Obama-Bashing von Börsenkommentator


Das ist wieder typisch: Obama fährt einen Anti-Wirtschaftskurs und ist ein übler Populist - so die Kritiker. In Wirklichkeit ist das nur eine dümmliche Kritik von Interessenvertretern. Manchmal blamieren sich auch Journalisten, wenn sie jegliche Objektivität verlieren und Sprachrohr werden.

Barack Obama hat eine härtere Gangart im Umgang mit Banken angekündigt: Er fordert unter anderem die Einschränkung des Eigenhandels von Banken. Das ist vernünftig und verständlich. Die US-Regierung musste die Banken gegen Milliarden-Risiken absichern und jetzt kommen die zusätzlichen Kosten der Arbeitslosigkeit für den Staat hinzu. Es ist die wichtigste Aufgabe eines US-Präsidenten, Schaden von seinem Volk abzuwenden. Obama hat darauf einen Eid geschworen.

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der letzte Ölpreisanstieg zu einem Gutteil auf vagabundierendes Kapital zurückzuführen ist. Ein hervorragender Artikel dazu findet sich bei Zeit-Online. Die höheren Kosten zahlt jeder an der Tankstelle mit. Zudem erschwert ein zu hoher Ölpreis zurzeit den erhofften Wirtschaftsaufschwung.

Entschieden widersprechen muss man den Lobbybehauptungen mancher Börsenkommentatoren und Aktienlobbyisten - dort werden keine(!) Werte mit Aktientransaktionen geschaffen, sondern Papier wird zu Wertpapierkursen gehandelt. Obama vernichtet daher keine Werte an den Aktienmärkten, sondern will lediglich manchen Bankern ihre Spielzeuge wegnehmen. Das ganze Treiben an den Aktienmärkten ist nämlich ein weltweites Umtauschspiel, das offensichtlich von Mitarbeitern bei Goldman Sachs besonders gut beherrscht wird. Als Staat muss man solch ein Treiben nicht gutheißen. Jetzt hat endlich mal jemand die Traute, das Richtige zu tun und wird natürlich dafür scharf angegegriffen.

Godmode-Kommentator am Limit

Gerhard Maier, Redakteur bei dem führenden deutschen Börsentraderportal, ist offensichtlich die Objektivität verloren gegangen: Er schreibt in einer Mischung aus Kommentar und Bericht: “Der US-Präsident kündigte gestern eine populistische Kampagne gegen die Großbanken an und löste damit einen weltweiten Kurseinbruch aus.” Überschrieben ist der Text mit “DAX: Obamas Anti-Wirtschaftskurs drückt auf die Kurse”.

In dem Text wird klar, dass hier jemand den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Börse - zwischen langfristigen Investoreninteressen und kurzfristigen Gewinninteressen von Tradern - nicht ansatzweise verstanden hat oder verstehen will. Maier erklärt in einem anderen nicht sehr ausführlichen, eigentlich unnötigem Text: “Staatliche Eingriffe in das komplizierte Wirtschaftsgeschehen, gerne von eher links orientierten Gruppierungen wie der Obama-Administration ausgeübt, gehen selten gut aus.” Aha. Er will seine Meinung sagen und kann das nicht mal ordentlich begründen.

Natürlich kann man argumentieren, dass Einschränkungen der Banken auch Nachteile haben können. Nach meiner Beobachtung heizen Banken jetzt genau wie vorher Preisblasen auf, anstatt ihr Kerngeschäft wieder zu entdecken und der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Aus meiner Sicht überwiegen die langfristigen Vorteile stärkerer Regulierung - insbesondere bei höheren Eigenkapitalanforderungen - die kurzfristigen Nachteile. Mit Aktienkursen, die kurz unter Druck geraten, sollte ohnehin niemand argumentieren - nicht einmal ein Börsenkommentator.

Über Populismus

Ist es falsch oder gar  populistisch, wenn ein verantwortlicher Politiker den Jungs an der Wall Street den Kampf ansagt? Obama formulierte das so: “If these folks want a fight, it’s a fight I’m ready to have.” Nein es ist die richtige Kampansage und wenn jetzt einige Schlafmützen in unserer Regierung Probleme damit haben, weil sie selbst kein Geld von den Banken wollten, dann ist das ebenfalls gut so.

Populistisch sind aus meiner Sicht Börsenkommentierungen, die ohne Argumente zu nennen, Stimmung gegen begründete politische Initiativen machen wollen. Wer so schreibt, der macht sich zum Handlanger und Sprachrohr wirklich wirtschaftsfeindlicher Kräfte.

(Nachtrag) Er kann es nicht lassen - jetzt verwendet Gerhard Maier sogar Obama als Schimpfwort: Der DAX sei im Obama-Modus.

Ganz frisch ist folgende Formulierung von Maier: “An den internationalen Aktienmärkten hält das von Obama verursachte Schlamassel an… Die von Obama angekündigte verschärfte staatliche Regulierung des Kreditwesens ist ein schwerwiegender Eingriff in das komplizierte Räderwerk der Wirtschaft, der den Aufschwung beeinträchtigen könnte. Das ist Gift für die Wall Street… Heute hält Obama seine jährliche Rede zur Lage der Nation, die jetzt mit Misstrauen erwartet wird. Dort werden auch weitere Details zu seiner Anti-Banken-Kampagne erwartet…”

Und er legt weiter drauf. Mit seinem naiven Verständnis von Wirtschaft und Börse kommentiert Gerhard Maier fleißig weiter. Obama ist jetzt das Problem.

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