Smartphone-Showdown: RIM, Apple und Palm im Dreikampf
In einer Welt voller Abschwung-Sorgen ist der Smartphone-Sektor der letzte Hort von Wachstumsfantasien. Warum, haben die letzten Woche bewiesen, in denen die großen Player zum ganz großen Showdown aufgerüstet haben: Apple veröffentlicht die dritte Generation des iPhones, Palm zwei Wochen vorab bereits das lang erwartete Konkurrenzprodukt Palm Pre. Und Platzhirsch RIM? Der kanadische Smartphonehersteller kündigte unterdessen die größte Produktoffensive seiner Firmengeschichte an.
Alle guten Dinge sind drei: Nach 2007 und 2008 brachte Apple wieder pünktlich zum Sommerbeginn am vergangenen Freitag ein neues iPhone auf den Markt. ‘iPhone 3G S’ heißt der neue mobile Alleskönner, der tatsächlich viele Wünsche einlöst, die Apple-Fans nach den ersten Modellen der ersten beiden Generationen hegten.
Wie schon der Zusatz “S“ verrät, kommt das neue iPhone mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit daher – ebenso wie mit einer längeren Batterielaufzeit und einer verbesserten Kamera (3.2 Megapixel). Vor allem jedoch das eigentliche Killer-Feature besticht: Die Videoaufnahme-Kamera, mit der im Handumdrehen kurze Aufnahmen gemacht und einen Klick später auf YouTube hochgeladen werden können.
“Das iPhone ist der Konkurrenz weiter um Lichtjahre voraus“
“Das neue iPhone ist der Flip Cam-Killer“, folgert das vom früheren Internetaktien-Analysten Henry Blodget gegründete Technologieportal “Alley Insider“ dann auch schnell. “Es ist zwar nicht das schärfste Video, das geschossen wurde. Aber es läuft ziemlich glatt“, findet Tech-Reporter Dan Frommer. “Und das ist genug, um den Leute davon abzubringen, einen eigenen Camcorder zu kaufen“.
Tatsächlich wird das neue iPhone auch durch das stark überarbeitete neue Betriebssystem iPhone OS 3.0 stark aufgewertet – äußert nützliche Features wie “Copy & Paste“, die Generalüberholung von bereits vorhandenden Applikationen, vor allem aber eine neue präzise Suchfunktion und eine Sprachaufnahme-Applikation werten Apples längst mystisch verklärtes Wunderhandy weiter auf.
“Das iPhone ist der Konkurrenz weiter um Lichtjahre voraus“, befindet dann auch der “Alley Insider“. Entsprechend wurde auch am ersten Verkaufswochenende mit einem Absatz von 500.000 bis 700.00 Geräte gerechnet.
Platzhirsch RIM: “Unsere Produktpalette ist spektakulär”
Ob Apple damit zumindest im Sommerquartal wie im vergangenen Jahr zum Smartphone-Champion aufsteigt, muss jedoch bezweifelt werden. Denn der Platzhirsch Research in Motion legt weiter ein beeindruckendes Tempo vor. Wie der im kanadischen Waterloo ansässige Smartphone-Hersteller erst Ende letzter Woche bei Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen mitteilte, gingen allein zwischen März und Mai enorme 7,8 Millionen Blackberrys über die Ladentische.
Das ist mehr als doppelt so viel wie Apple im vorausgegangenen Quartal ausweisen konnte, als der Computerpionier aus Cupertino 3,8 Millionen iPhones verkaufen konnte. Doch Apple hat bereits im vergangenen Jahr vorgemacht, dass es RIM schlagen kann. Seinerzeit verkaufte Apple im dritten Quartal, als die zweite Generation des iPhones am 11. Juli debütierte, beeindruckende 6,9 Millionen Einheiten – das waren 800.000 Stück mehr als RIM im Vergleichszeitraum vorweisen konnte.
Ob Apple den Coup des Vorjahres wiederholen kann, erscheint jedoch durchaus fraglich, denn RIM hat beim Conference Call die größte Produktoffensive der Unternehmensgeschichte angekündigt: “Unsere Produktpalette in den nächsten 14 Monaten ist spektakulär”, erklärte CEO Jim Balsillie.
Comeback des Jahres: Palm überrascht mit dem Pre
Andererseits muss sie das wohl auch sein, denn nicht nur Apple fordert RIM heraus, sondern auch ein alter Bekannter, der RIM um die Jahrtausendwende noch auf dem PDA-Markt weit überlegen schien – Palm. Nach langen Jahren der Erfolglosigkeit scheint Palm, das künftig zum früheren Apple-Manager Jon Rubinstein geführt werden wird, nun nämlich mit einem neuen Smartphone namens Pre zurück in die Erfolgsspur zu finden.
Knapp zwei Wochen vor dem neuen iPhone ging der Pre an den Start – und verkaufte sich nach Branchenschätzungen bereits sechsstellig. Nach Analystenprognosen sollen bis zum Jahresende mehr als eine Million Geräte des Pres verkauft werden, der in Design und seiner Funktionalität durchaus an das iPhone angelehnt scheint.
Heißgelaufene Smartphone-Aktien
So faszinierend der große Smartphone-Showdown in diesen Tagen auch für den Anwender ist – so unübersichtlich ist er auch für den Anleger, der sich erst jetzt engagieren will. Denn wie immer hat die Börse bereits einen großen Teil der Erwartungen vorweg genommen. Seit Jahresbeginn haben die Aktien der reinrassigen Smartphone-Konkurrenten wie folgt zugelegt:
• Apple: + 63 %
• RIM: + 79 %
• Palm: + 354 %
Wall Street James Cramer stört das nicht - Im Gegenteil. “Ich glaube nicht, dass die Leute die weltweite Notwendigkeit der neuen Geräte verstehen. Das sind keine Modeartikel oder Luxusgüter. Sie sind Notwendigkeiten, da wir Zeitungen künftig genauso online lesen wie wir SMS schicken statt jemanden anzurufen, wie wir Bilder mit unseren Handys schießen statt Kameras mitnehmen und TV auf unseren Computern und Gadgets schauen. Deswegen kaufen wir Palm, RIM- und Apple-Smartphones.”
Und vielleicht auch die Aktien. Cramer empfiehlt daher auf Kursrückgänge zu warten, wie sie nach großen Events immer wieder eintreten. Palm und Apple gaben zuletzt nach der Markteinführung ihrer neuen Smartphones nach - RIM nach Bekanntgabe der Quartalszahlen. Die Chancen also sind da. Allein: Sind es auch Kaufchancen?
Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple und RIM





