Liebe FDP! Bitte lasst Guido Westerwelle im Amt!


Das können die nicht machen mit uns Journalisten. Die FDP schickt sich an, einigen in meiner Zunft und mir das politische Lieblingsthema zu klauen: Guido Westerwelle und seine intelligenten Wortbeiträge. Besser wäre es, die eigenen, teilweise nutzlosen Politikentwürfe zu entrümpeln.

Jetzt fordert tatsächlich ein FDP-Kreisverband den Rückzug von Guido Tausendsassa Westerwelle. Einstimmig. Limburg-Weilburg - wo liegt das eigentlich? Unverschämtheit. Der Vorsitzende Christoph Müller formuliert das in der Leipziger Volkszeitung so: »Mit seinem Verhalten und den von ihm zu verantwortenden Fehlern hat er die FDP in eine existenzielle Krise gestürzt. Deswegen fordern wir seine Ablösung.«

Ich habe nichts gegen die Idee, Guido Westerwelle aus dem Think Tank der Liberalen zu entfernen. Die Ergebnisse seines Nachdenkens waren freundlich formuliert bisher mäßig. Aber löst das auch das Problem?  Das Fatale ist, dass in der FDP und in diesem Kreisverband nur(!) über deren Vordenker diskutiert wird, anstatt über die völlig absurden, nicht zeitgemäßen Politikvorstellungen der Partei nachzudenken. Müller formulierte weiter: »Das Problem ist: Der Bundesvorsitzende hat es nicht geschafft, diese Agenda auch nur ansatzweise umzusetzen.«

Eine Chance verpasst, wer ernsthaft glaubt, der Vorsitzende habe ein tolles liberales Progrann nur nicht durchgesetzt. So bedauert Müller, seine Partei habe auf das Finanzministerium fehlerhafterweise verzichtet. Dahinter steckt ein naives Politikverstehen: Angela Merkel hat mit Sicherheit nicht eine Sekunde ernsthaft daran gedacht, dieses wichtigste Ministerium mit einem FDP-Mann zu besetzen. Das wäre machtpolitisch falsch und instinktlos gewesen.

Also liebe Liberale: Solange ihr nicht kapiert, dass Euer Politikkonzept zurzeit keine politischen Aufgaben löst, solange lasst Guido Westerwelle bitte im Amt und mir seine coolen Sprüche. Danke.

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