Marktrückblick Oktober 2009: Ende mit Schrecken


Der Oktober ist seinem Status als problematischer Börsenmonat auf den letzten Metern doch noch gerecht geworden. Nach der härtesten Verkaufswelle seit März scheint nun wieder die Stunde der Bären zu schlagen. Nicht wenige Marktexperten glauben, dass die Weltbörsen ihre Jahreshochs gesehen haben.

Die Bären können es doch noch. Nach Monaten der immer lauteren Mahnungen kam er schließlich doch noch – der große Ausverkauf. So breit und kraftvoll wie seit dem Frühjahr nicht mehr drückte eine Verkaufswelle die Märkte in den letzten Oktobertagen nach unten – und gleichzeitig ins Minus.

Nach einer Sommerrallye ohne Grenzen musste der deutsche Aktienindex (Dax) damit wieder Verluste verkraften – nach 5675 Zählern im September notierte der deutsche Leitindex am Freitag nur noch bei 5415 Zählern. Seit Jahresbeginn liegt der Dax damit nur noch um 12 Prozent vorne.

Deutsche Aktienindizes: SDax robust, TecDax weiter Börsenstar – 43 Prozent Plus in 2009

Noch weitaus deutlicher fiel der Abwärtstrend im MDax aus, der zuletzt noch massiv zulegen konnte. Nach starken Sommermonaten musste der beste deutsche Aktienindex im laufenden Jahrzehnt einen kräftigen Rücksetzer von knapp neun Prozent verkraften. Am Freitag schloss der MDax nunmehr bei 6732 nach 7358 Punkten einen Monat zuvor. Die deutschen Nebenwerte liegen damit im laufenden Jahr aber immer noch um 31 Prozent vorne.

Auch im deutschen Kleinstwerte-Index, der im Hochsommer noch eine Kursexplosion erlebt hatte, schlossen die Notierungen im negativen Terrain. Allerdings fiel der Abgabedruck im SDax im Oktober weitaus geringer aus als in den anderen Indizes. Nach einem Minus von 75 Punkten notiert der deutsche Smallcap-Index nunmehr bei 3420 Zählern nach 3495 Punkten. Das entspricht einem Abschlag von lediglich zwei Prozent – seit Jahresbeginn bleibt immer noch das beachtliche Plus von 22 Prozent.

Noch in anderen Dimensionen bewegt sich der Börsenstar des Jahres an den deutschen Aktienmärkten. Doch die Einschläge kommen auch beim TecDax näher: Nach genau 757 Punkten im Vormonat beendete der Nemax50-Nachfolger gestern den Handel exakt 30 Punkte schwächer bei 727 Zählern. Das entsprach einem Minus von 4 Prozent. Dennoch liegt der deutsche Technologieindex damit seit Jahresbeginn immer noch um schon beachtliche 43 Prozent vorne!

Internationale Börsen: Hangseng 2009 mehr als 50 Prozent vorne

Ähnlich verhältnismäßig robust geschlagen hat sich das amerikanische Pendant zum TecDax.  Ohne die letzte Oktoberwoche hätten Anleger beflügelt durch eine starke Quartalssaison ein veritables Plus einstreichen können, dann jedoch folgte die harte Ausverkaufswelle, die auch vor Schwergewichten wie Apple und Google nicht haltmachte. Entsprechend schloss die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite im Oktober ebenfalls vier Prozent leichter bei nunmehr bei 2045 Zählern. Seit Jahresbeginn bleibt damit immer noch ein Plus von stattlichen 30 Prozent an.

Der Dow Jones Industrial Average zeigte sich unterdessen als träger Fels in der Brandung. Über weite Strecken des Monats konnte der US-Leitindex seinen Erholungskurs der letzten Monate nochmals fortsetzen und dabei an zwei Handelstagen sogar über der psychologisch wichtigen 10.000-Punktemarke schließen. Am Ende des Monats notierte der traditionsreichste Index der Welt bei 9712 Zählern – und damit nur einen ganzen Punkt schwächer als noch im Vormonat. Seit dem 31.12. letzten Jahres ist immer noch ein Plus von knapp 11 Prozent übergeblieben.

