Marktrückblick September 2009: Sorgenvoll nach oben
Die Bedenken werden größer – doch den Aktienmarkt scheint das nur noch zu beflügeln. Entgegen gegen der Börsenhistorie konnte der Markt auch im Problemmonat September nochmals zulegen. Nach sieben Monaten Hausse gehen Anleger nun ins traditionell starke Schlussquartal – doch was heißt das schon in diesem verrückten Börsenjahr?
Wenn es die Stimme noch eines Mahners brauchte, dann musste Anfang Septembers eigentlich alles zu Ende sein. Niemand Geringeres als der renommierte Vermögensverwalter Doug Kass, der vor der Tragweite der Immobilienkrise bereits 2007 gewarnt und den Marktboden im März genau getroffen hatte, schwenkte wieder auf das Lager der Bären um.
“Der sich selbsttragende Aufschwung an der Börse der Vergangenheit wird sich diesmal nicht wiederholen“, erklärte Kass Ende August, als sich die Indizes seinen Kurszielen für den Spätsommer fast punktgenau angenähert hatten. Entsprechend folgerte Kass: “Der Markt hat seinen Gipfel gesehen”.
Davon kann jedoch ein Monat später noch immer keine Rede sein – an den US-Börsen so wenig wie am deutschen Aktienmarkt. Der Aufwärtstrend der ersten deutschen Börsenliga ist nämlich weiter intakt: 210 Punkte oder 4 Prozenter fester schloss der deutsche Aktienindex (Dax) gestern – nach 5465 waren es per Ende September 5675 Punkte. Seit Jahresbeginn liegt der Dax damit immerhin schon beachtliche 18 Prozent vorne.
Deutsche Aktienindizes: Börsenstar TecDax – 49 Prozent Plus in 2009
Noch weitaus deutlicher im Aufwärtstrend befindet sich der MDax, der nach sechs Monaten nur moderat vorne gelegen hatte. Nach einem starken August und einem noch stärkeren September hat sich der einstige Star unter den deutschen Aktienindizes weiter deutlich verbessert. Dank eines satten Zuwachses von exakt 10 Prozent schloss der MDax gestern nunmehr bei 7358 Punkten. Die deutschen Nebenwerte liegen damit im laufenden Jahr bereits um 31 Prozent vorne.
Auch im deutschen Kleinstwerte-Index geht die Erholung weiter – wenn auch mit etwa weniger Dynamik: Der SDax legte im September um knapp 5 Prozent zu und hat damit schon wieder fast die 3500-Punktemarke genommen. Nach einem Plus von 157 Punkten notiert der deutsche Smallcaps-Index nunmehr bei 3495 Zählern. Das entspricht einem Zugewinn von auch schon beachtlichen 25 Prozent gegenüber dem Jahresstartniveau.
Weiter in ganz anderen Dimensionen bewegt sich unterdessen der eigentliche Börsenstar des Jahres an den deutschen Aktienmärkten: Nach genau 700 Punkten im Vormonat beendete der TecDax gestern den Handel bei exakt 757. Das entsprach zwar einem Plus von weiteren 8 Prozent, mit dem der deutsche Technologieindex damit seit Jahresbeginn inzwischen um schon beachtliche 49 Prozent vorne liegt!
Internationale Börsen: Hangseng 2009 immer noch 38 Prozent vorne
Ähnlich gut geschlagen hat sich das amerikanische Pendant zum TecDax. Getrieben durch die Stärke von Schwergewichten wie Apple und Google ging die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite im September nunmehr bei 2122 Zählern aus dem Handel – knapp 6 Prozent höher als im Vergleich zum Vormonat. Seit Jahresbeginn wuchs das Plus daraufhin auch schon bereits auf 35 Prozent an.
