Bärenmarkt 2007 – 2009: Zeitalter des Worst-Case
Wieder einmal passieren Anleger historische März-Tage: Exakt neun Jahre ist der große Gipfelsturm der Millenniumshausse her – sechs seit den bisherigen Tiefständen. Und in diesem Jahr? Nach der zweiten Welle des hemmungslosen Ausverkaufs wird immer klarer, dass das vor Monaten noch Undenkbare mehr und mehr seinen Lauf nimmt. Auch Bärenmärkte können bekanntlich weiter laufen als man gemeinhin denkt….
Tatsächlich: Es gibt so etwas wie eine wiederkehrende Börsenhistorie. Die Märkte, so viel scheint beim Blick zurück klar, bewegen sich durchaus in Zyklen. Aufwärtstrends beginnen nicht wahllos, um dann wieder abzubrechen – sie scheinen eine gewisse Konstanz zu entwickeln. Das zumindest legt die Vergangenheit nahe. 18 Jahre ging es zwischen 1982 und 2000 nach oben, nachdem zuvor 14 Jahre an den Märkten nicht viel zu verdienen gewesen war.
Dann kam der Trendwechsel, und er kam schnell. Am 10. März 2000 sollten die Aktienmärkte ihren höchsten Punkt erreichen, was natürlich in der Post-Millenniumseuphorie niemand bemerkte. Bei 8048 Zählern notierte der Dax seinerzeit – bei 5049 der Nasdaq Composite.
Trendbewusste Aktienmärkte: Nach drei Jahren Baisse, vier Jahre Hausse – und nun wieder zwei Jahre Baisse
Drei Jahre später war nichts mehr wie es einmal war. Bei ganzen 2188 Zählern wurde der deutsche Bluechip-Index im Intraday-Handel des 12. März 2003 taxiert – ein schier unglaublicher Absturz von in der Spitze 73 Prozent. Ein Durchbruch durch die 2000er-Marke schien eine ausgemachte Sache zu sein.
Das Gegenteil jedoch erfolgte – nämlich eine mehr als vierjährige Rally, die die Weltbörsen in Form einer mirakulösen Wiederauferstehung in Höhen führen sollte, die in der Mitte der tiefsten Krise keiner für möglich gehalten hätte – nämlich auf neue Allzeithochs im Börsenjahr 2007.
März 2007: Immobilienfinanzierer senden erste SOS-Signale
Auf dem Weg dorthin knirschte es jedoch einige Male gehörig. Im Frühjahr 2007 – wieder im März - waren die ersten Warnsignale erkennbar: Bedeutende Immobilienfinanzierer wie New Century gingen plötzlich in die Knie. Zum ersten Mal machten Begrifflichkeiten wie CDOs (Collateralized Debt Obligations) die Runde. Etwas war faul im Immobiliensektor, das war klar – doch würde der Sturm auch diesmal an den Bullen vorüberziehen?
Rückblickend muss man feststellen: Es gab mitten im schönsten Gipfellauf vor zwei Jahren erste Mahner: Josh Rosner, den Direktor des New Yorker Researchhauses Graham Fisher, etwa: “Viele Investoren wissen gar nicht, was sie da im Portfolio haben”. Oder den omnipräsenten CNBC-Marktkommentator James Cramer: “Wir sind erst im zweiten Inning des Niedergangs des Subprime-Sektors“.
Drama nimmt seinen Lauf: Die Immobilien- wurde zur Finanz- und dann zur Weltwirtschaftskrise
Dabei sollten die ersten richtigen Leuchtraketen erst Tage vor dem Ende des zweiten Quartals 2007 in der Form der Schieflage zweier Hedgefonds von Bear Stearns gezündet werden. Der Dax mühte sich im Juli 2007 trotzdem noch einmal zu neuen Höhen, um dann im Zuge der ersten echten Krisenwelle mit folgendem Credit Crunch wieder nachzugeben.
Der Rest ist jüngere Börsen- und Wirtschaftsgeschichte: Die Immobilien wurden zur Finanzkrise, die schließlich in den letzten sechs Monaten zur veritablen Weltwirtschaftskrise heranwuchs. Exakt zwei Jahre nach den ersten Alarmsignalen auf dem US-Immobiliensektor ist die Lage so fatal, dass es aussieht, als ob „das Spiel“Hunderte von Innings haben würde, um beim Beispiel von James Cramer zu bleiben.
Desaster-Börsen auch 2009: Zweite Welle des Crashs bringt weitere Verluste
Alle – zugegeben – vagen Hoffnungen, die mit dem Amtsantritt von Barack Obama verbunden waren, wurden in den ersten 50 Tagen seiner Amtszeit pulverisiert – zumindest an den Weltbörsen. So liest sich die Bilanz des Börsenjahres 2009 auch nach der kleinen Rallye der letzten Tage wie eine veritable Fortsetzung des nicht enden wollenden Albtraums der späten Bush-Ära:
• S&P: – 16 Prozent
• Dow Jones: – 18 Prozent
• Dax: – 18 Prozent
• EuroStoxx: – 20 Prozent
Dem eigentlichen Zentrum der brutalsten Finanzkrise seit den 30er-Jahren mag man jedoch kaum mehr ins Auge schauen. Nur seit dem 1. Januar haben die Flaggschiffe des Bankensektors wie folgt verloren:
• Citigroup: – 74 Prozent
• Bank of America: – 59 Prozent
• Royal Bank of Scotland: – 59 Prozent
• Commerzbank: – 59 Prozent
• HSBC – 39 Prozent
Und auch fundamental ist die Lage so dramatisch wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Die Arbeitslosigkeit in den USA hat gerade ein 25-Jahreshoch erreicht, Volkswirte rechnen mit dem ersten Rückgang des Wachstums der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg, während die Bundesrepublik selbst in die tiefste Rezession seit ihrem Bestehen taumeln soll – inzwischen kursieren bereits Prognosen eines BIP-Rückgangs von sagenhaften fünf Prozent.
Keine Frage: Die gegenwärtige Lage ist schlecht, miserabel – sie ist dramatisch. Warum hierin jedoch für Optimisten mit dem nötigen Zeithorizont auch eine Chance bestehen könnte, lesen Sie in der nächsten Woche.





