Wie man mit CDS-Zockern umgeht


Credit Default Swaps (CDS) sind Ausfallversicherungen auf Kredite, Anleihen oder Schuldner. Hedgefonds nutzen diese Finanzwetten, um gegen Staaten oder Unternehmen zu spekulieren. Wollen Politiker den großen Jungs endgültig das Handwerk legen, dann sollten sie die Sicherheitsarchitektur der Geschäfte grundlegend verändern.

Offenbar hat inzwischen auch der letzte Politiker begriffen, dass die Spekulationen gegen Griechenland Kredite für öffentliche Haushalte verteuerten. Aus genau diesem Grunde sind CDS-Wetten weltweit in Verruf gekommen. Das Problem ist eigentlich nicht einmal die Grundidee des Instruments: Ein Anleger kann sich gegen Ausfallrisiken schützen, wenn er das Risiko nicht mehr tragen will und jemand anders ist bereit dazu. Genau so funktionieren auch Hermes-Bürgschaften, die Geschäfte für Unternehmen im Ausland absichern sollen. Darauf haben Industrievertreter jüngst bei einem Gespräch in Berlin hingewiesen. Was jedoch an den Finanzmärkten im Namen grenzenloser Freiheit teilweise passiert, ist grob missbräuchlich und ohne volkswirtschaftlichen Nutzen.

Risiken im Verschiebebahnhof

Mit vergleichsweise kleinen Geldsummen kann man hohe Prämien für Versicherungen vereinnahmen - vorausgesetzt, man findet einen Handelspartner für das angestrebte Geschäft. Da niemand das Risiko tatsächlich haben will, werden kleine Stücke aus den Geschäften herausgeschnitten und diese werden dann weiterverkauft. Der letzte in der Kette ist im Schadensfall der Dumme - man kann auch sagen der Nützliche Idiot.

Im Herbst 2008 war besonders der Versicherer AIG von den Ausfällen bei Lehman Brothers betroffen gewesen. Kaum jemand hatte einen Überblick, welche Folgen die Pleite einer weiteren Bank in der Sicherheitsarchitektur des Systems gehabt hätte. So war beispielsweise in den Jahren zuvor die Bilanz einer deutschen Großbank mächtig aufgeblasen worden, das Nettorisiko betrug aber nur etwas weniger als ein Prozent der Bilanzsumme der Bank. Immer vorausgesetzt, dass alle Handelspartner auch wirklich solvent bleiben. Genau dieser Zusammenhang hat dann die Labilität des Systems verursacht. Bank A traute Bank B nicht mehr.

Soviel ist bekannt: Reine Finanzwetten in einem weitgehend unregulierten Markt waren Teilursache der Probleme im Finanzsystem. Das riesige weltweite Marktvolumen der CDS-Papiere entsteht durch das Hin- und Herverkaufen von Risiken. Am Ende hat irgendjemand die Risiken im Portfolio endgelagert. Der Gesamtmarkt aller nicht konsolidierter Positionen war vor der Krise größer als die weltweite Wertschöpfung (verschiedene Daten zum CDS-Markt finden sich zum Beispiel hier).

Was wir brauchen

Wir benötigen mehr Transparenz in dem Markt, da Marktpositionen nur auf freiwilliger Basis bekannt sind und Geschäfte nicht über reguläre Börsen abgewickelt werden.

Viel wichtiger ist jedoch eine bessere Sicherheitsarchitektur für das gesamte Finanzsystem. Wir haben beim Subprime-Debakel schon die richtigen Vorschläge dazu gehört. Ich denke das dort vorgeschlagene Prinzip sollte auch für CDS-Kontrakte eine Rolle spielen, um den Markt zu entschleunigen und reine Finanzspekulationen einzudämmen.

Das Prinzip sollte sein: Wer ein Risiko begründet, der sollte prioritär und mit seiner Haftungssumme voll haften.

Wer als Unternehmer ein Geschäft mit einem Handelspartner eingeht, der muss eine unversicherte Restmarge in seinen Büchern behalten. Mit dieser Summe haftet er dann mit. So ist klar, dass er sich bemüht, einen guten Vertrag auszuhandeln und sorgfältig agiert.

Pro Haftungsprinzip

Das gleiche Prinzip sollte für Finanzinstitute gelten: Jeder am Anfang einer solchen Risikokette haftet zuerst (prioritär) vor späteren Käufern mit seiner gesamten Resthaftungssumme. Er haftet bei Teilausfällen also immer zuerst vor späteren Käufern, die erst nach Aufbrauch der Haftung ihres Vorgängers in der Haftung sind. Das verändert natürlich die Preise und macht den Handel ab einem gewissen Verteilzeitpunkt weniger attraktiv. Das System wird dadurch bereinigt und entschleunigt.

Durch ein solches Regime bliebe das Haftungsprinzip, also dass jemand für eingegangene Risiken selbst haftet, erhalten. In unserem aktuellen System geht es nur noch um das Wegverkaufen von Risiken - und das fördert letztlich systematisch die kollektive Verantwortungslosigkeit.

Damit die Jungs merken wie es funktioniert

Mein Vorschlag: Jedes Handelsgeschäft eines Finanzinstitutes erfordert das Hinterlegen einer prozentualen Sicherheitssumme bei den zuständigen Zentralbanken, so erhalten diese einen besseren Einblick in die CDS-Geschäfte der Großbanken. Damit sich niemand seiner Verantwortung entziehen kann, wird ein prozentualer Anteil an der verbliebenen Haftungsumme einbehalten, der erst bei Ablauf eines Kontraktes wieder frei.

Ergänzend dazu erklären die Regierungen glaubhaft, dass für ihr Rechtsgebiet Verträge ohne lückenlose Dokumentation und Hinterlegung der Sicherheitssummen bei der Zentralbank, keinen sicheren rechtlichen Schutz bieten.

Der Spuk der Zocker im Markt hätte schnell ein Ende - verbieten muss CDS-Kontrakte dann niemand mehr.

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