Wirtschaft neu denken: Bad Banking
Die Politik hat eine sehr gute Lösung für das Problem der toxischen Wertpapiere vorgeschlagen. Auf der einen Seite können sich die Institute von ihren Bilanzlasten befreien und auf der anderen Seite müssen die Anteilseigner primär haften. Das entspricht marktwirtschaftlichen Prinzipien.
Der Vorschlag der Bundesregierung sieht vor, dass Banken die Möglichkeit erhalten, eine Zweckgesellschaft zu gründen – eine eigene »Bad Bank« sozusagen. Diese Institute benötigen keine eigenen Banklizenzen. Banken übertragen ihre risikobehafteten Wertpapiere mit einem Abschlag von in der Regel zehn Prozent auf den aktuelle Buchwert an diese Gesellschaften. Die Zweckgesellschaft stellt eine Schuldverschreibung in gleicher Höhe aus, diese wiederum wird vom Bankenrettungsfonds SoFFin (also letztlich dem Staat) garantiert und ermöglicht wegen der Garantie die Refinanzierung bei der Europäischen Zentralbank. Die Idee ist es, Eigenkapital zu »befreien«, das für die Vergabe neuer Kredite notwendig ist.
Die »Friss-oder-Stirb-Regel« lautet: Dividenden dürfen nur Institute zahlen, die Verluste bei den toxischen Papieren kompensieren können. Das erschwert den Banken zukünftige Bilanzkosmetik.
So soll das eigentliche Kerngeschäft wieder angeregt werden. Natürlich sind Zweifel an der Wirksamkeit dieses Modells erlaubt, denn attraktiv ist die Gründung einer Bad Bank nicht. Aber sollte der Staat besser als erzwungener Anteilseigner auftreten, wie in den angelsächsischen Staaten? Nein. Banker müssen jetzt verantwortlich handeln und sich überlegen, ob sie mit oder ohne Bad Bank leben können. Sie haben dafür ein nur enges Zeitfenster von einem halben Jahr. Ihre Entscheidung müssen Vorstände ihren Anteilseignern und Aufsichtsräten gut erklären. Sowohl bei Teilnahme als auch bei Nichtteilnahme.
Schwache Institute werden sichtbar. So oder so.
Wer auf absehbare Zeit keine Dividenden zahlen kann, der hat offensichtlich schlecht gewirtschaftet und eine ganze Menge Fehler gemacht. Dadurch dürften einige Bankvorstandsposten in naher Zukunft rotieren. Und das ist gewollt und sinnvoll im Sinne einer »Selection of the fittest«.
Die Banken erhalten die Leistungen des Staates gegen Gebühr. Ansonsten hätte sich vermutlich ohnehin Brüssel eingeschaltet. Bei der vorgestellten Lösung werden jetzt nur Banken belastet, die zuvor zu viele schlechte Risiken eingekauft haben. Damit ist die ebenfalls diskutierte Branchenabgabe im Bankensektor offenbar endgültig vom Tisch. Hätte man alle Institute belastet, würden solidere Institute die Kosten der Gestrauchelten zahlen. Das wäre natürlich absurd im Jahr Darwins gewesen. Ein Schaubild des Lösungsvorschlags finden Sie hier.
Zudem soll die Lösung eine Konsolidierung unter den Landesbanken befördern. Auch das ist zu begrüßen, zumal niemandem zu vermitteln sein dürfte, weshalb Landesbanken Büros in New York und London unterhalten, die nicht nur im Unterhalt teure Abenteuer waren. Sie hatten ihre Chance das verloren gegangene Geschäftsmodell zu entwickeln und haben versagt. Niemand benötigt Institute, die zu Lasten der Länder absurde Risiken eingehen und Hauskäufe in anderen Ländern letztfinanzieren.
