US-Quartalssaison: Was sind die Milliardengewinne der Banken wert?


So schnell kann es doch gehen: Mitten in der Finanzmarktkrise, deren Ende viele Marktexperten noch längst nicht absehen wollen, erleben ausgerechnet die US-Banken eine schier mirakulöse Renaissance. Dabei hatten die amerikanischen Investmentbanken das Börsenbeben im vergangenen Herbst erst ausgelöst. Im abgelaufenen ersten Quartal fuhren Goldman Sachs, J.P. Morgan oder Wells Fargo jedoch bereits wieder Milliardengewinne ein. Taugt das Signal als Trendwende?

Es sind rare Worte: Es deute einiges darauf hin, dass die von der Fed ergriffenen massiven Interventionen maßgeblich zur Reanimierung der Wirtschaft beigetragen hätten, hieß es am vorvergangenen Wochenende – und zwar vom Chef der New Yorker Fed, William Dudle, und Fed-Vize Donald Kohn selbst.

Tatsächlich sind Anzeichen eines wahren Frühlings an den Kapitalmärkten nicht mehr zu verkennen - die Aktienmärkte schießen in die Höhe wie Kirschblüten. Mehr als 30 Prozent haben Dax und Dow in den letzten sechs Wochen zugelegt. An der Spitze: Bankentitel, die seit dem vorläufigen Tief am 9. März eine regelrechte Rallye hingelegt haben.

Bank-Bilanzen in Q1: Goldman Sachs eröffnete den Reigen

War es mehr als ein Strohfeuer? Fundamental untermauert wurde das Kursfeuerwerk durch die jüngsten Unternehmensbilanzen. Die Investmentbank Goldman Sachs machte dabei den Auftakt der turnusmäßigen Quartalssaison und setzte den Ton mit einem starken Ergebnis.

Nachdem die stolze Investmentbank noch im Vorjahresquartal das erste Minus seit dem Börsengang vor zehn Jahren ausweisen musste, wurde nun wieder mitten in der Finanzmarktkrise kräftig verdient.  Einen Gewinn in Höhe von erstaunlichen 1,7 Milliarden Dollar konnte Goldman seinen Aktionären vermelden – das waren sogar 13 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Auch J.P. Morgan und Wells Fargo mit Milliardengewinnen

Doch damit stand Branchenprimus Goldman keinesfalls alleine dar. J.P. Morgan legte dann noch einen drauf: Sogar 2,1 Milliarden Dollar fuhr die im Dow Jones gelistete Traditionsbank in den 90 Tagen zwischen Anfang Januar und Ende März ein – das entsprach 40 Cent je Aktie.  Analysten hatten indes nur mit  32 Cent gerechnet.

Noch besser lief es bei Wells Fargo. Der 157 Jahre alte Finanzdienstleister, der in der Finanzkrise den Konkurrenten Wachovia übernommen hatte, konnte mit einem Plus von erstaunlichen 2,38 Milliarden Dollar oder 56 Cents je Aktie gar das zweitbeste Quartalsergebnis der amerikanischen Großbanken vorlegen.  

Bank of America verdient am meisten – und auch Citigroup wieder im Plus  

Noch mehr erzielte nur die Bank of America, die den Überschuss im Vergleich zum Vorjahr sogar verdreifachen konnte und unter dem Strich 2,8 Milliarden Dollar einfuhr. 

Und selbst das Sorgenkind lieferten. Fast eine Milliarde Dollar Gewinn (966 Millionen Dollar oder 18 Cent je Aktie) konnte auch die teilverstaatlichte Citigroup verbuchen, obwohl Analysten zuvor mit einem fast doppelt so hohen Verlust gerechnet hatten. 

Experten skeptisch angesichts neuer Bilanzierungsregeln

So weit, so bemerkenswert. Ist die Finanzmarktkrise damit doch schneller beendet als angenommen? Die jüngsten Bilanzen dürften als Indikator dafür trotz der positiven Überraschung kaum taugen. “Man muss die Geschäftsergebnisse der Banken grundsätzlich mit gesunder Skepsis bewerten. Denn sie können sicher zum Teil eine Folge der neuen Bilanzrichtlinien sein”, erklärte etwa der BWL-Professor Hartmut Bieg gegenüber manager-magazin.de.

In der Praxis sieht das so aus: Nach den im letzten Jahr veränderten Bilanzierungsregeln müssen die US-Banken faule Wertpapiere nicht mehr so schnell abschreiben wie früher. Zudem wurde mit dem Kalenderwechsel großzügig verfahren: “Mit der Änderung des Finanzjahrs fiel der Dezember aus dem ersten Quartal heraus”, klärt das US-Anlegermagazin “Barron’s” auf.

Joe Ackermann prescht vor: Festhalten am Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite

Mit solchen Kunstgriffen ist diesseits des Atlantiks nicht zu rechnen. Mit umso größerer Spannung warten Anleger nun auf die Verkündung der jüngsten Unternehmensbilanzen der deutschen Hochfinanz. Bereits am Dienstag macht der Branchenprimus, die Deutsche Bank, den Auftakt.

Und auch der könnte unerwartet glanzvoll ausfallen. Wie das “Handelsblatt” unter Berufung aus Finanzkreisen berichtet, wird auch der Dax-Konzern mit einer echten Positivmeldung aufwarten – nämlich dem Erreichen der stets geforderten Eigenkapitalrendite von 25 Prozent – schließlich wäre diese Größenordnung “lange Zeit das gewesen, was die Besten der Welt erreicht haben”, zitiert die Wirtschaftszeitung Ackermann, der zudem nach Analystenschätzung einen Gewinn über der Milliardemarke verkünden wird. 

Politik kritisiert Ackermann: “Aus der schweren Krise zu wenig gelernt”

Dabei wollte es der oberste Deutschbanker jedoch nicht bewenden lassen: “Man kann es im Geschäftsleben nicht mit Absicht gemächlicher angehen lassen, nur damit alle mitkommen”, konnte sich der Deutsche Bank-Vorstand eine Spitze gegen die kriselnde deutsche Konkurrenz nicht verkneifen, schließlich war der Dax-Konzern als bislang einzige Großbank der Republik ohne Staatsgelder durch die Krise gekommen.

Die Reflexe der Politik griffen daraufhin sofort:  “Wenn Ackermann jetzt einfach bei dieser Sichtweise bleibt, zeigt dies, dass er aus dieser schweren Krise zu wenig gelernt hat”, erklärte der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß dem “Handelsblatt” mit Blick auf Ackermanns ambitionierte Renditeziele. Damit erscheint zumindest eines gewiss: Auch die deutsche Quartalssaison verspricht ihre Spannung.  

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