n-tv der ultimative Kontraindikator


Bei Finanzproduktkategorien und Märkten gibt es solche Indikatoren. Der Nachrichtensender n-tv ist solch ein Anzeiger. Wer genau auf solche Entwicklungen achtet, der wird sicher auch in Zukunft fündig.

Der Aufstieg des Neuen Marktes in Deutschland hatte eine mediale Ursache: n-tv. Auf dem Kanal liefen seinerzeit die Kurse im Laufband durch, die nur eine Richtung kannten. Die Umsätze waren teilweise mau, aber die Wertzuwächse hoch. Irgendwann erreichte dann die Idee des “Easy-Money” auch andere Kreise. Es gab Ende der 90er-Jahre kein anderes Gesprächstthema auf Partys. Damals war es noch ziemlich teuer, sich gute Kursinformationen anderweitig zu beschaffen. Börsenportale mit Echtzeitkursen gab es Ende der 90er-Jahre noch nicht. Durch die ständige Wiederholung von Börsenkursen und Berichten hatte man damals den Eindruck, der Neue Markt sei eine Gelddruckmaschine. Heute sind wir schlauer: Geld wurde umverteilt und echte Werte wurden nur wenige geschaffen. Internetaktien hatten sich in drei Jahren im Preis fast verzehnfacht und nur wenige Unternehmen existieren heute noch.

Dem Sender machte das Ende des Neuen Marktes zu schaffen. Zu Recht, denn die Berichterstattung war zu wenig journalistisch gewesen, sondern bestand vor allem im Mikro-Hinhalten für allerlei größenwahnsinnig gewordene Dotcom-Manager. Es folgten einige spektakuläre Insolvenzen von Unternehmen. Eine umfassende, ältere Chronik der Pleiten, Pech und Pannen stammt von meinem ehemaligen Kollegen auf dieser Site: Clemens von Frentz.

Nemax folgen Zertifikate

In der nächsten Welle rieten n-tv-Redakteure ständig zur Kapitalanlage in Zertifikaten. Natürlich in gewohnt unkritischer Art und Weise. Zertifikate wurden daraufhin hierzulande hoffähig und waren die Produktinnovation des Finanzplatzes Deutschland. Die Industrie bastelte mit Hilfe von Mathematikern manchen Finanzschrott zusammen: Lehman-Zertifikate kamen auf den Markt und wurden als sichere Geldanlage breit gestreut. Auch diesen Ausgang kennen wir. Die Produktkategorie Zertifikate leidet jetzt und wenn die Politik irgendwann ernst macht, werden zumindest manche der absurdesten Retailderivate irgendwann verschwinden. Schade wäre es nicht. Immerhin Bankhäuser haben erhebliche Umsatzeinbussen hinnehmen müssen, seit Anleger breit über Risiken der Papiere informiert sind. Bis zu 400.000 Produkte wurden auf dem deutschen Markt angeboten und bis zu 90 Milliarden Euro steckten in diesen Spielzeugprodukten auf dem bisherigen Höhepunkt des Marktes kurz vor dem Lehman-Abgang.

Jedenfalls dürften in den letzten Monaten die Werbeumsätze der Branche geringer ausgefallen sein. n-tv muss sich also nach neuen Finanzprodukten oder Märkten als Finanziers ihrer Sendezeit umsehen. Anleger tun gut daran, diese Entwicklung genau zu beobachten. Falls die Erfahrung der Vergangenheit noch etwas zählt, kann man einige Zeit auf den nächsten n-tv-Trend setzen. Aber: Langfristig ist und bleibt der Sender ein Kontraindikator und das liegt an den Bezahlstrukturen des Senders, der empfiehlt was bezahlt wird. Und natürlich liegt es auch an den Finanzunternehmen, die nicht anbieten was gut ist, sondern was sich in der nächsten Publizitätswelle am leichtesten verkauft.

Diese Entwicklungen haben übrigens nichts mit Ökonomie zu tun: Auf den Finanzmärkten ticken die Märkte anders. Statt nachgefragte Themen durch Angebote zu befriedigen, wird die Nachfrage für ein Angebot erst medial geschaffen.

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