Börsenbriefe und Tricksereien


Es ist eine keine falsche Idee, sein Geld selbst zu verwalten. Dauerhaft erfolgreich ist man allerdings nur, wenn man keinen falschen Gurus hinterherläuft. Die Methoden in der Börsenbriefszene sind bekannt und nicht vertrauenerweckend.

Der größte Fehler beginnt bei der Anfangssumme. Wer mit nur 10.000 Euro startet und das Geld vermehren will, der sollte genau hinschauen, welche Kosten er zu zahlen bereit ist. Kostet ein Börsenbrief beispielsweise 1.000 Euro im Jahr, dann muss der Anleger satte zehn Prozent auf seine Rendite zusätzlich erwirtschaften. Aber: Das vergessen Börsenbriefanbieter gerne. Stattdessen werden geschönte Performancerechnungen präsentiert.

Zum einen fehlen nicht nur die Kosten des Börsenbriefs, sondern oft auch die Kosten der Kapitalanlage. Zudem gibt es in der Szene der Börsenbriefautoren eine ziemlich unsolide Denkweise. Diese ist dadurch bedingt, dass die Autoren sich gegenseitig hochschaukeln. 1.000 Prozent im Jahr verspricht schon mal so ein Guru. Schade nur, dass man für solche Ergebnisse die Legalität vergessen muss. Denn Performances, die der Markt an sich nicht hergibt, erzielt man am besten durch Budenzauber. Das sind Aktienhüllen, die nach oben oder unten gezogen werden können. Pennystocks.

Hat man als Möchtegern-Guru eine Schar hinter sich versammelt, dann kann man bei Kleinwerten die Kurse ganz alleine in Bewegung setzen. Es gibt immer Herdengetriebene, die diesen Trend “zu spät” entdecken und man kann mit etwas Mut mit einem Gewinn aussteigen. Später dann gibt es die typischen ausgebombten Chartbilder. Eine andere Idee eines Börsenbriefbetreibers könnte es sein, gegen den anderen Scharlatan anzutreten. Dann gewinnt, wer mehr Jünger hinter sich vereint. Die Kampfarena für solche Hahnenkämpfe heißt in Deutschland immer noch Wallstreet-Online.

Tricks

Ein typischer Trick von Börsenbriefbetreibern ist es, zwei Mails mit entgegengesetzten Empfehlungen zu verfassen. Die eine Hälfte (A) der meist illegal beschafften Datenbank erhält Ratschläge zum Kauf einer Aktie oder Aktiengruppe. Die andere Gruppe (B) erhält die Gegenvorschläge. Egal was passiert. Nach einiger Zeit kann man sich bei einer Gruppe als Experte outen und ein Angebot für weitere tolle Tipps lancieren.

Eine Abwandlung dieser Grundidee ist ebenfalls bekannt. Ein Börsenbriefschreiber könnte auf die folgende Idee kommen: Er eröffnet 16 Konten á 10.000 Euro. Danach werden die Positionen so austariert, dass acht in den Positionen identische Konten in die eine Richtung Geld verdienen und acht in die andere Richtung. Hat man die richtigen Instrumente kombiniert, dann bleiben zum Schluss acht Konten mit ungefähr 20.000 Euro übrig. Diese teilt man wieder in zwei Hälften und wiederholt die Strategie. Aus acht werden vier Konten á 40.000 Euro; aus vier werden zwei á 80.000 Euro und aus zwei eines á 160.000 Euro. Mit solch einem Ergebnis wirbt man dann Kunden für den Börsenbrief. Mit echter Expertise hat das wenig zu tun, mehr mit mathematischen Grundkenntnissen.

Verbraucherschutz

Wer sich Schutz erhofft von Aufsichtsbehörden, der ist in Deutschland allerdings fehl am Platze. Börsenbriefe unterliegen keiner Aufsicht - genau wie der Freiverkehr im Börsenhandel. Unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung können Börsenbriefbetreiber alles mögliche behaupten. Dreist sind sogar manchmal deren Methoden. Vor gar nicht so langer Zeit entdeckte die Redaktion der Vermögenszeitung einen älteren Artikel, bei einem Rohstoffbörsenbrief, der selbst das Kopieren der eigenen Texte unter Strafandrohung verbietet. Der Marktbericht war von dieser (unserer) Onlineseite geklaut und erschien kostenpflichtig ein halbes Jahr später. Dreister geht es kaum.

Die BaFin, die Finanzdienstleistungaufsicht, ist per Gesetzesauftrag übrigens gar nicht zuständig. Die Finanzaufseher beaufsichtigen Unternehmen, die Finanzdienstleistungen anbieten.

Spästens, wenn Börsenbriefschreiber - ich meine diejenigen, die mit zwielichtigen Methoden arbeiten -Kundengelder für Geldanlagen eintreiben, sollten Anleger vorsichtig sein. Solche Entwicklungen erkennt man (auch als Finanzjournalist) nicht immer sofort, aber sämtliche Sinne sollten gestärkt sein, wenn aus soliden Konstrukten beispielsweise plötzlich Inselfonds werden.

Zocken oder anlegen

Wer sein Kapital dauerhaft schützen und vermehren will, der sollte sein Geld kostengünstig anlegen und Ausgaben für nutzlose und teure Informationen vermeiden. Wer das oben beschriebene Spiel der Börsenbriefe um Toprenditen mitmachen will, der darf sich hinterher nicht beschweren, denn er war Teil der Maschinerie zur Geldumverteilung. Wie sagte ein Börsenbriefschreiber so schön: “Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.”

(Heute ist Freitag, der 13. August 2010.)

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