Wirtschaftsnobelpreis - die Richtung stimmt wieder
Die diesjährigen Preisträger in Stockholm sind die Politologin Elinor Ostrom und der Ökonom Oliver E. Williamson. Damit ehrt die Königlich-Schwedische Akademie zwei Wissenschaftler, die wichtige Beiträge für ökonomische Fragestellungen geliefert haben.
Die Vergabe des prestigeträchtigsten Preises der Welt ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern besitzt immer auch eine politischen Aussage. Das haben wir gerade bei der Auswahl von Barack Obama gesehen. Der US-Präsident wird für den Neuanfang der Außenpolitik nach acht Jahren Georg W. Bush ausgezeichnet. Man kann das für verfrüht halten, aber eine starke politische Botschaft ist das schon.
Im Vorjahr hat die Auszeichnung von Paul Krugman, einem der schärfsten Kritiker von Georg W. Bush, dem Preis eine besondere Note verliehen. In diesem Jahr wurden eine Politologin und ein Ökonom ausgezeichnet, die fernab von Börsenpreisberechnungen ihre Meriten gesammelt haben.
Elinor Ostrom – eine Umweltökonomin
In der Öffentlichkeit wird die 76-jährige Professorin vor allem deshalb herausgehoben, da sie die erste weibliche Preisträgerin in 41 Jahren seit Einführung dieses Preises im Jahr 1968 ist. Ihr wissenschaftlicher Beitrag zur Lösung von Umweltfragen spricht jedoch für sich und ist das eigentlich Bemerkenswerte.
Die US-Amerikanerin Ostrom hatte es nach eigenen Worten nicht leicht, da es in den 60er-Jahren keine Unterstützung für eine Frau gab, die eine Doktorarbeit abgeben wollte. Inzwischen sei eine neue Ära angebrochen und Frauen hätten das Zeug zu großen wissenschaftlichen Leistungen. Ostrom freute sich auf einer Pressekonferenz darüber, die erste Frau zu sein, die einen Wirtschaftsnobelpreis erhält. Sie sei nicht die Letzte.
Elinor Ostrom lehrt Politikwissenschaft an der Indiana University und ist eine der führenden Umweltökonomen und beschäftigte sich vor allem mit theoretischen Problemen bei der Nutzung von Allmende-Gütern (Gemein-Güter). Das sind Güter, von deren Nutzung andere nicht ausgeschlossen werden können, die aber wegen ihrer Knappheit umkämpft sind (überfüllte Straßen, Fischfanggebiete auf See, Wälder). Das unterscheidet Allmende-Güter von privaten Gütern, bei denen die Eigentumsordnung die ausschließlichen Nutzungsrechte garantiert. Auch reine öffentliche Güter unterscheiden sich von Allmende-Gütern, da ein öffentliches Gut (Wasser, Licht) in ausreichendem Maße vorhanden ist. Die ökonomische Frage lautet: Wie soll wer die Regeln bei Allmende-Gütern setzen, um einen möglichst sinnvolle Nutzung zu gewährleisten?
Ostrom hat nachgewiesen, dass die Verwaltung von Gemeineigentum Effizienzvorteile gegenüber einer Nicht-Regelung mit sich bringt. Dieser Befund ist unabhängig davon, ob der Staat oder private Unternehmen die Verwaltung übernehmen. Gemeineigentum wird nach Ostroms Beobachtungen meist kollektiv vor Ort am besten verwaltet, da die Personen eines Gremiums sich gegenseitig kontrollieren. Aktuell könnten sich aus diesen Erkenntnissen Lösungen für viele Umweltfragen ableiten: Nicht zentrale Lösungen vom Staat oder dezentrale reine Marktlösungen führen in jedem Fall zu der besten Lösung. Man muss sich jedes konkrete Problem genau anschauen.
Vor zwei Jahren gab die Preisträgerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview. Ostrom gibt auch dort bezeichnenderweise weder Marktprozessen noch staatlicher Lösung den Vorzug. Sie sucht stattdessen auch in diesem Gespräch nach einem effizienteren Ausgleichsmechanismus.
Williamson –Transaktionskosten
Williamson (77) lehrte an der kalifornischen Universität von Berkley. Er forschte zu der Frage der Leistungsfähigkeit von Märkten und Unternehmen. Daraus leitete Williamson Empfehlungen ab. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht eine typisch ökonomische Frage nach den Kosten unterschiedlicher Lösungsstrategien bei der Konfliktlösung. Wettbewerblich organisierte Märkte funktionieren sehr gut. Kommen aber Konflikte als Marktstörungen hinzu oder ist der Wettbwerb eingeschränkt, dann gibt es bestimmte Bedingungen, in denen solche Probleme besser in einem ausgleichenden Gremium gelöst werden, anstatt Märkte entscheiden zu lassen. Das liegt auch daran, dass beispielsweise Regierungen für Zwecke missbraucht werden können.
Geteilte Freude – zwei Preisträger
Die Arbeiten von Williamson und Ostrom ergänzen sich. Beide Wissenschaftler sind mit einer gewissen Marktskepsis an ihre Forschungen heran gegangen und erörtern praktische Probleme, die den Marktmechanismus zu suboptimalen Ergebnissen führen können.
Sowohl Ostrom als auch Williamson forschen über die Zusammenarbeit von Unternehmen und Institutionen. Die ökonomische Gretchenfrage bezieht sich letztlich immer auf die Kosten dieser Zusammenarbeit. Die Grundlagen der beiden US-Wissenschaftler sind zwar schon längere Zeit bekannt, aber dennoch aktuell.
Vor wenigen Jahren noch beherrschten bei den Ökonomiepreisträgern Mathematiker das Feld. Inzwischen wissen wir, dass manche Preisträger den theoretischen Rahmen für die finanziellen Massenvernichtungswaffen (Warren Buffet) aufgezeigt haben. Sie können zwar für die einseitige Ausrichtung der Finanzbranche nichts, ihre Forschungen und theoretischen Erkenntnisse über Optionsberechnungsmodelle beispielsweise haben dem Finanzsystem aber weniger geholfen als erhofft.
Die Akademie hat auch in diesem Jahr wieder Wissenschaftler für die Lösung originärer ökonomischer Probleme ausgewählt. Sie sollte dabei bleiben.
Link zur Begründung der Akademie.






