Mikrofinanz in der Konsolidierung
Finanzkrise bremst die Expansion der sozialen Wachstumsbranche
Die Finanzkrise hat gezeigt, dass der Mikrofinanzsektor nicht völlig immun gegen negative Entwicklungen auf internationalen Finanzmärkten ist. Bislang stellt der Sektor jedoch unter Beweis, dass er in den vergangen Jahren eine solide Basis aufgebaut hat, die es ihm ermöglicht, weitgehend unversehrt aus der Krise hervorzugehen. So prognostiziert CGAP dem Mikrofinanzinvestor eine finanzielle Euro Rendite von 3,5% für das Jahr 2009 – in Verbindung mit der sozialen Rendite in diesen Zeiten ein gutes Geschäft!
Seit dem die UNO das Jahr 2005 zum Jahr des Mikrokredits erklärt hat und im darauf folgenden Jahr Mohammad Yunus und die bengalische Grameen Bank mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, ist das Thema Mikrofinanz über die Expertenkreise hinaus weit bekannt geworden. Schon längst sind Mikrokredite, die meist nicht mehr als einige hundert Dollar umfassen und vorwiegend in Schwellen- und Entwicklungsländern an Kleinstgewerbetreibende vergeben werden, zu einem anerkannten Mittel der Armutsbekämpfung geworden. Die Kredite werden von Mikrofinanzinstituten (MFI) vergeben, die verschiedene Refinanzierungsmethoden nutzen. MFI in frühen Entwicklungsstadien werden meist durch Spenden oder Subventionen von Nichtregierungsorganisationen oder Entwicklungsbanken finanziert. Weiter entwickelte Institute sind oft in der Lage sich zum Teil oder völlig durch Spareinlagen ihrer Kunden oder etwa subventionierte Darlehen zu refinanzieren. Mittlerweile gibt es auch einige hundert hoch entwickelte MFI, die gewinnbringend arbeiten und somit im Stande sind, Mittel an internationalen Finanzmärkten aufzunehmen.
Auf der anderen Seite wächst bei Investoren aus Industrienationen das Interesse sich an der Refinanzierung von MFI zu beteiligen. Mikrofinanz-Investments zeichnen sich nicht nur durch eine soziale Rendite, also ihren Beitrag zur Armutsbekämpfung aus; mit Mikrofinanz-Investments kann man auch eine finanzielle Rendite erzielen. Die Investments scheinen noch einen weiteren Pluspunkt zu haben; anscheinend weisen sie eine sehr geringe Korrelation zu anderen Assetklassen zu haben. Im krisengeprägten Jahr 2008 waren Mikrofinanz-Investments eine der wenigen Anlageklassen mit einer positiven Rendite. Laut einer Studie der Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) erwirtschaften Mikrofinanzfonds 2008 durchschnittlich eine Euro Rendite von 5,5% und wuchsen dabei auch noch um 32% im Volumen.
Noch sind Mikrofinanz-Investments Nischen Produkte, aber es scheint, als würden sie sich in einem wachsenden Tempo zum Trend Produkt entwickeln. Doch die zweistelligen Wachstumsraten der Branche bergen auch Risiken. Ein Positionspapier von Oekom Research sieht die Gefahr einer „Mikrofinanz-Blase“, die durch Zufluss von zu viel Kapital von institutionellen und privaten Investoren entstehen kann. Ein solcher Investmentboom kann, laut Oekom Research, dazu führen, dass die Mikrofinanzinstitute ihre Kunden nicht mehr sorgfältig auswählen und Quantität über Qualität stellen um die hohen Mittelzuflüsse um jeden Preis im Markt unterzubringen. Als Resultat würden sich MFI gegenseitig mit niedrigen Zinsen unterbieten, die Kreditausfallraten und die Verschuldung der Kunden würden ansteigen und für eine Destabilisierung des Sektors sorgen.
Wie die aktuelle Studie von CGAP unter der Bezeichnung „Banana Skins Report“ aufzeigt, hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise die Sorgen vor einer Wachstumsblase im Bereich Mikrofinanz nun jedoch verdrängt. Die umfassende Studie belegt jedoch, dass sich die Erfolge der Mikrofinanzbranche tatsächlich nicht mehr völlig unabhängig von den internationalen Finanzmärkten entwickeln. Durch eine Vielzahl von Ursachen, beginnend bei sinkenden Rohstoffpreisen, über rückläufige Transferüberweisungen bis hin zu Währungs- und Exportschwund der Schwellen- und Entwicklungsländer sinkt die Wirtschaftsleistung und beeinträchtigt damit auch die Geschäftslage der Kleinkreditnehmer. 69% der MFI, die an der CGAP Studie teilnahmen, mussten in den letzten sechs Monaten einen Anstieg der Zahl der ausfallgefährdeten Kredite (Portfolio-at-Risk) verzeichnen, am stärksten betroffen sind MFI in Osteuropa und Zentralasien. Auch geben 52% der befragten MFI an, in den letzen sechs Monaten Liquiditätsprobleme gehabt zu haben. Wie der Banana Skins Report bestätigt, führen Risiken, die von Mikrofinanz-Praktikern, Investoren, Regulatoren und Beobachtern der Branche vor einem Jahr noch als unwichtig angesehen wurden, nun die Hitliste der Risiken für den Sektor an. Zu den Aufsteigern gehören zum Beispiel Kredit Risiko (von Platz 10 auf 1) und Finanzierungsengpässe (von 29 auf 6). Auch wenn diese Risiken an sich wenig begrüßenswert sind, treibt diese Finanzkrise den notwendigen Konsolidierungsprozess der Branche voran und steigert damit die Qualität. Vor diesem Hintergrund bleiben MFI Manager optimistisch, immerhin rechnen drei Viertel von ihnen mit einer gleich bleibenden oder besseren Performance in den nächsten sechs Monaten.





