Marktrückblick November 2009: Jahresendrallye trotz Wüstensturm
Fulminant waren die Aktienmärkte ins traditionell starke Winterhalbjahr gestartet. Dann zogen Anleger nach einer Schieflage im Golfemirat Dubai zum Monatsende vermehrt Mittel ab und versetzten den Indizes damit zum Monatsausklang einen leichten Dämpfer. Dennoch haben Anleger wenig Grund zur Klage: Der November verlief wie das Gesamtjahr 2009 – positiv.
Plötzlich brach der Wüstensturm los. Nach acht verhältnismäßig sorgenlosen Monaten beschäftigt wieder eine milliardenschwere Schieflage die Börsenberichterstatter. Und was für eine: Auf knapp 60 Milliarden Dollar belaufen sich die Verbindlichkeiten des Staatsfonds Dubai World, der seine Gläubiger nun für ein halbes Jahr um Aufschub bittet.
Für Anleger rund um den Globus ist das ein klares Alarmsignal, dass die seit dem Lehman-Debakel omnipräsente Finanzmarktkrise schneller zurückkehren könnte als landläufig angenommen. Entsprechend hastig trennten sich Aktionäre Ende vergangener Woche von ihren Positionen und schickten etwa den deutschen Aktienindex (Dax) um rund 200 Punkte nach unten, nachdem keine zehn Tage zuvor noch an neuen Jahreshochs gekratzt wurde.
Nicht so per Monatsende. Heute ging der Dax erneut leichter aus dem Handel – nämlich bei 5626 Zählern. Auf Monatssicht reichte das dank starker erster Handelswochen zum Plus: Seit Ende Oktober legte der Dax um knapp 4 Prozent zu. Seit Jahresbeginn bleibt ein Plus von 17 Prozent.
Deutsche Aktienindizes: Börsenstar TecDax in eigener Liga – 54 Prozent Plus in 2009
Noch kräftiger im Aufwärtstrend befindet sich der eigentliche Börsenstar des Jahrzehnts, der Anlegern als einziger deutscher Aktienindex seit dem Millenniumswechsel Gewinn beschert hätte. Auch im November war mit deutschen Nebenwerten wieder gutes Geld zu verdienen: Der MDax legte um weitere 5 Prozent zu, um heute bei genau 7100 Punkten aus dem Handel zu gehen. Die deutschen Nebenwerte liegen damit im laufenden Jahr um respektable 27 Prozent vorne.
Auch der deutsche Kleinstwerte-Index, der im Hochsommer noch eine Kursexplosion erlebt hatte, konnte trotz des Dubai-Debakels noch ein leichtes Plus ins Ziel retten, auch wenn es mit nur einem Prozent relativ mager ausfiel. Der deutsche Smallcap-Index SDax geht nunmehr bei 3458 Zählern aus dem Handel – das entspricht einem ebenfalls beachtlichen Plus von rund 23 Prozent seit Jahresbeginn.
In ganz anderen Dimensionen bewegt sich indes der Börsenstar des Jahres an den deutschen Aktienmärkten. Warum der TecDax so weit vorne liegt, unterstrich der Nemax50-Nachfolger noch einmal in den vergangenen viereinhalb Wochen, in denen ein Zuwachs von weiteren 7 Prozent angehäuft wurde. Der TecDax ging nunmehr bei 782 Zählern aus dem Handel – seit Jahresbeginn hat sich das Plus im deutschen Technologieindex damit bereits auf enorme 54 Prozent summiert.
Internationale Börsen: Hangseng 2009 mehr als 50 Prozent vorne
Ebenfalls besser als andere nationale Indizes hat sich das amerikanische Pendant zum TecDax geschlagen. Nach weiteren Zuwächsen von exakt 100 Zählern oder weiteren 5 Prozent beendete der markbreite Nasdaq Composite bei 2145 Zählern den Handel. Seit Jahresbeginn hat die US-Techbörse damit bereits Zugewinne von stattlichen 36 Prozent angehäuft.
