Meldungen über Top-Manager machen zurzeit die Runde. Die Unterzeichner sind gegen den Zeitplan zum Ausstieg aus der Atomenergie. Ein Name fällt auf: Oliver Bierhoff. Ist der DFB also für das Verlängern von Laufzeiten der Atomkraftwerke?

Top-Manager machen sich stark für die Interessen der großen Vier: E.on, Vattenfall, RWE und EnBW - die Atomlobby. Sie haben eine Erklärung “Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft” unterschrieben. Das ist in Ordnung, wenn sie kompetent sind oder die Interessen ihrer Organisation vertreten. Bei Oliver Bierhoff handelt sich der DFB jedoch ein Problem ein. Oder hat man in der Nationalmannschaft bzw. beim DFB neuerdings Angst um die Flutlichtbestrahlung?

Jetzt kann man natürlich der einen oder anderen Meinung sein. Aber Oliver Bierhoff ist als Manager der DFB -Nationalmannschaft unterwegs. Machen wir uns nichts vor: Nur weil er DFB-Manager ist zählt seine Meinung in der öffentlichen Wahrnehmung - außerhalb des Fußballs. Man sollte wissen: Er ist auch Sohn eines ehemaligen Vorstands von RWE, aber das nur am Rande. Der DFB wird beantworten müssen, warum Oliver Bierhoff, der in Presseveröffentlichungen (FTD, Bild) nie als Privatperson bezeichnet wird, sondern immer als Manager der äußerst beliebten Nationalmannschaft, zu den Unterzeichnern gehört. Vielleicht ist das auch ein Missverständnis und nur den unaufmerksamen Journalisten geschuldet. Oder ist das gar der Auftakt zu einem neuen Sponsorvertrag für Jogis Jungs? Positive Imagewerte gegen Geld? Der DFB steht als Verband und Verein und damit eigentlich neutrales Rechtssubjekt in der Pflicht, hier schnellstmöglich für Aufklärung zu sorgen.

Der Ex-SPD-Minister und Ministerpräsident Wolgang Clement hat bekanntermaßen inzwischen andere Loyalitäten. Das ist okay, da er mit der SPD von heute genausowenig in Verbindung gebracht wird wie Otto Schily. Über Clement ist zudem sein jahrelanger Streit mit Bärbel Höhn, die seinem Kabinett in Düsseldorf angehörte, bekannt. Es ist immer die Frage: Für wen man steht. Oliver Bierhoff steht für die Nationalmannschaft. Das ist jetzt ein neues Problem für Theo Zwanziger, denn die FTD interpretiert die Kampagne schon als Aufstand gegen Merkel. Mal schauen, ob der DFB diese neu heraufziehende Krise besser meistert als die Krisen der Vergangenheit.

Kommentare


Erhard

20 August 2010 um 04:08

Wieso steht Bierhoff für die Nationalmannschaft?

Zu einer Fußballmannschaft gehören 11 Spieler. Die andern zehn sind aber gegen längere Laufzeiten von Atomkraft!

Also bitte keine voreiligen Schlüsse ziehen…

Jan Haase

21 August 2010 um 06:08

Einen weiteren Aspekt des Engagements von Oliver Bierhoff für Atomenergie hat Greenpeace auf seinem Blog beleuchtet (http://blog.greenpeace.de/blog/2010/08/20/olli-und-die-atomlobby/).
Zur Fußball-WM wollte das Deutsche Atomforum in einer Anzeigenkampagne die Nationalmannschaft als Werbeträger einsetzen. Von DFB-Chef Zwanziger gab es eine Unterlassungserklärung und folgenden Kommentar:
“Der DFB ist ein parteipolitisch neutraler Verband und erfüllt eine wichtige integrative gesellschaftliche Aufgabe – für alle Schichten und politischen Lager. Die Nutzung der Kernkraft und gerade auch die Verlängerung der Laufzeiten werden öffentlich kontrovers diskutiert. Wir als Fußballverband können in dieser Diskussion keine Stellung beziehen.”
Bierhoff hat mit seiner Unterschrift als “Manager Deutsche Fußball-Nationalmannschaft” diese Ansage Zwanzigers klar missachtet.

Tilman Kluge, Bad Soden Ts.

22 August 2010 um 06:08

Da trennt doch DFB-Sprechrohr Harald Stenger, DFB und Fußball-Nationalmannschaft. Mir ist nicht erinnerlich, daß so etwas mutiges, je revolutionäres, schon einmal geschah.

Wäre es also nach dieser neuen Lesart politisch falsch, sachlich korrekt Bierhoffs Job als “Manager der DFB Nationalmannschaft” zu qualifizieren? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und meint, der Aufdruck auf den Nationalmasschaftstrikots wiesen den DFB lediglich als Sponsor selbiger Arbeitskleidung aus.

Auch umgekehrt zeigen sich Schieflagen. allerdings weniger sportolitische als vielmehr energiepolitische. Denn auch seriösen Atomkraft-Befürwortern müßte der DFB schwer im Magen liegen. Dieses Unternehmen veranstaltet vermeidbare Flutlichtspiele, präsentiert ergo ein expressis verbis leuchtendes Beispiel, also nach aktueller Sprachregelung ein “Leuchtturm-Projekt”, für wiederkehrend exmplarische Energievergeudung.

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