US-Quartalssaison: Technologie ist Trumpf


Krise, welche Krise? Die Crème de la Crème der amerikanischen Hightech-Branche beweist in diesen Tagen, dass der Trend ein Jahr nach der Finanzkrise wieder nach oben geht. Und zwar steil: Vorzeigeunternehmen wie Apple und Amazon geht es so gut wie nie zuvor. Den Aktionären auch: Die Papiere notieren auf Allzeithochs.

Was für einen Unterschied ein Jahr machen kann! Oktober 2008: Der Himmel an den Weltbörsen drohte im Nachhall der Lehmann-Pleite einzustürzen. Mittendrin: Die konjunktursensiblen Technologiewerte, deren Wachstumsraten im Zuge der Kernschmelze an den Kapitalmärkten zusammenzuschrumpfen schienen – die Aktien von Unternehmen wie Apple, Google, Amazon oder RIM halbierten bis drittelten sich.

Im Oktober 2009 ist spätestens klar, dass die Kursstürze des vergangenen Börsencrashs einmalige Kaufgelegenheiten waren. Kaum etwas haben die Ausnahmeunternehmen der US-Technologiebranche von der Krise abbekommen – auch in den vergangenen Monaten ging das Wachstum weiter, wenn auch etwas gebremster.

Rekordquartale: Google und Amazon verdienen so viel wie nie

Nun jedoch zieht die Wachstumsdynamik gar wieder an, wie zu Beginn der Quartalssaison das wertvollste Internet-Unternehmen der Welt eindrucksvoll bewies. Mit 1,6 Milliarden Dollar oder 5,89 Dollar je Anteilsschein verdiente Google nicht nur stolze 27 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum im vergangenen Jahr – sondern gar mehr als nie zuvor! Auch die Umsätze konnten mit 5,9 Milliarden Dollar auf ein Rekordniveau geschraubt werden. Die Google-Aktie legte daraufhin kräftig zu und sprang auf den höchsten Stand des Jahres.

Dem stand auch das zweitwertvollste Internet-Unternehmen der Welt in nichts nach. Amazon lieferte am Donnerstag der vergangenen Woche Quartalszahlen wie von einem anderen Planeten ab. Analysten hatten zwar bereits mit einer deutlichen Ergebnissteigerung gerechnet, nicht jedoch mit einem solchen Ergebnissprung: Nach 118 Millionen Dollar oder 27 Cent je Aktie im dritten Quartal 2009 konnte das weltgrößte Online-Kaufhaus nunmehr im abgelaufenen Dreimonatszeitraum erstaunliche 199 Millionen Dollar einfahren – also rasante 67 Prozent mehr als in Zeiten der Konsumkrise!

Auch die Umsätze explodierten förmlich auf 5,45 Milliarden Dollar, ein Plus von 27 Prozent. Und als wäre das noch nicht genug, hob der notorisch gut gelaunte Amazon-CEO Jeff Bezos auch noch den Ausblick für das wichtige Weihnachtsquartal an, in dem Amazon nunmehr von Umsätzen zwischen 8,125 und 9,125 Milliarden Dollar ausgeht. Aktionäre kannten danach kein Halten mehr und verfielen selbst in einen regelrechten Kaufrausch: Die Amazon-Aktie schoss am Freitag um 27 Prozent auf 118 Dollar hoch, um damit nach fast zehn Jahren ein neues Allzeithoch zu markieren!

Apple mit dem ersten Allzeithoch nach der Krise

Genau das hatte ein anderer Star der Technologiebörse Nasdaq drei Tage zuvor als erstes Unternehmen nach der Finanzkrise bereits vorgemacht. Computerpionier Apple, der seit Jahresbeginn eine Rallye von 120 Prozent hinter sich hat, verblüffte Analysten und Aktionäre mit seinen Geschäftszahlen erneut.

