Marktrückblick März 2009: Befreiungsschlag der Bullen
Es steckt doch noch Leben in den Aktienmärkten: Nach einem desaströsen Jahresstart, der bereits im Januar und Februar Verluste von mehr als 20 Prozent bescherte, rissen die Bullen in den vergangenen dreieinhalb Wochen das Ruder herum und brannten dabei ein wahres Kursfeuerwerk ab.
Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt, dass die Dinge erst richtig schlimm werden müssen, bevor sie sich zum Besseren wenden – das gilt für die Politik, für die Wirtschaft und wohl erst recht für die Börse.
Im Zeitalter der permanenten Negativnachrichten von immer dramatischeren konjunkturellen Einbrüchen, Schieflagen bei Banken und Autobauern und eilig geschnürten staatlichen Rettungspakten brachen die Aktienmärkte in den ersten zehn Wochen so massiv ein wie noch nie zu einem Jahresbeginn. Dem Muster des Bärenmarktes von 2003 folgend erreichte die Negativhysterie Anfang März ihren Höhepunkt, als der Dow Jones nur noch bei 6470, der Euro Stoxx bei 1765 und der Dax nur noch bei 3589 Punkten taxiert wurde.
Deutsche Aktienindizes: Dax mit kräftigem Rebound – zweibester Index 2009
Ob damit fast auf den Tag genau wie schon vor sechs Jahren der Tiefpunkt der Börsenbaisse erreicht worden ist, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Aktienmärkte seitdem eine furiose Erholungsrallye hingelegt haben, die den deutschen Blue-Chip-Index Dax in der Spitze um mehr als 20 Prozent nach oben befördert haben.
Die realen Veränderungen auf Monatssicht geben die Kurserholung nur unvollkommen wieder. Bei nur noch 3844 Zählern war der Leitindex der deutschen Aktienmärkte Ende Februar stehen geblieben – 4085 Zähler wurden gestern taxiert. Das entspricht einem Plus von 6 Prozent. Am Ende des ersten Quartals bleibt damit aber immer noch ein happiges Minus von 15 Prozent.
TecDax 2009 bislang am robustesten
Gar den dritten Verlustmonat in Folge musste die zweite deutsche Aktienliga verkraften. Nach 4608 Punkten im Vormonat bewilligten Anleger für den MDax, der noch Mitte 2007 den historischen Gipfel bei 11.378 Zählern erklommen hatte, heute zu Handelsschluss nur noch 4427 Punkte – ein Minus von nochmals vier Prozent. Anfang des Monats hatte der deutsche Midcap-Index jedoch bereits nahe der 4000-Schwelle notiert. Insgesamt fiel in den ersten drei Monaten des Jahres das satte Minus von 21 Prozent an.
Besser geschlagen hat sich unterdessen der Kleinstwerte-Index im März: Im SDax konnte das Minus um 2 auf 15 Prozent reduziert werden. Angesichts der Kursverluste in den vergangenen 20 Monaten ist das jedoch auch nur ein kleiner Trost: Seit dem Allzeithoch bei 6659 Zählern hat der SDax mittlerweile fast zwei Drittel seines Wertes eingebüßt – heute schloss er bei 2374 Punkten.
Wesentlich robuster tendierte dagegen der deutsche Technologieindex im schwierigen Marktumfeld der vergangenen viereinhalb Wochen. Der TecDax, der das vergangene Jahr bei 508 Zählern noch als Klassenletzter abgeschlossen hatte, konnte sich schon im Februar am besten schlagen und notierte zum Monatsende nunmehr bei 480 Punkten – ein sattes Plus von rund 8 Prozent. 2009 reduzierte sich das Minus damit auf weniger als 6 Prozent.
Internationale Börsen: Wall Street gewinnt deutlich – Nasdaq fast auf Januar-Niveau
Noch besser geschlagen hat sich das amerikanische Pendant zum TecDax. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite ging bei 1529 Zählern aus dem Handel – exakt 151 Zählern oder 11 Prozent besser als im Vergleich zum Vormonat. Seit Jahresbeginn wurde das Minus daraufhin auf nur noch 3 Prozent reduziert. Ende der vergangenen Woche notierte die US-Tech-Börse gar kurzfristig marginal im Plus.
Ebenfalls deutlich auf Erholungskurs befindet sich der marktbreite Dow Jones Industrial Average: Der traditionsreichste Index der Welt gewann fast 550 Zähler oder knapp 8 Prozent an Wert zurück, nachdem im Vormonat noch zweistellige Verluste angefallen waren. Bei nunmehr 7608 Zählern beendete der Dow Jones das erste Quartal 2009 mit einem Minus von 13 Prozent.
Fast synchron dazu verlief die Entwicklung für Anleger, die in europäischen Aktien im vergangenen Monaten die Treue hielten: Der EuroStoxx50 ging wieder oberhalb der 2000-Punkteschwelle aus dem Handel – und zwar bei 2071 Punkten. Das sind knapp 5 Prozent mehr als im Vormonat, jedoch auch 15 Prozent weniger als noch zu Jahresbeginn.
Ebenfalls deutlich erholt zeigten sich die japanischen Aktienmärkte: Der Nikkei 225 konnte in den letzten viereinhalb Wochen rund 7 Prozent zugewinnen, um bei 8110 Zählern aus dem Handel zu gehen. Das Minus seit dem 1.1. konnte damit auf respektable 8 Prozent reduziert werden. Ebenfalls im Rallye-Modus präsentierte sich dagegen die chinesische Halbinsel Hongkong nach Zugewinnen von rund 6 Prozent: Der liegte Hangseng-Index nunmehr bei 13.576 Punkten nur noch knapp 6 Prrozent unter dem Niveau des Jahresbeginns.
BRIC-Märkte trotzen dem Abwärtstrend – Russland und China haussieren
Tatsächlich gibt es auf der Weltkarte aber auch sogar ein paar Märkte, die dem allgemeinen Abwärtstrend des Börsenjahres 2009 bislang trotzen konnten – nämlich die einst boomenden BRIC-Märkte, die 2009 vor einer Wiederentdeckung stehen könnten. So zog etwa die brasilianische Börse im Sog der Rohstoffmärkte nach moderaten Verlusten im Februar im März wieder an und legte um 7 Prozent zu. Bei nunmehr 40.926 Zählern liegt der Bovespa 2009 damit schon um 9 Prozent vorne.
Ein Prozent höher notieren unterdessen die russischen Aktienmärkte. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, wurde gestern wieder bei 689 Zählern taxiert – ein saftiges Plus von 26 Prozent im März nach den happigen Verlusten von 15 Prozent zu Jahresbeginn. 2009 notieren russische Aktien damit wieder um 10 Prozent stärker.
Ebenfalls nach oben zeigt der Trend in Indien. Die Leitindex der Börse Bombay, der sich 2008 halbiert hatte, zeigte sich von den jüngsten Abschlägen gut erholt: Der Sensex notierte am Dienstag bei 9708 Zählern 9 Prozent höher als im Vormonat. Damit ist das Niveau des Jahresbeginns wieder hergestellt.
Eine kräftige Fortsetzung der Rallye konnten Anleger an den 2006 und 2007 boomenden chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen beobachten. Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb am Dienstag bei 2373 Zählern stehen: Das entspricht einem Plus von weiteren 14 Prozent allein im März – seit Januar sind es gar bereits 30 Prozent.





