Marktrückblick 1. Halbjahr 2009: Rasante Achterbahnfahrt


Die Zeit der wilden Ritte scheint noch nicht vorüber. Dabei erzählt die Statistik eine andere Sprache. Nach sechs Monaten stehen viele große Indizes ganz in der Nähe, wo sie 2009 begonnen hatten – der Dax war gar nur ein Punkt entfernt. Unter Oberfläche brodelt es jedoch gehörig: Vor allem die Schwellenländer gehören zu den bisherigen Gewinnern.

Es ist ein bisschen so, als wäre nichts passiert: Die erste Hälfte des ersten Börsenjahres liegt hinter Anlegern, und an den deutschen Aktienmärkten leuchten Notierungen auf, die Aktionäre schon mal gesehen haben – nämlich zum Jahreswechsel.  So wurde der Deutsche Aktienindex (Dax) am Abend des 30. Juni bei 4809 Punkten taxiert – bei 4810 war er noch ins neue Börsenjahr gegangen. 1 Punkt Differenz in 6 Monaten? Was für ein Nonevent die Börse in Zeiten der Finanzmarktkrise doch sein kann!  

Doch der Schein trügt: Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Bis auf ganze 3589 Punkte wurde der Dax am 9. März heruntergeprügelt  – schnelle 25 Prozent wurden binnen zehn Wochen im neuen Börsenjahr damit schon wieder abgegeben. Dann drehte der Wind, obwohl zu diesem Zeitpunkt keiner damit rechnete.  Nach einer 35 Prozent-Rallye stoppte der Deutsche Aktienindex (Dax) am Abend des 30. Juni bei 4809 Punkten wieder dort, wo begonnen hatte.

Deutsche Aktienindizes: Börsenstar TecDax – 24 Prozent Plus in 2009 

Dass im schwierigen ersten Halbjahr an den Aktienmärkten sogar Geld zu verdienen war, bewiesen die kleineren deutschen Kursindizes. Nach 5602 zum Jahresstart notierte der MDax sechs Monate später immerhin bei 5754 Zählern. Damit konnte sich der deutsche Midcap-Index um immerhin drei Prozent verbessern.

Ebenfalls eine leichte Erholung konnte im deutschen Kleinstwerte-Index per Ende Juni verzeichnet werden: Der SDax legte seit Jahresbeginn um mehr als 100 Punkte zu und notiert nun nach 2801 bei 2905 Punkten. Damit können auch die deutschen Smallcaps ein Plus von drei Prozent im Vergleich zu Ende Dezember verbuchen.

In ganz anderen Dimensionen bewegt sich unterdessen der eigentliche Börsenstar des Jahres an den deutschen Aktienmärkten: Nach 508 Punkten beendete der TecDax Mitte der Woche das erste Börsenhalbjahr nunmehr bei 627 Zählern – ein Plus von beachtlichen 24 Prozent blieb damit seit Januar hängen!  

Internationale Börsen: Hangseng und Nikkei  2009 zweistellig vorne 

Ebenfalls gut geschlagen hat sich das amerikanische Pendant zum TecDax. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite ging nach 1774 im Mai nunmehr bei 1835 Zählern aus dem Handel – exakt 61 Punkte oder rund 3 Prozent besser als im Vergleich zum Vormonat. Seit Jahresbeginn wuchs das Plus daraufhin auf entsprechend 15 Prozent.

Trotz Erholungskurs in den letzten Monaten befindet sich der Dow Jones Industrial Average dagegen nach den ersten sechs Monaten des Börsenjahres 2009 unter Wasser: Der traditionsreichste Index der Welt notierte Mitte vergangener Woche bei 8447 Zählern. Das sind exakt 329 Punkte oder 4 Prozent weniger als noch am 31.12. letzten Jahres.

Ebenfalls leicht enttäuschend  verlief dagegen die Entwicklung für Anleger, die europäischen Aktien in den vergangenen Monaten die Treue gehalten haben: Seit der Gegenreaktion im  März schloss der EuroStoxx50 per Ende Juni um 2 Prozent schwächer, um bei 2402 Punkten aus dem Handel zu gehen. Ende Dezember waren es noch 2451 Zähler.

Deutlich im Aufwind zeigten sich dagegen die japanischen Aktienmärkte, die nach Zugewinnen in den letzten Monaten gar zweistellig im Plus landen konnten: Nach 8860 Punkten per Ende Dezember 2008 schloss der Nikkei 225 sechs Monate später nun nur noch knapp unter der 10.000-Punktemarke , nämlich bei 9958 Zählern. Das entspricht einem Plus von immerhin 12 Prozent. 

Gar noch deutlicher im Rallye-Modus befindet sich dagegen die chinesische Halbinsel Hongkong, die die Rallyes der Vormonate sogar zuletzt immer wieder überbieten konnte. Mitte vergangener Woche blieb der Hangseng bei 18.378 Zählern stehen.  Das entspricht einer Wertsteigerung von erstaunlichen 29 Prozent gegenüber über dem Niveau des Jahresbeginns.

Große  Gewinne der BRIC-Märkte: Börse Moskau neuer Champion 2009 

Damit nicht genug: Auch und gerade die im Herbst-Crash noch hart getroffenen BRIC-Märkte erlebten im ersten Halbjahr 2009 dank enormer Kurszuwächse ein nahezu wundersames Comeback: 

So zog etwa die brasilianische Börse nach nur moderaten Verlusten zu Jahresbeginn seit März  kräftig an und legte beeindruckende 36 Prozent zu. Die Nachhaltigkeit der Rallye ist eindrucksvoll: Nach 37.553 per Ende Dezember 2008 Zählern lag der Bovespa  Ende Juni nunmehr wieder bei 51.465 Punkten.

Noch höher notieren die 2008 noch so gebeutelten russischen Aktienmärkte. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, wurde im Mai schon wieder über der 1000-Punktemarke gehandelt, ehe in den letzten vier Wochen Gewinnmitnahmen einsetzten.  Zum 30. Juni schließlich wurde der RTS bei 987 Zählern taxiert – das entsprach einem kräftigen Kursplus von 57 Prozent!

Ebenfalls nach steil oben zeigt der Trend in Indien. Der Leitindex der Börse Bombay, der sich 2008 halbiert hatte,  zeigte sich von den Abschlägen zu Jahresbeginn sehr gut erholt: Der Sensex notierte Mitte letzter Woche bei 14.493 Zähler – im Vorjahr waren es gerade mal 9716 Zählern. Das Kursplus seit Jahresbeginn liegt damit bei stattlichen 49 Prozent!

Noch beachtlicher ist das Plus ausgefallen, das die chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen seit Januar verzeichnet haben. Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb Ende Juni bei 2715 Zählern stehen: Das entspricht einem Plus von enormen 62 Prozent in den vergangenen sechs Monaten. 

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