Deutlich unerfreulicher verlief dagegen die Monatsentwicklung für Anleger, die europäischen Aktien auch bis Ende Oktober die Treue gehalten haben: Der EuroStoxx50 musste bis Freitag 5 Prozent abgeben, um bei 2743 Punkten aus dem Handel zu gehen – im Vormonat waren es noch 2873. Seit Ende Dezember blieb dem EuroStoxx50 damit noch ein Plus von 12 Prozent.

Nach zunehmendem Gegenwind in den vergangenen zwei Monaten konnten die japanischen Aktienmärkte dem Abwärtssog der Weltbörsen diesmal fast trotzen: Nach 10.035 Zählern per Ende September notierte der Nikkei 225 nun nur 1 Prozent schwächer – nämlich bei 10.035 Zählern. Per Jahresanfang beläuft sich das Plus damit auf 13 Prozent.

Tatsächlich wieder in den Rallye-Modus zurückgekehrt sind die Aktienmärkte dagegen an der chinesischen Halbinsel Hongkong. So blieb der Hangseng am Freitag bei 21.753 Zählern stehen. Das entspricht Wertzuwächsen von knapp 4 Prozent gegenüber über dem Niveau von Ende September. Seit dem Jahresbeginn liegt der Hangseng damit wieder um beeindruckende 51 Prozent vorne.

BRIC-Märkte: Sao Paulo nach Olympia-Zuschlag robust, Moskau bleibt der Star

Doch das ist auch weiterhin nicht einmal annähernd die Spitzennotierung im laufenden Jahr. Noch mehr Zuwächse konnten nämlich alle BRIC-Märkte verbuchen, die schon im ersten Halbjahr 2009 dank enormer Kurszuwächse ein nahezu wundersames Comeback feierten, das sich noch nicht erschöpft zu haben scheint:

Die brasilianische Börse etwa konnte dem allgemeinen Abwärtstrend weitgehend trotzen. Maßgeblicher Treiber war die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro, die nachhaltig verdeutlicht, welchen weiten Weg die größte südamerikanische Volkswirtschaft bereits zurückgelegt hat. Anleger glauben weiter an Wachstumsstory vom Zuckerhut und zogen im Krisenmonat Oktober kaum Kapital von der Börse Sao Paulo ab. Entsprechend notierte der Bovespa-Index Ende Oktober fast unverändert, nämlich bei 61.519 Zählern. Bei einem Jahresstartniveau von 37.553 Punkten entspricht das einem enormen Plus von genau 64 Prozent in 2009.

Noch höher notieren im laufenden Jahr allerdings die 2008 so gebeutelten die russischen Aktienmärkte. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, konnte sogar in den schwierigen letzten vier Wochen nochmals zulegen – nämlich weitere 7 Prozent auf nunmehr 1349 Zählern. Seit Jahresbeginn ist das Kursplus gar auf erstaunliche 112 Prozent gestiegen!

Einen Dämpfer hat dagegen die Börse Bombay erhalten. Nach einer zuletzt rasanten Rallye musste der Sensex einen Abschlag von 8 Prozent verkraften, um am Freitag bei 15.896 Zählern aus dem Handel zu gehen. Gegenüber dem Jahresbeginn bleibt jedoch ein üppiges Plus: Im Januar wurde das Kursbarometer der indischen Aktien bei gerade mal 9716 Zählern taxiert – heute steht der Sensex 63 Prozent höher.

Dass jedoch selbst in den stürmischen Herbsttagen noch kräftige Kurszuwächse zu verdienen sind, konnte an den zuletzt so wechselhaften chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen besichtigt werden, die zuvor noch eingebrochen waren. Nicht so in den vergangenen vier Wochen: Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb Ende Oktober knapp unter der 3000-Punkte stehen, nämlich bei 2996 Punkten nach 2779 Zählern im September, was einem Plus von 8 Prozent entsprach. Seit Januar sind die Kurszuwächse damit wieder auf 64 Prozent angestiegen.

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