Märkte nach der Rallye (1): Das Bullenszenario
Das Comeback ist furios: In der zehnten Woche nach den bisherigen Jahrestiefs durchbrach der Dax erstmals seit Januar wieder die 5000-Punktemarke, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten. Fundamental untermauert wurde die 40-Prozent-Rallye im Dax mit zuletzt besser ausgefallenen Quartalszahlen. Doch kann der Aufschwung tatsächlich anhalten? Diese Argumente sprechen dafür – das Bullenmarktszenario.
Es sind deutliche Worte von höchster Stelle: “Ich bin kein Volkswirt, aber es zeigt sich immer deutlicher, dass das Schlimmste vorüber ist”, erklärte unlängst niemand anderes als Medientycoon Rupert Murdoch. Um im Conference Call bei Bekanntgabe der Quartalszahlen von News Corp. hinzuzufügen: “Wie Sie wissen, war ich sehr pessimistisch. Aber es gibt immer mehr Signale, dass die Tage des steilen Absturzes vorüber sind.”
Noch weiter ging ein anderer Veteran der Medienbranche: “Ich glaube, wir stehen am Beginn eines neuen Bullenmarktes”, rief niemand anders als der 85-jährige CBS- und Viacom Chairman Sumner Redstone den Beginn einer neuen Hausse aus. ”Wenn ein Bullenmarkt beginnt, zieht die Wirtschaft neun Monate später nach”, erklärte der Medienmogul Anfang Mai bei einer Rede am Milken Institute.
Gewinne von 27 bis 37 Prozent in Dax und Dow seit dem 9. März
Und tatsächlich – die Börse scheint genau das zu tun. Seit den vorläufigen Jahrestiefs vom 9. März haben die großen Aktienmärkte bis Freitag wie folgt zugelegt:
Dax: + 37 Prozent
EuroStoxx50: + 35 Prozent
Nasdaq: + 33 Prozent
Dow Jones: + 27 Prozent
“Wir haben die Mutter aller Zusammenbrüche in der Konjunktur und der Wirtschaft erlebt – da macht es nun durchaus Sinn, dass wir die Mutter aller Bärenmarktrallyes erleben”, fasst der Vermögensverwalter Robert Marcin die Achterbahnfahrt der vergangenen Monate zusammen. “Nun sind wir in der neuen Normalität angekommen”.
“Neue Normalität”: Das Leben nach den “Generational Lows”
Doch bleibt es wirklich dabei? Für den renommierten Vermögensverwalter Doug Kass sieht diese “neue Normalität” durchaus recht vielversprechend aus: “Generational Lows”, die Tiefststände einer ganzen Generation, nennt Kass, der den Börsencrash 2008 bereits richtig prognostiziert hatte, das Kursniveau vom 9. März dieses Jahres.
Nicht nur, dass diese Tiefs nicht mehr besichtigt werden würden - der berüchtigte Shortseller Kass macht den Bullen durchaus Hoffnung auf eine nachhaltige Fortsetzung der Rallye bis zumindest zum Spätsommer. “Wie Weltbörsen befinden sich nicht mehr im freien Fall, ich sehe weiterhin Besserung an den Kreditmärkten, mehr Stabilität in der Konjunktur und trotzdem die anhaltende Skepsis vor einer Bärenmarktrallye”, fasst Kass seine Argumente zusammen.
Doug Kass: Weitere 20 Prozent bis Ende des Sommers sind drin
Und noch einen weiteren maßgeblichen Treiber sieht der Gründer des Vermögensverwalters Seabreeze Partners Management – die großen US-Pensionsfonds, die die Anlageklasse der Aktien wiederentdecken würden: “Nach 18 Monaten der Outperformance von Anleihen gegenüber Aktien erscheint eine Reallocation der großen Fonds zugunsten von Aktien nahezu unvermeidlich”, glaubt Kass.
“Diese Kaufkraft könnte der klassische Treiber einer anhaltenden Rallye im Sommer sein – trotz der ‘Wall of Worry’ dieser Tage.” Entsprechend sieht Kass weiter Luft nach oben und nennt als Kursziel bis Spätsommer 1050 Zähler im marktbreiten S&P 500-Index – das wären knapp 20 Prozent mehr als noch zum Schlussstand am Freitag.
Beginn eines mehrjährigen Aufschwungs?
Und selbst das könnte noch längst nicht alles gewesen sein, macht der Vermögensverwalter Arne Alsin deutlich: “Wenn Sie sich aktuell weiter an der Seitenlinie befinden und sich darüber ärgern, dass Sie die jüngste Erholung verpasst haben, habe ich gute Nachrichten für Sie”, erklärt der Gründer der kalifornischen Anlageberatung Alsin Capital Management: “Wir befinden uns noch immer in der Frühphase einer mehrjährigen Erholung, es gibt also noch viele Gewinne zu machen.
Als Beleg dafür zieht Alsin Vergleiche mit der Vergangenheit heran: Selbst nach dem dramatischsten Absturz in der Börsengeschichte – nämlich im Crash von 1929, der die Weltwirtschaftskrise auslösen sollte, legten Aktien eine beeindruckende Rallye von unglaublichen 372 Prozent Plus zwischen 1932 und 1937 hin. “Denken Sie langfristig: Auch dieser Bärenmarkt endet irgendwann”, ist sich Alsin sicher.
Völlig anderer Meinung ist dagegen das Bärenlager, das die Rallye der vergangenen zehn Wochen nur als temporäre Erscheinung betrachtet. Welche Argumente die Bären für eine baldige Fortsetzung des Abschwungs anführen, lesen Sie in der nächsten Woche.






