Lena! Rocke Oslo und mache Deutschland stolz!
Mit Lena vertritt eine junge Sympathieträgerin Deutschland in Oslo. Das ist schon ein großer Erfolg. Es zeigt zudem: deutsche Musiktalente gibt es auch jenseits von Castingshows, die zwischen Klamauk und Trash-TV - also ganz unten - angesiedelt sind. Gewinnen werden in Oslo andere, aber die Marke Deutschland ist wieder zurück im Musikgeschäft.
Für die Performance im Vorjahr müssten sich die Vertreter der deutschen Musikbranche und die Macher der ARD eigentlich schämen: “Alex swings, Oscar sings”, unser Gesangs-Duo in Moskau, war gar nichts. Eine selbsternannte langweilige Stripperin gehörte zu der Aufführung des Retorten-Songs, der ohne Vorentscheid von überforderten Entscheidern ausgewählt wurde. Der Heilsbringer in diesem Jahr war wieder einmal Stefan Raab. Er hat ein ungewöhnliches Talent aufgebaut und ihr europaweit ein sehr sympathisches Image verpasst. Deutschland kann sich zu einem großen Teil mit seiner Kandidatin identifizieren und geht positiv gestimmt in den Entscheid heutabend.
Lena wird hierzulande von vielen schon als Favoritin gehandelt: Ehemalige Teilnehmer am Grand Prix loben den Song und glauben an den Sieg von Lena. Das ist Teil der nationalen Vermarktungsstrategie und soll die anderen Nationen und die nationalen Jurys beeindrucken. Zudem schwand nach dem Vorjahresauftritt in Deutschland die Unterstützung für den Wettbewerb und eine Hoffnungsträgerin musste wieder her.
Der heutige Abend beginnt mit einem Paukenschlag: mit der Favoritin, die als erste auf die Bühne muss. Lena kommt als 22. kurz vor Schluss. Gespannt darf die Welt auch auf den dritten Teilnehmer aus Norwegen sein. Meine Top 3.
Wie stehen die Wetten?
Bei allem Hype in Deutschland: In Wahrheit wäre ein Top 5 Platz bereits ein echter Erfolg und mehr wäre sogar eine kleine Sensation. In den letzten zehn Jahren gab es drei einstellige Platzierungen. Stefan Raab kam vor zehn Jahren auf einen 5. Platz, Michelle ein Jahr später auf Platz 8 und Max Mutzke landete 2004 ebenfalls auf dem achten Rang. Danach ging es nur noch bergab: Platz 24 (letzter Platz hier), 15, 19, 23 und 20 war die Ausbeute der Jahre 2005 bis 2009.
Bei den Buchmachern liegt Lena auf Platz 2. Die Top-Favoritin ist eindeutig Safura Alizadeh aus Azerbaidschan. Hier ist ihr Song “Drip Drop”. Die Frage wird sein, wie ihre Bühnenpräsenz in einer riesigen Halle ausfällt. Lenas Satellite muss die gleiche Frage beantworten.
Was fehlende Bühnenpräsenz - neben einem schwachen Song - bedeutet zeigt uns der Auftritt der No Angels in Belgrad. Wie Bühnenpräsenz ausfallen sollte, zeigt der Gewinner von Moskau, Alexander Rybak, der mit seinem Song Fairytale als Favorit der Wetter ins Rennen ging und mit dem besten Resultat aller Zeiten gewann.
Laut Buchmachern, die Marktteilnehmer über Quoten entscheiden lassen, könnte die weitere Reihenfolge Armenien, Israel, Türkei, Dänemark sein. Nett ist auch der Song “Shine” der georgischen Aussenseiterin Nizharadze (65 zu 1).
Die Vorjahresreihenfolge lautete: Norwegen, Island, Azerbaidschan, Türkei und Großbritannien.
Möglicherweise liegt diese Reihenfolge bei den Buchmachern, also den Brokern des Wettmarktes, an der Wettlaune der Deutschen und anderer Nationen, was wiederum zu Verzerrungen führen könnte. Ein Beispiel scheint der zurzeit an fünfter Stelle etwas hoch gehandelte recht durchschnittliche türkische Beitrag zu sein - für einen Euro gibt es zurzeit etwa 13 zurück, wohingegen eine Favoritenwette auf Safura 3,7 bringt. Übrigens: Der Song aus Kroatien - im Wettmarkt zunächst auf der Liste der erweiterten Favoriten gehandelt - ist schon raus.
Der Top-Favorit kommt für mich allen Quoten zum Trotz aus Norwegen. Hier der Song von Didrik Solli Tangen mit “My Heart Is Yours”. Bei den Buchmachern zahlt der Song eine Quote von etwa 70 zu 1.
Zum einen hat der Norweger eine überzeugende, raumfüllende Stimme und sein Song wird in der heimischen Halle zu recht wahre Begeisterungsstürme auslösen. Denn der Titel hat anders als die Lieder der Deutschen und vieler anderer Favoriten eine Dramaturgie und steigert sich stark bis zum Ende hin. Eben genau wie erfolgreiche Hymnen beim Eurovision Songcontest sein müssen.
Interessant ist es für Ökonomen zu beobachten, ob ein Marktprozess in seiner Vorhersage des Siegers wieder erfolgreich ist: Azerbaidschan vor Deutschland vor Armenien vor Israel vor der Türkei. Immerhin sind bereits Millionenbeträge auf die Kandidaten gesetzt worden. Wer auf den Außenseiter Großbritannien setzt, der bekommt ungefähr eine Quote von 500 zu 1 ausgezahlt - für diesen Song.
Ich wünsche uns allen viel Spaß heutabend.






Kommentare
DDH
29 Mai 2010 um 03:05
Ich setze auch und hoffe auf Norwegen! Außerdem noch auf Israel. Die beiden besten Sänger dieses Jahrgangs: Didrik Solli-Tangen und Harel Skaat!