Koch-Mehrin blamiert die FDP und sich selbst
Jetzt wissen die Wähler endlich warum die FDP immer noch Steuern senken will. Führende Vertreter der FDP besitzen nicht einmal die Kernkompetenz jedes Lehrlings - den guten alten Dreisatz. Silvana Koch-Mehrin, promovierte Volkswirtin und Historikerin blamierte sich bis auf die Knochen zu bester Sendezeit.
Der Moderator Frank Plasberg fragte in seiner Schlussrunde bei “Hart aber fair” in die Runde, ob die Politiker wüssten, um wie viel Euro die deutsche Schuldenuhr in der Sendezeit von 75 Minuten angestiegen sei. Gemeinerweise nahm er die FDP-Frau und letzte Spitzenkandidatin der FDP bei der Europawahl zuerst dran. Sie schätzte grandiose 6.000 Euro. Der Moderator kommentierte, er würde vorschlagen, Koch-Mehrin solle nicht Finanzministerin werden, sondern seine Co-Moderatorin. Richtig so.
Selten hat sich ein Politiker im deutschen Fernsehen so blamiert wie die FDP-Vorstandsfrau. Walter Riester wurde immerhin vor einigen Jahren als Arbeitsminister von Sandra Maischberger mit der Rentenformel konfroniert. Diese nicht erklären zu können - er konnte es natürlich nicht-, ist aber keine Schande. Es handelt sich dabei um eine komplizierte Formel für Mathematik-Begabte.
Koch-Mehrin scheitert am Dreisatz
Was die schöne Silvana auf die öffentliche Waage brachte, dürfte die Frage nach ihrer Kompetenz neu entfachen - zumindest bei den Wählern. Schließlich will diese Frau über Milliardensummen mitbestimmen und verschätzt sich bei einer einfachen kombinatorischen Rechenaufgabe.
Bereits beim letzten Wahlkampf hatten Gerüchte die Runde gemacht, Silvana Koch-Mehrin sei zu selten im Parlament anwesend. Das hatte die Politikerin noch erfolgreich gekontert.
Bei der Wahl zum prestigeträchtigen Vizepräsidentenjob im EU-Parlament war sie fast durchgefallen und konnte sich nur mit Mühe im dritten Wahlgang gegen einen rechten polnischen Kandidaten durchsetzen. Beliebt ist sie also auch bei Kollegen nicht. Dafür ist Silvana Koch-Mehrin medial stark gefragt. Sie ist fotogen und kann unfallfrei lange reden. Das scheint für eine FDP-Karriere locker auszureichen. Na dann.
Rechenspiele für Silvana
Der Staat macht pi-mal-Daumen im laufenden Bundeshaushalt 80 Milliarden Euro neue Schulden - so das Bundesfinanzministerium. Das sind überschlagsmäßig im Monat ungefähr 6,6 Milliarden neue Schulden. Legt man diese Summe auf dreißig Tage um, dann bleiben Schulden von 220 Millionen pro Tag übrig. Pro Stunde kommen also knapp etwa zehn Millionen hinzu. Die richtige Dimension ist ein zweistelliger Millionenbetrag: 12,5 Millionen Euro.
Der Bund der deutschen Steuerzahler veröffentlicht den Schuldenaufwuchs mit seiner Schuldenuhr. Pro Sekunde nehmen die Schulden um knapp 4.500 Euro zu - so die Schuldenuhr. Diese Daten stimmen aber zumindest bezüglich der aktuellen Neuschulden des Bundes nicht. Rechnet man mit den 4.481 Euro pro Sekunde, dann kommen in der Minute 268.800 Euro zusammen. Mulitipliziert mit 75 Minuten sind das gerundet 20,2 Millionen Euro. Diese Zahl hatte Plasberg als richtig genannt.
In der Sendung bekam Professor Hickl einen Preis für die beste Schätzung. Dabei hatten drei andere Gäste zumindest bezogen auf den Bundeshaushalt besser gelegen. Aber die genaue Zahl spielt keine Rolle, da alle außer Silvana Koch-Mehrin zumindest die richtige Dimension schätzten und maximal um den Faktor zwei falsch lagen - je nach Definition der Staatsschulden (nur Bundesschulden oder mehr). Nur die FDP-Frau lag ungefähr um den peinlichen Faktor 2.000(!) daneben.
Was Wähler daraus lernen
Vielen Dank Frau Koch-Mehrin. Jetzt wissen wir Wähler endlich, wieso ihre Partei die Steuern senken will: Die FDP hat einfach die Dimension des Staatshaushaltes noch nicht gänzlich erfasst. Dabei ist das Minimum, was Bürger von Politikern erwarten dürfen, dass diese zumindest einigermaßen mit großen Zahlen umgehen können und die Grundrechenarten unfallfrei beherrschen.
Nur so am Rande: Wäre die Staatsneuverschuldung tatsächlich in der kleinen Koch-Mehrinschen-Dimension, dann sollten wir unseren Außenminister Guido Westerwelle auf Vortragsreise schicken und er könnte im Alleingang die Neuverschuldung abarbeiten: 6.000 pro Stunde verdient ein begabter Redner wie Guido Westerwelle sicher locker.







Kommentare
Martin
6 Mai 2010 um 03:05
noch besser: Rüttgers eröffnet nach der verlorenen NRW-Wahl eine 24-Stunden-Hotline. Bei seinem Preis von bekanntlich 6000 Euro pro Stunde …
Martin Blum
6 Mai 2010 um 06:05
Guter Beitrag,
auch ich war entsetzt über die mangelnde Kompetenz dieser Dame. Das lässt tief blicken …
Apropo Rechenkünste:
- geschrieben am 06.05.2010 um 01:44 Uhr -
Um diese Uhrzeit könnte auch ich nicht mehr klar denken. Die vermeintliche Differenz zwischen Bundesverschuldung und der “Steuerzahler”-Verschuldung ist darauf zurück zu führen, dass bei letzt genannter die Gesamtverschuldung (Bund, Länder, Kommunen) zugrunde gelegt wird.