HRE-Klagen: Besser keinen Schadenersatz zusprechen
Kapitalanlagen mit Aktien sind risikobehaftet. Alle paar Monate kommen Anleger auf die Idee, sich Geld auf unkonventionelle Art und Weise zurück holen zu wollen. Das sind dann meist schlechte Verlierer.
Unzweifelhaft hat der Vorstand der Hypo Real Estate (HRE) im letzten Sommer die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Das Institut war zudem strategisch falsch positioniert. Das dürfte inzwischen unstrittig sein. Ob Anleger aber Schadenersatz für erlittene Kapitalmarktverluste erhalten sollten, ist eine völlig andere Frage. Denn schließlich waren es die Aktionäre selbst, die auf Hauptversammlungen das Management bestätigt und eine fragwürdige Strategie jahrelang gebilligt hatten. Gerichte können und sollten das im Nachhinein nicht korrigieren. Wer damals schon nicht einverstanden war, der konnte die Aktien verkaufen. Wer es nicht tat, den trifft eigene Schuld.
Die Krise hat das Institut vor allem wegen einer strategischen Fehleinschätzung hart getroffen und weniger wegen der Schrottpapiere. Wer ständig neue Finanzierungen für sein Portfolio benötigt, der wird in einer Krise härter getroffen als andere. Die Hypo Real Estate hatte solch eine langfristige Schönwetter-Finanzierung aufgelegt.
Risiken der HRE lagen offen auf dem Tisch
Die Hypo Real Estate ist nicht an einem falsch informierenden Management gescheitert, sondern wegen seines fahrlässigen Finanzierungsmodells. Das Geschäftsmodell war Akteuren am Aktienmarkt jedoch schon länger bekannt. Wer bei dem Institut seit Juni 2007 dennoch eingestiegen ist, der hat einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht und sollte keine anderen Schuldigen suchen.
Der damalige Vorstand der HRE hat die Welt in der Tat durch eine rosarote Brille betrachtet und jeglichen Realitätsbezug verloren. Spätestens Anfang 2008 kamen jedoch ernsthafte Zweifel an der HRE und den Folgen aus der Subprime-Krise auf. Der Vorstand der HRE hat zu dem Zeitpunkt Zweckoptimismus verbreitet. Anderes blieb den Managern auch nicht übrig - das sollte man realistisch sehen.
Die wahre Ursache der Misere: Was seinerzeit von manchen Akteuren gefeiert wurde - der Verkauf der Depfa an die HRE - war der Anfang der Krise für die Münchner. Gerhard Bruckermann, Chef der Depfa, verdiente reichlich am Verkauf der später verlustträchtigen Tochter an die HRE. Inzwischen wissen wir, dass 80 Prozent des Geldes aus den Steuergarantien an die Depfa flossen. Die HRE hat sich also im Sommer 2007 einen Sack voll Probleme gekauft und kein florierendes Finanzunternehmen.
Versagen auch der Aktionäre
Die HRE-Aktie kostete zu dem Zeitpunkt des Kaufes der Depfa ungefähr 50 Euro. Danach ging es im Chart nur noch bergab. Die Fakten lagen auf dem Tisch und kein Aktionär und schon gar nicht Profis können das heute wegdiskutieren. Die aktuelle Klage gegen die HRE - und der Versuch jetzt den Steuerzahler über Umwege auch noch weitere Millionen zahlen zu lassen - sind daher Ablenkungsmanöver von eigenem Versagen oder eigenen Fehleinschätzungen.
Die aktuell angekündigten Millionenklagen gegen die Hypo Real Estate lassen keine positiven Effekte für die Hygiene am deutschen Aktienmarkt erwarten. Das Gegenteil wäre der Fall. Niemand - auch nicht Rechtsanwaltskanzleien - sollten das Kapitalrecht überstrapazieren und Anlegern Flausen in den Kopf setzen. Unabhängig davon muss der ehemalige Vorstand sich jetzt verantworten und im Zweifel mit seinem gesamten Vermögen haften, wenn ihm eine Schuld an der Misere des Unternehmens nachgewiesen werden kann. Warum Neuaktionäre den Altanteilseignern allerdings Schadenersatz leisten sollten, ist nicht einzusehen.
Die Richter täten dem Finanzmarkt Deutschland demnach einen Gefallen, wenn sie die Millionenklagen ablehnen würden. Sonst lesen wir bald noch längere Risikohinweise unter Presseerklärungen der Unternehmen und das Vertrauen in Kapitalanlagen schwindet weiter.
Das stäkste Argument für eine Klageablehnung lautet übrigens: Wären die Kapitalmärkte dem riskanten Geschäftsmodell der HRE weiter gefolgt und Anleger hätten letztlich Milliarden verdient - würde keiner der jetzt klagende Aktionäre das eingestrichene Geld an irgendwen anderen zurückzahlen.





