US-Quartalssaison: Das erstaunliche Comeback der Technologiewerte


Die Schockstarre an den Aktienmärkten ist seit einigen Wochen durchbrochen – allein: Die allgegenwärtige Skepsis bleibt. Dass tatsächlich auch mitten in der schwersten Krise seit 1929 veritables Wachstum zu beobachten ist, beweist ein Sektor, der sich gegen den Abwärtstrend stemmt – die Technologiebranche.  Und das auch fundamental: In verblüffender Regelmäßigkeit haben die Zugpferde der Nasdaq bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist.     

Noch immer dominieren die Negativschlagzeilen der Permabären: Die Weltwirtschaft befindet sich auf historischem Schrumpfungskurs, die erwarteten  Ausfälle im Zuge der Finanzkrise werden nicht gekannte Dimensionen erreichen und der gegenwärtige Aufschwung an den Aktienmärkten wäre bestenfalls das kurzlebige Resultat einer Bärenmarktrallye, so der Tenor.

Doch am Ende des Tages treffen solch pauschale Horrorszenarien eben doch nicht auf alle Sektoren, Unternehmen und Aktien zu. Eine Branche nämlich schickt sich an, mitten in der tiefsten Finanzkrise seit1929 den Unterschied zu machen und den Nachweis zu erbringen, auch in der Rezession gegen den Trend zu wachsen.

Research in Motion eröffnet den Quartalsreigen mit besser als erwarteten Ergebnissen

Dass dies tatsächlich möglich ist, bewiesen die Schwergewichte der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq, die selbst 2009 bereits um 7 Prozent im Plus liegt, in den vergangenen Wochen bei Vorlage ihrer jüngsten Geschäftsbilanzen.

Den Auftakt hatte der Smartphone-Anbieter Research in Motion Anfang April gemacht. Nach zwei Gewinnwarnungen in Folge konnte der  kanadische Blackberry-Hersteller Anleger plötzlich wieder begeistern.  Statt der erwarteten  84 Cent je Aktie verdiente RIM im Ende Februar abgelaufenen vierten und letzten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 tatsächlich 90 Cent und hob auch die Konsensschätzungen für das nächste Quartal an. Die Aktie legte daraufhin um mehr als 20 Prozent zu.   

Apple und Google ziehen nach

Damit war der Auftakt gemacht. Der eigentliche Blackberry-Herausforderer iPhone konnte bei Vorlage von Apples Quartalszahlen erneut unter Beweis stellen, warum Apples Smartphone auch knapp zwei Jahre nach Markteinführung an Momentum gewinnt. 3,8 Millionen iPhones wurden im traditionell schwächeren ersten Quartal verkauft.

Zusammen mit der noch immer starken iPod-Sparte (11 Millionen verkaufte Geräte) verhalf das boomende iPhone-Segment dem Kultunternehmen aus Cupertino zu einem erneuten Wachstum im zweistelligen Bereich – und das, obwohl Analysten erstmals seit 2003 einen Gewinnrückgang prognostiziert hatten.  Tatsächlich jedoch stiegen die Gewinne abermals um 15 Prozent auf  1,21 Milliarden Dollar oder 1,33 Dollar je Aktie. Analysten waren von gerade mal 1,09 Dollar je Anteilsschein ausgegangen. 

Auch der andere große Wachstumsfavorit an der Nasdaq hatte zuvor vorgemacht, dass steigende Gewinne und Umsätze in Krisenzeiten kein Fremdwort sein müssen. Google verdiente nämlich 1,42 Milliarden Dollar oder 5,16 Dollar je Anteilsschein. Die Prognosen der Wall Street, die noch bei 4,94 Dollar gelegen hatten,  wurden damit  ebenfalls übertroffen. Beide Aktien, Apple als auch Google, legten daraufhin wie in alten Zeiten zu.

Neue Wachstumsfavoriten: Amazon und Baidu beeindrucken mit zweistelligem Gewinn

Noch mehr Momentum hatten zwei andere Tech-Werte auf ihrer Seite. Da ist zum einen die chinesische Suchmaschine Baidu, die ebenfalls an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gelistet ist. Im Heimatland China jedoch, lässt Baidu der Konkurrenz – auch Google – bei weitem das Nachsehen.

Auf 60 Prozent Marktanteil  kommt Baidu – und gleichzeitig auf Wachstum ohne Ende. Nochmals um 23 Prozent zog der Gewinn auf 26,5 Millionen Dollar an, während die Umsätze gar um 41 Prozent zulegten. Mit einem Gewinn von 86 Cent je Aktie überbot Baidu dabei Analystenschätzungen spielend – die Aktie haussierte weiter.       

Dasselbe gilt auch für den Online-Einzelhändler Amazon, der nach seiner Gründung noch jahrelang eine tiefrote Bilanz präsentierte. Doch das ist längst Geschichte. Im abgelaufenen ersten Quartal konnte der Seattler  Dot.com-Konzern erneut die Wall Street mit einem üppigen Gewinnzuwachs beeindrucken.

Satte 177 Millionen Dollar verdiente Amazon im ersten Quartal des laufenden Jahres – das waren erstaunliche 30 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2008.  Auch der Umsatz zog noch mal um 18 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar an. “Es ist unglaublich, dass ein Händler in dieser historischen Rezession ein Wachstum von 18 Prozent ausweisen kann”, zeigte sich Fred Moran, Analyst bei der New Yorker Benchmark & Co, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg beeindruckt.  
 
 eBay, Yahoo besser als erwartet

Nicht ganz so beeindruckend aber trotzdem besser als erwartet verliefen die Bilanzen von eBay und Yahoo.  Die beiden Internetpioniere stecken seit einigen Quartalen in der Krise – zum Teil sind diese hausgemacht, zum Teil der Rezession geschuldet. Das Internetportal Yahoo etwa leidet Jahren unter der Vorherrschaft des Platzhirsches Google, der bei der Internetsuche längst eine erdrückende Stellung eingenommen hat.

Immerhin: Yahoo versucht sich unter Führung von Carol Bartz seit Jahresbeginn neu zu erfinden und kann bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen zumindest eine Stabilisation der Geschäfte präsentieren. Mit 118 Millionen Dollar oder 8 Cent je Aktie verdiente Yahoo in etwa das, was die Wall Street erwartet hatte – Umsätze und Gewinne gingen um 13 Prozent zurück.

Auch bei eBay entwickelten sich die Geschäfte rückläufig – jedoch noch immer besser als erwartet. Das Minus von 22 Prozent auf 357 Millionen Dollar bzw. 39 Cent je Aktie  fiel deutlich geringer aus als von der Wall Street prognostiziert. Die von Thomson Reuters befragten Analysten hatten mit 34Cent je Aktie gerechnet.  Die Aktien von eBay wie auch Yahoo legten nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse zu.    

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