Zum Rückzug von Roland Koch
Ein beschwingter Roland Koch zieht sich aus der Politik zurück. Wenige Politiker polarisieren so, wie es der hessische Ministerpräsident getan hat. Koch legt Ende August sein Amt nieder und tritt für Parteijobs nicht mehr an. Der 52-jährige CDU-Politiker will erstmal »aufatmen«.
Zunächst war Roland Koch sprachlos. Das Mikro versagte zu Beginn der Pressekonferenz. Dann resümierte der umstrittene Politiker, dass er ein geordnetes Haus mit einer stabilen bürgerlichen Mehrheit übergebe. Er zählte stolz die aus seiner Sicht erfolgreichen Projekte der letzten elf Jahre im Amt als Ministerpräsident auf. Roland Koch formulierte wörtlich und fast philosophisch: »Politik ist ein faszinierender Teil meines Lebens, aber Politik ist nicht mein Leben.«
Aber dann war er wieder zu hören, der politische Roland Koch, dem die Politik ausserordentliche Freude bereitet. Bis zu seinem Amtsende will Koch das Land »ohne Abstriche führen«, denn Politiker sollten Entscheidungen nicht deshalb verweigern, weil sie Angst vor dem Echo hätten. Dieser nette Hinweis ging eindeutig in Richtung Berlin und Angela Merkel. Soll niemand dort denken, es würde einige Monate ruhiger aus Hessen. Koch will seine letzten Tage offenbar nutzen, um der Politik einiges ins Stammbuch zu schreiben.
Roland Koch macht eigentlich vieles richtig, zumindest wenn man seiner Argumentation folgt: Er, Koch, sei der erste hessische Ministerpräsident, der in Folge eine souveränen Entscheidung gehe. In dem Moment erinnert man sich an José Mourinho, der Inter Mailand zum Höhepunkt seines kurzen Gastspieles verlässt. So erfolgreich war Roland Koch freilich zuletzt nicht. Im Jahr 2008 war er praktisch abgewählt worden und drohte vom Hof gejagt zu werden. In der Folge zerlegte sich dann die SPD selbst und Koch blieb nach Neuwahlen letztlich im Amt.
Spalter wird altersweise?
Ohnehin fällt auf, dass Roland Koch mit 52 Jahren eine Art Altersweisheit für sich in Anspruch nimmt. Das mag seine enge Freundschaft mit dem tibetischen Oberhaupt, dem Dalai Lama, mit sich bringen. Koch will jedenfalls, auch wenn ihm das niemand zutraue, einige Monate aufatmen. Vielleicht zieht er ja in ein Kloster irgendwo in der Nähe von Tibet.
Der erfolgreiche CDU-Politiker ist aber nicht nur der Mann, der seine Abschiedspressekonferenz souverän meisterte. Roland Koch polarisierte in seiner Karriere oft und hat manche Krise überraschend politisch überstehen können. Dazu gehört seine letztlich ungeklärte Verwicklung in die CDU-Parteispendenaffäre, die uns als Koch-Zitat in Erinnerung bleibt. Koch trat damals werbewirksam für »brutalstmögliche Aufklärung« ein. Zudem hatte er bei seiner ersten Wahl die Stammtisch-Idee, Unterschriften gegen Ausländer zu sammeln - es ging damals um das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht.
»Ypsilanti, Al-Wazir und Kommunisten stoppen!« war sein letzter populistischer Coup, der ihm nicht nur Freunde, sondern bei den anderen Parteien echte Feinde einbrachte. Zudem heizte Koch im Wahlkampf 2008 eine Diskussion über Jugendkrminalität an, die in der CDU keine Unterstützung fand.
Das große Polit-Talent Roland Koch geht und hinterlässt dennoch keine Tränen. Weder bei Wählern noch bei der Kanzlerin - nehme ich mal an.