Auch der Dow Jones Industrial Average setzte seinen Erholungskurs der letzten Monate nochmals fort. Obwohl die Skeptiker immer lautere Töne anschlugen, gelang dem Dow Jones Industrial Average fast der Durchmarsch bis zur 10.000-Punktemarke. Am Ende des Monats notierte der traditionsreichste Index der Welt gestern bei 9712 Zählern 2 Prozent fester als noch im Vormonat. Das sind knapp 11 Prozent mehr als noch am 31.12. letzten Jahres.
Noch erfreulicher verlief dagegen die Entwicklung für Anleger, die europäischen Aktien in den vergangenen Monaten die Treue gehalten haben: Der EuroStoxx50 konnte per Ende September nochmals um 98 Punkte zulegen, um bei 2873 Punkten aus dem Handel zu gehen – das waren knapp 4 Prozent mehr als noch im Vormonat. Seit Ende Dezember legte der EuroStoxx50 damit um 17 Prozent zu.
Zunehmend Gegenwind verspüren dagegen die japanischen Aktienmärkte, die schon im Vormonat hinter den Weltbörsen geblieben waren: Nach 10.493 Zählern per Ende August notierte der Nikkei 225 nun rund 3 Prozent schwächer – nämlich bei 10.133 Punkten. Per Jahresanfang beläuft sich das Plus auf 14 Prozent.
Wieder in den Rallye-Modus zurückgekehrt sind dagegen die Aktienmärkte an der chinesischen Halbinsel Hongkong. So blieb der Hangseng gestern bei 20.955 Zählern stehen. Das entspricht Wertzuwächsen von knapp 6 Prozent gegenüber über dem Niveau von Ende August. Seit dem Jahresbeginn liegt der Hangseng damit wieder um beeindruckende 46 Prozent vorne.
BRIC-Märkte: Kursverdopplung an der Börse Moskau
Doch das ist noch nicht mal die Spitzennotierung im laufenden Jahr. Weiter in Front liegen die BRIC-Märkte, die schon im ersten Halbjahr 2009 dank enormer Kurszuwächse ein nahezu wundersames Comeback feierten, das nun jedoch auf ersten Widerstand stößt:
Die brasilianische Börse konnte an ihren erstaunlichen Aufwärtstrend in den letzten Monaten noch einmal anknüpfen und um weitere 9 Prozent zulegen. Die Nachhaltigkeit der Rallye ist beeindruckend: Nach 37.553 per Ende Dezember 2008 Zählern lag der Bovespa Ende August nunmehr wieder bei 61.587 Zählern. Das entspricht einem enormen Plus von genau 64 Prozent.
Noch höher notieren die 2008 noch so gebeutelten die russischen Aktienmärkte. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, konnte sich in den letzten vier Wochen nachhaltig über der 1000-Punktemarke halten. Gestern schließlich wurde der RTS bei 1256 Zählern taxiert – das entsprach einem Kursplus von weiteren happigen 18 Prozent gegenüber dem Vormonat bzw. gar exakt 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr!
Ebenfalls weiter steil oben zeigt der Trend in Indien. Der Leitindex der Börse Bombay, der sich 2008 halbiert hatte, legte bereits in der ersten Jahreshälfte eine rasante Rallye hin, die im September ihre Fortsetzung fand: Der Sensex notierte gestern bei 17.127 Zählern – schon wieder 9 Prozent höher als noch im Vormonat. Im Vorjahr wurde das Kursbarometer der indischen Aktien gerade mal 9716 Zählern taxiert – seit Jahresbeginn ist damit ein beachtliches Kursplus von nunmehr schon 76 Prozent angefallen!
Dass sich schnelle Gewinne indes auch wieder schnell verflüchtigen können, mussten Anleger zuletzt an den chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen erleben, die seit Januar noch enorme Zuwächse verzeichnet hatten. In den vergangenen vier Wochen stabilisierte sich die Entwicklung indes wieder: Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb Ende September wieder bei 2779 Zählern stehen, das entsprach einem Plus von 5 Prozent. Seit Januar ist das Plus damit wieder auf 52 Prozent angestiegen.






