Krisenfolgen überwinden - von Börsengurus lernen


Jeder Anleger kennt das Phänomen: Verliert eine Aktie 50 Prozent an Kurswert, dann muss dieses Papier in der Folge um 100 Prozent steigen, um wieder auf den Ausgangswert zu gelangen. Vor einem ähnlichen Problem steht momentan unsere Wirtschaft.

In der nächsten Woche ist es amtlich: Das Statistische Bundesamt gibt die Berechnung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bekannt. Nehmen wir mal an, dass der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit im letzten Jahr bei fünf Prozent lag. Die Wirtschaft müsste in einem Jahr um 5,3 Prozent wachsen, um das verlorene Jahr hereinzubekommen. Das ist einfache Mathematik. 

Zugegeben ein solches Jahreswachstum ist eher unwahrscheinlich und es wird vermutlich längere Zeit dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird. Der Abbau der zusätzlichen, krisenbedingten Neuschulden des Staates hingegen wird vermutlich Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Wer das bezahlt ist noch nicht vollständig bekannt, aber jedermann dürfte seine Verdächtigen haben. Jedenfalls: Eine gute Wette ist es, dass die Krisengewinnler aus der Finanzverursacher nicht in Deutschland Steuern zahlen und hier die Aufräumarbeiten nicht mitbezahlen. Vielleicht profitieren sie sogar schon wieder, indem wieder neue Deals eingestielt werden.

DIW Berlin unzufrieden mit der Regierung

Die Institute beginnen das Jahr wieder mit neuen Wachstumsprognosen, die nach oben zeigen und vermutlich in den nächsten Monaten nach oben korrigiert werden. Sie laufen damit wieder einmal den Indikationen der Aktienbörsen hinterher, aber wen stört das schon. Das DIW Berlin schlägt momentan 2,1 Prozent für 2010 und 1,8 Prozent für 2011 als plausible Wachstumsraten vor. Für 2009 sieht das Institut ein Minus von 4,8 Prozent als Basis. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung 2008 lägen wir 2011 also immer noch etwas mehr als ein Prozent hinten.

Die Folge für die Steuereinnahmen des Staates sind dramatisch. Die Konjunkturforscher aus Berlin haben errechnet, dass die Staatseinnahmen so niedrig liegen, wie seit 2001 nicht mehr. Trotz Mehrwertsteuererhöhung und Sozialstaatsumbau. Der Staat verschuldet sich jetzt, um den Wohlstand einigermaßen zu erhalten und die Löcher, die an allen Stellen des Systems auftreten werden, zu stopfen. 

Auch sind die Hartz IV-Gesetze offenbar auf Schönwetter ausgelegt und versagen in der Krise. Die Neuverschuldung beträgt 240 Milliarden Euro für 2010 und 2011. Okay, das sind alles nur Zahlenspiele, die von dem zugrundeliegenden Modell abhängen und nicht so eintreten müssen. Aber im Vergleich zu der geplanten Nullrunde im Jahr 2011 bei der Neuverschuldung im Bund sieht die Bilanz des Staates richtig schlecht aus. Zudem will die FDP jetzt auch noch mit dem Kopf durch die Wand und Steuern senken.

Am so genannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz lassen die Ökonomen kein gutes Haar, denn die dort verabredeten Maßnahmen sei problematisch und Ausdruck einer “ziel- und konzeptlosen Wirtschaftspolitik der Bundesregierung”. Zudem bietet die Schuldenbremse, die ab 2016 installiert ist, einen Anreiz, jetzt noch einmal den Schluck aus der Pulle zu erhöhen.

Der geplanten Kopfpauschale laufen die Bestrebungen, die Staatsfinanzen weiter zu reduzieren, entgegen. Das meinen die Forscher aus Berlin wohl, wenn sie von Konzeptlosigkeit sprechen.

Noch ist es nur eine Idee…

Vergessen haben die Konjunkturforscher bei ihrer Prognose allerdings unsere beste Trumpfkarte: Guido Westerwelle. Unbestätigten Geheimplänen der FDP zufolge planen die Freidemokraten nämlich bundesweit Fußballstadien anzumieten und die Bürger zu Motivationsveranstaltungen mit Guido, Theodor und Angie vorzuladen, damit es wieder aufwärts geht in unserem Land.

Das erinnert stark an Börsenveranstaltungen von zahllosen Motivationstrainern und selbsternannten Börsengurus, die noch vor wenigen Jahren in gut besuchten Veranstaltungen wortreich erklärt haben, weshalb man nur mit der richtigen Einstellung und den richtigen Tippgebern an der Börse Geld verdient. Diese und ihre Zuhörer scheiterten übrigens. Alle.

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