Deutsche Wirtschaft: Vorwärts - es geht fast zurück


Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft klingen verhalten, die Auguren melden aber ein kleines Plus für das kommende Jahr. 1,5 Prozent könnte es voran gehen, so schätzt die Bundesregierung angeblich. Andere tippen ähnlich. Eine kurze Bestandsaufnahme.

Das Basisszenario der Bundesbank sieht für 2010 ein reales Wachstum von 1,6 und 2011 von 1,2 Prozent vor. So stand es im Dezember-Monatsbericht der Zentralbank. Dabei waren die Bundesbanker von einem Minus in Höhe von 4,9 Prozent im Jahr 2009 ausgegangen. Wie wir seit einigen Tagen wissen, verlor laut Statistischem Bundesamt Destatis das BIP um 5,0 Prozent.

Das DIW Berlin ist etwas gröber mit seiner Vorhersage und orakelt, man rechne “für 2010 und 2011 mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils rund zwei Prozent” - genau 2,1 und 1,8 Prozent. Das Problem sei vor allem der Export, der nicht so schnell wieder in die Gänge kommt und als Stütze nicht wie in der Vergangenheit zum Wachstum beiträgt.

Das ifo-Institut ist einer älteren Prognose zufolge leicht pessimistischer (1,7 und 1,2 Prozent), muss aber den Anstieg des eigenen Indikators und der anderen Institute sicher noch verarbeiten. Man will ja nicht zu sehr aus der Reihe tanzen.

Alle Prognostiker vermuten trotz Wachstums der Wirtschaftsleistung eine höhere Arbeitslosigkeit. Die OECD beispielsweise sagte für Deutschland einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen von 7,7 auf 11,8 Prozent - das war im letzten Herbst. Inzwischen sieht die Industrieländerorganisation das Szenario sicher nicht mehr ganz so düster, aber ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen würde den Konsum natürlich ebenfalls belasten. Solch eine Entwicklung bei den Arbeitslosenzahlen dürfte als erheblicher Risikofaktor in mancher Prognosezahl schlummern.

Ein anderes Problem könnten die wegfallenden Staatshilfen sein, die im letzten Jahr weltweit die konjunkturellen Katastrophen verhindert hatten. In Deutschland waren das vor allem die Abwrackprämie und die Verlängerung der Kurzarbeiterregelungen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn jedenfalls warnte vor der Zeit danach, falls in den Industriestaaten die Stimuli zurück genommen werden. Der Internationale Währungsfonds will am 26. Januar seine globale Prognose veröffentlichen.

Unser Bundeswirtschaftsminister, Rainer Brüderle, will die Prognose seines Hauses am 27. Januar 2010 zusammen mit dem Jahreswirtschaftsbericht vorstellen.

Fazit: Es gibt Chancen für Überraschungen in die eine oder andere Richtung. Die Politik ist auch im Nachcrash-Jahr noch stark gefordert, denn eine zu frühre Bremsung könnte das Land arg belasten. Zumal in der Automobilbranche inzwischen alle Zeichen auf Umstrukturierung stehen. In Westeuropa könnte der Autoabsatz um eine Million Fahrzeuge sinken und erhebliche Kapazitätsreduktionen der Unternehmen sind dann sicherlich unvermeidbar.

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