Lesen Sie heute keine Börsenkommentare mehr!


Die freie Welt stehe auf dem Prüfstand. Deutsche Regulierungswut verunsichere die Märkte. Diese undurchdachten Kommentare finden sich momentan überall. Ein Grund mehr, sich auf die Pfingstfeiertage zu freuen und das Lesen einzustellen.

Börsenkommentatoren müssen jede Kursbewegung erklären. Dabei ist ihnen alles recht - nachdenken schadet nur. Wahrscheinlich sind andere Gründe für die zurzeit schlechte Stimmung an den Weltbörsen verantwortlich und die ersten zaghaften deutschen Regelungsbemühungen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Geignetere Erklärungen könnten beispielsweise absurd starke Aufwärtsbewegungen bei Aktien seit letztem Frühjahr sein. Die Gefahr einer Rückbesinnung der Notenbanken auf die Inflationsbekämpfung ist ebenfalls ein guter Tipp. Oder einfach das Reißen von allerlei charttechnisch relevanten Niveaus.

Wer Regulierungen begrüßt, der wird vermutlich noch etwas warten müssen, bis die ersten Änderungen Wirkung entfalten. Danach wird die Welt erstaunt feststellen, dass die Maßnahmen gar nichts bringen und schon gar keine Freiheit kosten. Die Börsenkommentare dieser Woche wird dann niemand mehr lesen. Vermutlich nicht mal mehr am nächsten Dienstag.

Beispiel ungedeckte Leerverkäufe

Die Bundesregierung hat Anfang der Woche gehandelt und ungedeckte Leerverkäufe für ausgewählte Finanzaktien und EU-Staatsanleihen durch die BaFin verbieten lassen. Das war ein Signal - mehr nicht.

Um eine der Kritiken aufzugreifen: Das Verbot der ungedeckten Leerverkäufe bringe nichts. Richtig ist das schon und zwar weil dieses bei Aktien nur für einige ausgewählte Banken gilt, anstatt für alle Werte.

Wer erinnert sich nicht an jenen Tag an dem Volkswagen kurz die theoretisch wertvollste Gesellschaft der Welt war. Die Umstände die zu dieser Entwicklung führten, sind zwar etwas anders gewesen, aber Gaga-Kurse gab es damals auch. Die Kurse der VW-Aktie schnellten während der Finanzkrise bis auf 1.000 Euro in die Höhe. Inzwischen notieren die wenigen Aktien auf dem Markt unter 70 Euro. Geändert hat sich wenig, das einen Abschlag von mehr als 90 Prozent rechtfertigen würde. So man denn Aktienkurse ernst nimmt.

Damals war es zu einem speziellen Fall des Short-Squeezes gekommen: Dabei sind Leerverkäufer (Shorties) gezwungen, sich mit Aktien einzudecken und treiben wegen geringen Angebots den Preis in absurde Höhen.

Bei ungedeckten Leerverkäufen kann es ebenfalls zu solchen Kursentwicklungen kommen. Lässt der Gesetzgeber diese weiter zu, dann könnten viele Trader auf die Idee kommen, eine bestimmte Aktie leer zu verkaufen. Im Extremfall werden dann an den Börsen mehr Aktien verkauft als überhaupt vorhanden sind. Den Rest kann sich jeder vorstellen. Die Kurse geraten nach einem mächtigen Abschwung irgendwann in der Gegenbewegung unter Aufwärtsdruck und es geht auf absurde Höhen. Das ist ein reiner kurzfristiger Umverteilungsmechanismus und hat nichts mit Börse oder gar Ökonomie zu tun. Gaga halt.

Ruhe zu Pfingsten

Dieses Instrument des Verbots von Unfug hat die Bundesregierung am Dienstag im Alleingang beschränkt. Anstatt sich zu freuen, reagierte die französische Regierung damit, irritiert zu sein und beklagt eine fehlende Abstimmung. Man kann also getrost das eigene Leseverbot für Börsenkommentare auf ein politisches Zuhörverbot über das Wochenende ausweiten.

Kommentare


Lars

21 Mai 2010 um 06:05

Ich wünsche auch frohe Pfingsten. Vielleicht einen allgemein längeren Urlaub von der Börse. Im Herbst kann man dann ja wieder mal schauen wie das alte Sprichwort schon Weise voraussagt. Bis dahin die Sonne geniessen und das ein oder andere Barbecue veranstalten.

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