Marktrückblick August 2009: Die Rallye der Zweifel


So sieht eine echte Sommerrallye aus: Bei dünnen Umsätzen und einer dürftigen Nachrichtenlage beständig nach oben. Obwohl zuletzt immer mehr Marktbeobachter der Aufwärtsbewegung misstrauten, kletterten die Märkte weiter. Zu weit?

Der Pessimismus bleibt Trumpf – und gleichzeitig Treiber der immer erstaunlicheren Hausse an den Weltbörsen. Rückblende: Fast genau ein halbes Jahr ist es her, dass die Aktienmärkte rund um den Globus in den Abgrund zu schlittern schienen und der Durchbruch durch die 3000er-Marke im Dax fast als ausgemacht galt.

Sechs Monate später nähert sich der deutsche Leitindex einer anderen Marke immer mehr an, nur dass sie diesmal doppelt so hoch ausfällt. Kaum zu glauben, aber doch eine Tatsache der jüngeren Börsengeschichte: Nach einer Rallye von in der Spitze 55 Prozent scheint der Deutsche Aktienindex (
Dax) schon wieder Kurs auf die 6000er-Marke zu nehmen.

Dieser Aufwärtstrend ist zumindest nach dem zweiten Gewinnmonat in Folge weiter erkennbar. Nach 5332 Punkten per Ende Juli ging die erste deutsche Börsenliga gestern bei 5465 Zählern rund zwei Prozent fester aus dem Handel. Seit Jahresbeginn liegt der Dax damit immerhin schon beachtliche 14 Prozent vorne.

Deutsche Aktienindizes: Börsenstar TecDax – 37 Prozent Plus in 2009

Noch deutlicher im Aufwärtstrend befindet sich der MDax, der nach sechs Monaten nur moderat vorne gelegen hatte. Nach einem starken Juli und August hat sich der einstige Star unter den deutschen Aktienindizes indes immer weiter verbessert. Nach einem satten Plus von weiteren 8 Prozent schloss der MDax gestern nunmehr bei 6722 Punkten Die deutschen Nebenwerte liegen damit im laufenden Jahr bereits um 20 Prozent vorne.

Auch im deutschen Kleinstwerte-Index geht die Erholung weiter – und zwar mit immer mehr Dynamik: Der SDax legte im August mehr als 300 Punkte zu und hat damit nachhaltig die 3000-Punktemarke hinter sich gelassen. Nach einem Plus von 11 Prozent notiert der deutsche Smallcaps-Index nunmehr bei 3338 Zählern. Das entspricht einem Zugewinn von auch schon beachtlichen 19 Prozent gegenüber dem Jahresstartniveau.

Weiter in ganz anderen Dimensionen bewegt sich unterdessen der eigentliche Börsenstar des Jahres an den deutschen Aktienmärkten: Nach 673 Punkten beendete der TecDax gestern den Handel bei exakt 700. Das entsprach zwar lediglich einem Plus von weiteren 4 Prozent, mit dem der deutsche Technologieindex damit allerdings seit Jahresbeginn inzwischen um beachtliche 37 Prozent vorne liegt!

Internationale Börsen: Hangseng 2009 immer noch 38 Prozent vorne

Ähnlich gut geschlagen hat sich das amerikanische Pendant zum TecDax. Getrieben durch die Stärke von Schwergewichten wie Apple und Google ging die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite im August nunmehr bei 2009 Zählern aus dem Handel – knapp zwei Prozent höher als im Vergleich zum Vormonat. Seit Jahresbeginn wuchs das Plus daraufhin auch schon bereits auf 27 Prozent an.

Auch der Dow Jones Industrial Average setzte seinen Erholungskurs der letzten Monate fort. Nach einer fulminanten Vormonatsrallye verlor die Aufwärtsbewegung im Dow Jones Industrial Average leicht an Dynamik. Dennoch notierte der traditionsreichste Index der Welt gestern bei 9496 Zählern 3 Prozent fester als noch im Vormonat. Das sind knapp 8 Prozent mehr als noch am 31.12. letzten Jahres.

