US-Banken - Krise noch nicht überwunden


Die Citigroup, einst die größte Bankgruppe der Welt, verbucht weiterhin hohe Verluste. Auch andere Banken sind noch nicht aus dem Gröbsten raus und fürchten die Zukunft. Beim Erklären der Krisenursachen geben Top-Banker sich weiterhin kenntnis- und ahnungslos.

Die Aktien der Citigroup notieren momentan um die 3,5 US-Dollar.  Im vierten Quartal 2009 fiel bei der Bank ein Verlust von 7,6 Milliarden US-Dollar an. Bei 22,8 Milliarden ausstehenden Aktien entspricht das einem Verlust von 33 Cent je Aktie. Bezogen auf den aktuellen Unternehmenswert ist das ein Quartals-Minus von fast zehn Prozent bezogen auf die aktuelle Aktienbewertung. Das zeigt einmal mehr, welche unsinnigen Kapitalhebel die Citibanker in Bewegung gesetzt hatten. Die Zahl der Mitarbeiter wurde durch Verkauf von Beteiligungen von 375.000 auf 265.000 gesenkt.

Erinnern wir uns an die aktuellen Wettbewerbsbedingungen in den USA: Dort sind im letzten Jahr über 100 Banken verschwunden. Alleine dieser Mengen-Effekt sollte eigentlich die Überlebenden der Branche erfreuen. Zudem flutet die US-Notenbank seit einem Jahr den Markt mit billigem Geld, was zu einer höheren Marge bei den Banken geführt hat. Dadurch wurden die Kurse auf den Aktienmärkten zunächst stabilisiert - Banken gewannen sogar überdurchschnittlich seit März 2009. In solch einem an sich freundlichen Umfeld machen natürlich nur Schwächlinge kein Geld, die Altlasten aus der Vergangenheit noch nicht abgearbeitet haben. Die Citigroup gehört offenkundig dazu.

US-Banken mit ungewisser Zukunft

Aber auch bei den anderen US-Instituten sieht es nicht rosig aus: JP Morgan Chase hatte im Schlussquartal 2009 wieder 3,3 Milliarden US-Dollar (74 Cent je Aktie) verdient und scheinbar zunächst überzeugt. Für das Gesamtjahr wird ein Gewinn von 11,7 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, der etwa doppelt so hoch ausfiel wie im Jahr 2008. Allerdings seien die Zahlen im Geschäft mit Privatkunden- und Kreditkartengeschäft eher mäßig, hieß es letzten Freitag nach Veröffentlichung der Zahlen.

Die Bank of America (BoA) sammelte einen Verlust in Höhe von 60 Cent je Aktie (derzeit um die 16 US-Dollar) oder nach Sondereffekten von etwas mehr als fünf Milliarden US-Dollar an. Dabei war in Q4 die Rückzahlung der Staatsbeteiligung ein besonderer Belastungsfaktor gewesen - die Bank hatte 45 Milliarden zurückgezahlt. Die BoA selbst schätzt die Summe der faulen Kredite auf ungefähr 36 Milliarden US-Dollar. Das alleine macht das Ausmaß der Probleme deutlich, wobei die Bank inzwischen gegen hohe Ausfälle Vorsorge getroffen hat.

Auch bei der BoA vermutet man weiterhin Probleme im Privatkundengeschäft. Aber immerhin: Die Bank scheint zumindest operativ eine schwarze Null schreiben zu können. Ob sie schon über den Berg ist und die Rückzahlung der Staatshilfen angebracht war, wird allerdings erst die Zukunft zeigen.

Morgan Stanley ist wieder im Plus angekommen: Das Unternehmen meldet einen Gewinn von 413 Millionen US-Dollar. Relativiert wird dieses Ergebnis durch den Verlust im Vorjahr, der 10,53 Milliarden US-Dollar betrug.Im Vergleich zu den Erwartungen am Markt enttäuschte die ehemalige Investmentbank.

Die Bewertungen der Banken sind auf Basis anspruchsvoller Zukunftsschätzungen der Analystenzunft schon wieder mit Multiplen versehen, wie sie vor der Krise vorhanden waren. Die Gewinne sind fortgeschrieben und eine kontinuierliche Entwicklung ist angenommen worden. Das ist mutig.

Sicherlich wird die US-Notenbank in absehbarer Zukunft die Peitsche wieder auspacken und die Leitzinsen anheben. Dadurch werden die Margen der Banken unter Druck geraten und das bei weiterhin hohen Ausfallraten im Kreditgeschäft. Vor der Zinswende zittert die Wall Street schon jetzt, denn die letzten Kursbewegungen waren bei Aktien angesichts hoher Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ein optimistisch ausgestellter Scheck auf die Zukunft.

Einfluss beschränken…

Banken geben sich immer noch überfordert zu erklären, welche Ursachen der Krise zugrunde lagen. Sie bleiben weitgehend bei ihren frechen Behauptungen, nichts dafür zu können. Eine Art Finanz-Tsunami beispielsweise ist eine gängige Formulierung, die gerne ins Feld geführt wird als Beschreibung der plötzlichen Krisenerscheinung. Wenn solche Hinweise von Bankern kommen, dann sollte man als Zuhörer aufhorchen, denn vermutlich gefällt ihnen nur eine andere Antwort nicht: Sie haben es kollektiv verbockt und die Vermögenspreise weltweit zu stark angeheizt. Diese Mutter aller Vermögensblasen ist geplatzt und das Vertrauen ist weg. Die damals ohnehin anstehende realwirtschaftliche Konjunkturabschwächung weitete sich durch die Finanzkrise zu einer weltweiten Wirtschaftskrise aus.

Jetzt geht es um den Versuch, die Vermögenspreise wieder auf ein insgesamt höheres Niveau anzuheben. Neben den Aktien gilt das auch und vor allem für die Immobilienpreise. Nur solche Anpassungen dauern nach dem Debakel.

…denn sie wissen nicht was sie tun

Paul Krugman, Kommentator der New York Times und Nobelpreisträger von 2008, empfiehlt der Politik, den Bankern ohne Wissen einfach nicht mehr zuzuhören. Im Untersuchungsausschuss hatten sich die Top-Banker von Goldman Sachs, JP Morgan Chase und der Bank of America  weitgehend ahnungs- und kenntnislos gegeben. Die Banker wollen dennoch möglichst gar keine neuen Regulierungen für ihre Branche, denn das sei nur eine Überreaktion. Krugman ist sich sicher, dass dann die nächste Finanzkrise nur eine Frage der Zeit ist.

Die entscheidende Frage lautet jetzt: Wem sollten wir trauen, wenn es um Bankenregulierung geht? Paul Krugman oder Lloyd C. Blankfein, dem Chef von Goldman Sachs. Es gibt nur eine intelligente Antwort.

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