Nach Merkels Wiederwahl: Was Anleger erwartet


Nach der Wahl ist vor der neuen Normalität an den deutschen Börsen: Schwarz-Gelb, das Wunschkontrukt der deutschen Kapitalmärkte, wird nach elf Jahren reaktiviert. Doch Anleger sollten keine falschen Impulse erwarten: Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Lediglich für einzelne Branchen wie die Energie- und Solarindustrie könnte es kurzfristige Effekte geben.

Am Ende war der Ausgang doch klarer
als noch vor einigen Tagen erwartet: Schwarz-Gelb hat einen deutlicheren Regierungsauftrag bekommen, als noch im Endspurt des Wahlkampfs abzusehen war. Mit knapp 34 Prozent für CDU/CSU und 14,5 für die FDP können Angela Merkel und Guido Westerwelle zwar nicht die rechnerische Mehrheit von 50 Prozent vereinen – mit etwa 30 Sitzen Vorsprung im Bundestag lässt sie gegen eine zersplitterte Opposition aus einer komplett gedemütigten SPD, wieder erstarkten Grünen und einer Links-Partei ohne Regierungsperspektive jedoch halbwegs komfortabel regieren.

Obwohl Angela Merkel noch mal 1,4 Prozent zum schwachen Bundestagsergebnis von vor vier Jahren eingebüßt hatte, mit dem sie sich seinerzeit nur hauchdünn vor Amtsinhaber Gerhard Schröder ins Kanzleramt gerettet hatte, ist die Bundestagswahl 2009 zu Merkel persönlichem Triumph geworden, der allerdings maßgeblich dem Wahlergebnis der Freiendemokraten geschuldet ist, das zum besten ihres Bestehens geriet: „Kanzlerin von Guidos Gnanden“, titelte etwa „SPIEGEL Online“.

Bahn frei an der Börse: Anleger wollen klare Verhältnisse

Doch mit den stolz geschwellten Liberalen, die angesichts der 14,5 Prozent einige Schlüsselressorts im neuen Kabinett beanspruchen werden, dürfte Merkel um einiges besser bedient sein als mit der Großen Koalition des Haderns, Zaudern – und am Ende doch vier jährigen Taktierens.

Das dürfen in erster Linie auch Börsianer so sehen, schließlich gilt die bürgerliche Koalition aus Schwarz und Gelb seit jeher als Wunschkonstrukt der Anleger, ist sie doch vermeintlich am unternehmerfreundlichsten. Auch der Faktor Unsicherheit, wie er vor vier Jahren nach dem Patt zwischen Schwarz und Rot noch herrschte, ist aus dem Weg geräumt. An der Börse will man klare Fakten – und die sind nun geschaffen worden.

Versorger:
Verlängerung von Atomkraftwerkslaufzeiten von CDU/FDP beflügelte kurzfristig

Entsprechend dürfte die Eröffnung an den Aktienmärkten am heutigen Montag freundlich ausfallen. Auf eine Post-Bundestagsrallye sollten Anleger indes keine allzu großen Hoffnungen setzen. “Politische Börsen gaben kurze Beine”, lautet eine alt bekannte Börsenweisheit. Soll heißen: Die Neuigkeiten sind zum Großteil bereits in den Kursen eingepreist – und mit dem Eintritt des erwarteten Ereignisses kalter Kaffee.

Das dürfte wohl auch diesmal gelten, zumal mit einem Sieg von Schwarz-Gelb zum Großteil gerechnet worden war. So konnten dann auch Papiere der Versorger wie E.on und RWE in Erwartung eines CDU-FDP-Sieges im Sommer überproportional zulegen, um dann nach dem TV-Duell, aus dem SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier als vermeintlicher Sieger hervorgegangen, leicht hinter dem Markt zurück zu bleiben.

Hintergrund: Anders als eine linke Regierung treten CDU/FDP für eine Verlängerung von Atomkraftwerkslaufzeiten ein, die den Dax-Dickschiffen E.on und RWE zugute kommt. Eine kurzfristige Reaktion der Märkte nach dem schwarz-gelben Triumph erscheint daher zumindest am Montag denkbar.

Muss die Solarindustrie Einbußen fürchten?

Gleiches könnte im Umkehrschluss auch für die Solarindustrie gelten – allerdings mit entsprechend umgedrehten Vorzeichen.  Avancierten die Alternativen Energien nicht zuletzt mit der Verabschiedung des “Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien” (EEG) der zweiten Schröder-Regierung an der Börse zu Highflyern, drohen nun verschärfte Förderbedingungen.

So erklärte Joachim Pfeiffer, der energiepolitische Sprecher der CDU unlängst, Deutschland riskiere durch die aktuelle Förderpolitik “langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit”. Sollten die Kosten für die Photovoltaik-Subventionen weiter steigen, “werden wir das EEG überprüfen”, erklärte Pfeiffer SPIEGEL Online.

Tammo Greetfeld, Aktienstratege bei der Unicredit, bleibt da gelassener. “Alle Parteien messen dem Thema alternative Energien und Energieeffizienz eine große Bedeutung zu”, erklärte der Unicredit-Mann am Freitag dem “Handelsblatt”.

Keine Korrekturen an Besteuerung des Aktienmarktes erwartet

Auch direkte Eingriffe der Politik auf den Börsenhandel haben Anleger unterdessen wohl nicht zu befürchten. Die von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier unlängst nach dem G20-Gipfel von Pittsburgh geforderte Börsenumsatzsteuer, die auf Aktientransaktionen an den deutschen Kapitalmärkten erhoben würde, dürfte es in der CDU-FDP-Regierung schwer haben.

Gleichzeitig dürfte kaum mit einer Korrektur der in der Großen Koalition in diesem Jahr unter großem Getöse erst eingeführten Abgeltungssteuer gerechnet werden. Lediglich Die Linke sprach sich entschieden für eine Abschaffung aus.

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