Ebenfalls erfreulich verlief dagegen die Entwicklung für Anleger, die europäischen Aktien in den vergangenen Monaten die Treue gehalten haben: Der EuroStoxx50 konnte per Ende August weitere 137 Punkte zugewinnen, um bei 2775 Punkten aus dem Handel zu gehen – das waren knapp 5 Prozent mehr als noch im Vormonat. Seit Ende Dezember legte der EuroStoxx50 damit um 13 Prozent zu.

Ebenfalls noch im Aufwind befinden sich die japanischen Aktienmärkte, die nach Zugewinnen in den letzten Monaten aber nur leicht anzogen: Nach 10.356 Punkten per Ende Juni notierte der Nikkei 225 nun rund 1 Prozent fester – nämlich bei 10.493 Zählern. Per Jahresanfang beläuft sich das Plus auf 18 Prozent.

Erste Rücksetzer im Rallye-Modus musste dagegen die chinesische Halbinsel Hongkong verkraften. So blieb der Hangseng gestern bei 19.835 Zählern stehen. Das entspricht Werteinbußen von 4 Prozent gegenüber dem Niveau von Ende Juli. Seit dem Jahresbeginn liegt der Hangseng damit jedoch weiter um beeindruckende 38 Prozent vorne.

BRIC-Märkte: Börse Moskau bleibt Champion, Shanghai stürzt ab

Doch das ist noch nicht mal die Spitzennotierung im laufenden Jahr. Weiter in Front liegen die BRIC-Märkte, die schon im ersten Halbjahr 2009 dank enormer Kurszuwächse ein nahezu wundersames Comeback feierten, das nun jedoch auf ersten Widerstand stößt:

Die brasilianische Börse konnte an ihren erstaunlichen Aufwärtstrend in den letzten vier Wochen noch einmal anknüpfen und um weitere 3 Prozent zulegen. Die Nachhaltigkeit der Rallye ist beeindruckend: Nach 37.553 Zählern per Ende Dezember 2008 lag der Bovespa Ende August nunmehr wieder bei 56.489 Punkten. Das entspricht einem Plus von genau 50 Prozent.

Noch höher notieren die 2008 noch so gebeutelten russischen Aktienmärkte. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, konnte die 1000-Punktemarke auch im August verteidigen. Gestern wurde der RTS bei 1066 Zählern taxiert – das entsprach einem Kursplus von weiteren 5 Prozent gegenüber dem Vormonat bzw. gar 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr!

Ebenfalls weiter steil nach oben zeigt der Trend in Indien. Der Leitindex der Börse Bombay, der sich 2008 halbiert hatte, legte in der ersten Jahreshälfte eine rasante Rallye hin, muss nun jedoch eine Verschnaufpause einlegen: Der Sensex notierte gestern bei 15.667 Zählern – ganze 3 Zähler schwächer als noch im Vormonat. Im Vorjahr wurde das Kursbarometer der indischen Aktien gerade mal mit 9716 Zählern taxiert – seit Jahresbeginn ist damit ein beachtliches Kursplus von nunmehr schon 61 Prozent angefallen!

Dass sich schnelle Gewinne indes wieder ähnlich schnell verflüchtigen können, erleben Anleger an den chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen, die seit Januar enorme Zuwächse verzeichnet hatten. Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb Ende August nur noch bei 2643 Zählern stehen, nachdem er vier Wochen zuvor noch bei 3412 Punkten notiert hatte. Das entsprach einer saftigen Korrektur von 23 Prozent im August; seit Januar bleibt jedoch immer noch ein Plus von 45 Prozent.

Dennoch scheint bei Anlegern immer mehr die Sorge zu überwiegen, dass der Aufwärtstrend des letzten halben Jahres nun zu Ende gehen könnte. Als wollte der Markt die Pessimisten bestätigen, gaben die Weltbörsen am ersten Handelstag des Septembers kräftig nach. Die Argumente des Bärenlagers lernen Sie an dieser Stelle in den nächsten Tagen kennen.

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