Aktienkurse - und nun?
Die Aktienmärkte sind angeschlagen. Eine Fortsetzung der Rallye ist durch die aktuellen Entwicklungen eher unwahrscheinlicher geworden. Abstürzen müssen die Märkte dennoch nicht. Seitwärts ist die wahrscheinlichste Richtung bei überwiegenden Abwärtsrisiken.
Das letzte Jahr war für Börsianer ein Jahr des Glaubens: Der schnelle Aufschwung der Aktienmärkte mehrte die Hoffnung, das Wachstum würde schnell zurückkehren. Allerdings ist die reale Wirtschaft nicht so leicht wieder zu beleben, wie es mancher kursgläubige Börsianer gerne hätte. Zuletzt gab das Verbrauchervertrauen in den USA nach, Staatspleiten wurden offen diskutiert und die Notenbanken wollen die Niedrigzinsperiode beenden. Zudem dürften die staatlichen Konjunkturprogramme in den USA und Europa rückläufig sein.
Wer sich als Anleger zurzeit neu positionieren muss, der sollte sich in Aktien vermutlich neutral aufstellen. Die Kursentwicklung der zurückliegenden Wochen zeigt, dass die Marktteilnehmer hochgradig nervös sind. Eine neue Hiobsbotschaft, sagen wir die Zahlungsunfähigkeit eines weiteren EU-Staates oder der Zusammenbruch einer Bank, könnten den Anstoß für einen kräftigen Rutsch nach unten geben. Nach oben sind die Chancen eher weniger ausgeprägt, was an der guten Kursentwicklung der letzten Monate liegt.
Wie die Konjunkturonkels der Institute rakeln
Beginnen wir mit Professor Sinn und seinem Spielzeug: Der ifo-Geschäftsklimaindex hat zuletzt seinen kräftigen Aufschwung beendet. Man fragt sich bei dem Index ohnehin, ob die Börsen auf diesen Index reagieren, oder ob sich der Index orientiert an den Börsenkursen entwickelt. Jedenfalls werden die Erwartungen und das Klima nach Definition der Wissenschaftler optmistischer als die Lage eingeschätzt.
Festzuhalten ist: Es gibt Optimismus unter den befragten Managern, welche die Stimmung besser als die Lage einschätzen.
Die Aussichten für die reale Wirtschaft sind nach Ansicht der Mannheimer Forscher nicht wirklich berauschend. ZEW-Präsident Professor Wolfgang Franz kann sich eine »Wellblechkonjunktur« vorstellen. Das wäre also ein leichtes Auf und Ab. In der Sprache der Börsianer wäre das eine Seitwärtsentwicklung. Die für Börsianer Frage lautet dann: Welche Range wird uns in den nächsten Monaten beschäftigen?
In ihrer Erhebung haben die Mannheimer Forscher vom ZEW eine vermutlich verlässlichere Größe über die Zukunftsvorstellungen zu Rate gezogen: Sie haben die Innovationsausgaben deutscher Unternehmen auf den Prüfstand gestellt.
»Die Unternehmen in Deutschland treten aufgrund der Wirtschaftskrise bei den Innovationsausgaben heftig auf die Bremse. Nach einem Anstieg auf ein Top-Niveau von 128,1 Milliarden Euro im Jahr 2008, ist im Jahr 2009 ein Rückgang der Innovationsaufwendungen um rund zehn Prozent und fürs laufende Jahr eine Stagnation auf diesem deutlich niedrigeren Niveau zu erwarten.«
Festzuhalten ist: Die vom ZEW befragten Manager verhalten sich anders als die Befragten beim ifo-Institut sagen.
Empfehlung: Chart anschauen
Nachdem die Fundis also kräftig hin und her orakeln und sich nicht einig sind, bleibt interessierten Börsianern nichts anderes übrig, als sich den Chart regelmäßig genauer anzuschauen.
Auf Jahressicht haben deutsche Standardaktien zurzeit ein Plus von etwa 45 Prozent angehäuft. Das ist viel und scheint etwas hoch gegriffen angesichts der krisenbedingt zu erwartenden anhaltenden Flaute im Privatkonsum. Auch wenn solche Betrachtungen aus meiner Sicht grundsätzlich problematisch sind.
Der Markt befindet sich erkennbar im Seitwärtsmodus, da weder der letzte Aufwärtstrend aufgenommen wurde, noch sich ein neuer Abwärtstrend bereits etabliert hat. Das Hoch einer Range im Dax könnte beim bisherigen Höchststand von 6.100 Punkten liegen. Die Tiefststände auf Jahressicht liegen bei 3.900 Punkten und das düfte zunächst eine plausible Untergrenze markieren.
Die Schwankungsbreite eines konsolidierenden Aktienmarktes könnte für dieses Jahr zwischen 5.000 und 6.100 Punkten bei deutschen Standardwerten betragen. Anleger sollten auf die Ränder dieser Zone achten. Hält die 5.000-Punkte-Marke nicht, ist der Weg bis 4.500 nicht sehr steinig.
Disclaimer: Wie das an den Börsen so funktioniert - meine Prognose bleibt aufrecht erhalten, bis sie durch die tatsächliche Kursentwicklung widerlegt wurde.