Um erstaunliche 47 Prozent konnte Apple seinen Gewinn im abgelaufenen vierten und letzten Quartal des Geschäftsjahres 2008 / 2009 steigern und dabei die Analystenschätzungen bei weitem übertreffen. Statt der prognostizierten 1,42 Dollar je Anteilsschein verdiente das Kultunternehmen aus Cupertino tatsächlich erstaunliche 1,82 Dollar je Aktie. Das entsprach einem Rekordgewinn von 1,67 Milliarden Dollar, der maßgeblich durch die Rekordabsätze der Macintosh-Computer (3,04 Millionen Geräte) und iPhones (7,4 Millionen Stück) ausgelöst wurde. Fast logisch erschien die Reaktion der Aktionäre, die die Apple-Aktie ebenfalls auf ein Rekordhoch bei 208 Dollar schickten und damit das knapp zwei Jahre alte Allzeithoch von Ende 2007 eliminierten.

Auch Intel und Microsoft punkten mit geringerem Ergebnisrückgang

Und sogar die alte Wintel-Connection konnte Anleger nach vielen Enttäuschungen in den vergangenen Quartalen wieder positiv überraschen. Der weltgrößte Chiphersteller veröffentlichte in der vergangenen Woche eine weitaus besser als erwartete Unternehmensbilanz: So konnte das Dow Jones-Mitglied zwischen Juli und September gleich 72 Prozent mehr verdienen als noch drei Monate zuvor. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fiel jedoch noch ein kleines Minus von 5 Prozent an.

Auch Microsoft, der mit 235 Milliarden Dollar weiterhin höchst bewertete Softwarekonzern der Welt, konnte Anleger mit seinem Zahlenwerk erfreuen und im Anschluss an der Technologiebörse wie zuvor Intel deutlich zulegen. Wie bei Intel reichten dafür schwächere Gewinne als noch im Vorjahr – um 18 Prozent gaben die Konzernerlöse von Mister Softee nach. Aktionäre hatten jedoch mit noch deutlich schwächeren Ergebnissen gerechnet. Unterm Strich blieben so noch 3,57 Milliarden Dollar bei der Cashcow aus Redmond hängen.

Nokia und RIM hart abgestraft

Von solchen Gewinnen kann die Konkurrenz aus der Technologiebranche nur träumen. Vor allem die Handybranche leckt angesichts der neuen Konkurrenz von Apple und Google ihre Wunden. So musste Platzhirsch Nokia im abgelaufenen Quartal erstmals seit 16 Jahren wieder einen Unternehmensverlust verkraften.

Die Nummer zwei auf dem Smartphone-Markt, Research in Motion, konnte zwar zuletzt weiterhin Wachstum und noch knapp mehr verkaufte Blackberrys als iPhones präsentieren, wurde von Anlegern jedoch erneut abgestraft. 20 Prozent Gewinnwachstum reichten nicht aus, die RIM-Aktie befindet sich seit Bekanntgabe der Quartalszahlen vor einigen Wochen scharf im Abwärtstrend.

eBay und Yahoo wechselhaft

Und auch für Internetaktien schießen die Kurse trotz Amazon und Google nicht zwangsläufig in den Himmel. So musste E-Commerce-Rivale eBay die Rechnung an der Nasdaq für einen verfehlten Ausblick bezahlen. Die Gewinne waren zuvor um 29 Prozent eingebrochen, obwohl die Umsätze erstmals seit einem Jahr wieder zugelegt hatten.

Bei Yahoo war unterdessen Licht am Ende des Tunnels erkennbar: Dank eines straffen Kostensenkungsprogramms der neuen Vorstandsvorsitzenden Carol Bartz gelang Yahoo endlich wieder ein höherer Gewinn als erwartet . Gleichzeitig sanken die Erlöse jedoch. Die Yahoo-Aktie legte trotzdem zu – wie die meisten Technologie- und Internetaktien in den letzten Wochen.

Disclosure:
Der Autor hält Positionen in Apple

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