Davon kann der Traditionsindex Dow Jones Industrial Average nur träumen. Immerhin: Der Trend zeigte zuletzt deutlich nach oben: Nach einer kräftigen Rallye von knapp 7 Prozent übersprang der Dow erneut die psychologisch enorm wichtige 10.000-Punktemarke, um sie diesmal zu verteidigen. Bei 10.345 Zählern notierte der Dow heute zu Handelsschluss an der Wall Street – das sind 18 Prozent besser als noch zu Jahresbeginn.
Anleger, die europäischen Aktien bis Ende November die Treue gehalten haben, können da nicht mithalten: Der EuroStoxx50 musste bis zum heutigen Handelsschluss zwar wieder 2 Prozent zugewinnen. Bei 2797 Punkten beträgt das Plus des EuroStoxx50 seit Jahresbeginn damit jedoch nur 14 Prozent.
Außergewöhnliche Einbußen mussten dagegen die japanischen Aktienmärkte verkraften. Nachdem im Vormonat knapp die 10.000-Punktemarke gerissen wurde, ging es im Nikkei nun krachend nach unten. Trotz einer deutlichen Kurserholung am letzten Handelstag des Monats blieb im November ein kräftiges Minus von 6 Prozent auf nur 9346 Zähler hängen. Per Jahresanfang hat sich das Plus damit auf nur noch 5 Prozent dezimiert.
Weitaus robuster präsentierten sich dagegen die Aktienmärkte an der chinesischen Halbinsel Hongkong. So blieb der Hangseng am heutigen Montag bei 21.821 Zählern stehen. Das entspricht Wertzuwächsen von weniger als einem Prozent gegenüber über dem Niveau von Ende Oktober, doch der Aufwärtstrend hielt damit dank eines starken letzten Handelstages an. Seit dem Jahresbeginn liegt der Hangseng damit um beeindruckende 52 Prozent vorne.
Rasante BRIC-Märkte: Moskaus Stern scheint am hellsten
Bei weitem noch größere Zuwächse konnten unterdessen in den boomenden BRIC-Märkten verbucht werden, die für die ganz große Comebackstory des Börsenjahres 2009 sorgten.
Etwa die brasilianische Börse, die die Wachstumsstory der größten südamerikanischen Volkswirtschaf reflektiert. Nach den großen Zugewinnen im Vorfeld der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro legten Anleger eine leichte Verschnaufpause ein – und nahmen Gewinne mit. Allerdings nur sehr moderat, so dass der Bovespa-Index Ende November fast unverändert, nämlich bei 61.121 Zählern notierte – ein Minus von knapp einem Prozent. Nach einem Jahresstartniveau von 37.553 Punkten bleibt Anlegern damit weiter das enorme Plus von genau 78 Prozent in 2009.
Noch höher notieren im laufenden Jahr die 2008 so gebeutelten die russischen Aktienmärkte. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, konnte seinen erstaunlichen Lauf, der allerdings auch ganz massiv an die Erholung des Ölpreises gekoppelt ist, noch einmal mit einem Plus von weiteren 2 Prozent auf nunmehr 1378 Zähler fortsetzen. Seit Jahresbeginn ist das Kursplus damit gar auf astronomische 116 Prozent gestiegen!
Ebenfalls weiter stark im Aufwind befindet sich die Börse Bombay. Der Sensex konnte die rasante Rallye der Vormonate fortsetzen und weitere 6 Prozent auf einen Indexstand von 16.926 Zähler zulegen. Gegenüber dem Jahresbeginn ist das üppige Plus damit weiter angewachsen: Im Januar wurde das Kursbarometer der indischen Aktien bei gerade mal 9716 Zählern taxiert – heute steht der Sensex happige 74 Prozent höher.
Damit liegen die indischen Aktien sogar noch leicht über ihren asiatischen Rivalen aus dem chinesischen Riesenreich. Nach zuletzt volatilem Handel setzten die chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen in den vergangenen vier Wochen ihre Erfolgsserie fort: Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb Ende November wieder oberhalb der 3000-Punkte stehen, nämlich um heute bei 3114 Punkten zu schließen, was einem Plus von knapp 4 Prozent entspricht. Seit Januar sind die Kurszuwächse damit auch schon wieder auf 71 Prozent angeschwollen.