Was davon zu halten ist
Natürlich finden sich schon nach einem Tag Kritiker der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Lösung. Die Banken hätten nicht genügend Anreize die Möglichkeiten des Bad Bank Systerm zu nutzen. Das ist dreist, wenig nachgedacht und vergisst die Ausgangslage: Warum sollte der Staat Banken dazu einladen, ihn noch weiter in Anspruch zu nehmen?
Eben genau jene Protagonisten, für die es jetzt etwas mehr sein kann, haben seinerzeit den Staat in jeder noch so unwichtigen Rede oder Kolumne verteufelt. Nicht gemeint ist hiermit Chef-Lobbyist Manfred Weber vom Bankenverband, der aber kürzlich einen erstaunlichen Wandel eines Fragestellers mitansehen musste. Sein Interview-Partner hätte vor zwei Jahren sicher nicht so aggressiv nachgefragt. Immerhin ist die Krise also für etwas gut gewesen.
Eine Bank, die heute massive Bilanzprobleme ausweist, ist in der Vergangenheit schlecht von ihrem Vorstand geführt worden. Das muss ja auch mal jemand schreiben, bevor es vergessen wird, bei all den nun sicher bald folgenden Detaildiskussionen. Kein Land dieser Welt benötigt in Zukunft verantwortungslose Banker, die in der Vergangenheit Anfängerfehler in ihrem Kerngeschäft begangen haben und heute vom Staat herausgekauft werden müssen.
Die Aufsichtsräte und vor allem die Anteilseigner sind jetzt gefordert, den künftigen Kurs der Institute zu bestimmen. Wer sich von den Aktionären jetzt darüber ärgert, dass sein Investment auf Jahre vielleicht keine Dividenden abwirft, der sollte die Schuld nicht beim Staat suchen: Es liegt auch daran, dass Aktionäre in der Vergangenheit zu leichtgläubig intellektuell offenkundig überforderten Vorständen hinterhergelaufen sind.
Es ist nicht einzusehen, weshalb Banken ihren Anteilseignern Kapital ausschütten sollten, solange die Verluste aus schlechten Geschäften das Institut - ob ausgelagert oder nicht spielt keine Rolle - vorhanden bleiben. Der Steuerzahler haftet auch in der gewählten Lösung genügend über seine Garantie und durch einen Verlust an Steuereinnahmen, der vermutlich Jahre andauern wird und oft vergessen wird bei der Kostenbetrachtung.
Was jetzt noch fehlt
Der nächste logische Schritt muss es sein, die Erpressbarkeit der Politik für die Zukunft zu reduzieren. Es gilt daher das Thema Bankeninsolvenzen ganz oben auf die Agenda zu schreiben. Die Systemrelevanz von Instituten beispielsweise darf kein Argument mehr für zukünftige Rettungsaktionen sein, sonst machen die Banken in zwei Jahren munter weiter wie bisher.
Möglicherweise wird die Politik mit dem Bankenverband ein System der Teilinsolvenzen entwickeln müssen. Es ist nämlich nicht einzusehen, weshalb Sparer ihr Geld verlieren sollen, wenn zockende Investmentbanker mit absurden Hebeln und schlechter Strategie Institute in die Schieflage bringen. Es genügt nicht einfach nur höhere Eigenkapitalquoten zu fordern, sondern die Banken müssen das Eigenkapital innerhalb des Konzerns gewissen Geschäftsbereichen konkret zuordnen und intern darum buhlen. Anleger werden vorsichtiger, wenn Banken für ein Zertifikat statt mit dem gesamten Eigenkapital (so steht es in Prospekten auf Seite 1) nur mit einigen Tausend Euro haften. Das eine oder andere schnell auf den Markt gebrachte Absurdprodukt würde möglichweise niemals den Kapitalmarkt erreichen. Auch das wäre nicht schade.
Falls Sie diese Hinweise lesenswert oder zumindest bedenkenswert finden, sei Ihnen das folgende Buch (in eigener Sache) empfohlen.
Archiv: Eigene Links zum Thema Bad Bank, Bankeninsolvenz, SachsenLB, Bankenbewertung(2007).






