Crash 2010: Ist Griechenland das neue Lehman?


Die Panik ist zurück. Tumultartig ist der Markt vergangene Woche durch die europäische Schuldenkrise zurück in den Ausverkaufs-Modus gestürzt. Keine Frage: Ersetzt man Griechenland durch Lehman Brothers, fühlt es sich an, als hätten wir den Film schon mal gesehen. Die Frage ist nur: Endet er genauso fatal?

Das Drama ist zurück. Panikverkäufe. Der größte Crash nach Punkten aller Zeiten im Dow Jones. Keine realen Kurse. Gameover 2.0?

Nicht so schnell. Es gibt gute Gründe, die für einen weiteren Kursrutsch in der näheren Zukunft – und für heftigen Gegenwind beim Euro sprechen. Und genauso gute Gründe, die dagegen sprechen, dass das Griechenland-Debakel zu einem Flächenbrand in Dimensionen vom Lehman-Crash wird.

Die wichtigsten:

1.)   Der Überraschungseffekt der Lehman-Pleite ist weg. Die Finanzwelt und Staatengemeinschaft wird buchstäblich alles Geld der Welt drucken, um ein historisches Debakel vom Herbst 2008 verhindern.

2.)   Griechenland ist nach dem EU-Beschluss vom Wochenende aus der Schusslinie. Der Euro ist es allerdings nicht – der denkbaren Spekulationen auf Portugal, Spanien, Italien & Co sei dank.

3.)  Die Wette der Spekulanten richtet sich diesmal gegen Regierungen und einen Staatenbund, nicht gegen eine notorisch in Schieflage geratene Investmentbank. Die Mittel, um Portugal oder Spanien sturmreif zu schießen, sind ungleich höher – genau wie die Gegenwehr der EU.

4.)   Der Rest der Welt ist in einer besseren Verfassung als 2008, als die Subprime-Krise bereits seit über einem Jahr als latente Bedrohung vor sich hin loderte. Die US-Wirtschaft boomt genauso wie die Schwellenländer – eine weitere Entkopplung der Märkte erscheint nicht unwahrscheinlich.

5.)   Die Markt-Zyklik. Trends kollabieren nicht von heute auf morgen. Der Minuten-Crash war ein böses Erwachen mit der Erkenntnis, dass die heftigsten Rücksetzer direkt hinter der nächsten Ecke warten.  Ein abruptes Umschwenken in den Bärenstatus scheint historisch betrachtet jedoch eher unwahrscheinlich – Trends laufen bekanntlich länger als man denkt.

Ergo: Die Ära des Easy Money ist vorbei. “It’s been fun, while lastest”, sagt der Amerikaner so gerne.  Die Volatilität mit all ihren kleinen und großen Dramen ist zurück. Vor allem jedoch wird eine weitere große Veränderung offenbar: 2010 ist das Jahr des Stockpickers. Während 2009 noch so ziemlich alle Aktien hochgeschossen sind, war in den vergangenen Monaten eine stärkere Selektion erkennbar.

Nach dem Kursrutsch der vergangenen Woche sind die US-Indizes allesamt in den roten Bereich gerutscht.  Doch die Wege trennen sich bei manchen Bluechips um so schärfer: Während Google seit Januar durch den China-Rückzug bereits um 20 Prozent hinten liegt, notiert Apple dank iPad & Co immer noch 12 Prozent höher – vor zwei Wochen waren es gar 28 Prozent.

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