Marktrückblick Februar 2009: Tief, Tiefer, Aktien


Der Trend zeigt weiter steil nach unten: Im Zuge der Finanzmarktkrise geben die Weltbörsen weiter kräftig nach. Erschreckende Erkenntnis: In Rekordgeschwindigkeit rauschen die Leitindizes in die Tiefe – in nur zwei Monaten sind Dax und Dow Jones schon wieder um 20 Prozent eingebrochen. Und als sollte das noch nicht genügen, droht Anlegern nun neues Ungemach: Wichtigste Unterstützungsmarken sind nach unten durchbrochen worden.

Es gibt dieses alte Beispiel von André Kostolany, das das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Börse mit den Platzhaltern vom Herren und seinem Hund symbolisiert – der Hund ist demnach die Börse, die seinem Herrchen, der Wirtschaft, vorauseilt, dann wieder zurückläuft, aber am Ende in dieselbe Richtung läuft.  

In diesen Tagen könnte der Weg indes synchroner kaum verlaufen. Die Nachrichten aus der Wirtschaftswelt der letzten Wochen waren verheerend. Nach den Milliarden-Verlusten der Deutschen Bank wies die Allianz-Tochter Dresdner Bank erst letzte Woche mit dem Fehlbetrag von 6,3 Milliarden Euro das größte Minus aller deutschen Banken aus.

Doch im internationalen Vergleich sind das fast die viel zitierten Peanuts: So musste die Royal Bank of Scotland erst Donnerstag den größten Jahresverlust eines britischen Unternehmens aller Zeiten verkünden – ein enormes Minus von fast 27 Milliarden Euro in 2008. Dass es jedoch immer noch schlimm geht, machte das ewige Sorgenkind General Motors vor: Der US-Traditionsautobauer vermeldete gar das größte Minus der Wirtschaftsgeschichte – ein Fehlbetrag von unfassbaren 31 Milliarden Euro.   

Deutsche Aktienindizes: Dax weiter am schwächsten – TecDax am robustesten

Angesichts solch atemberaubend desaströser Dimensionen überrascht es nicht, dass die Aktienmärkte rund um den Globus auch in den vergangenen vier Wochen nur eine Richtung kannten – die in den Sturzflug.

So musste der   deutsche Blue-Chip-Index Dax im Februar erneut zweistellig Federn lassen: Das Minus betrug fast 500 Punkte oder rund 11 Prozent. Bei nur noch 3844 Zählern blieb der Leitindex der deutschen Aktienmärkte am Freitag stehen – das sind schon wieder  20 Prozent weniger als noch zum 31. Dezember. Gleichzeitig notiert der Dax auf dem tiefsten Stand seit dem Spätsommer 2004.

Ebenfalls auf Mehrjahrestiefs ist die zweite deutsche Aktienliga zurückgefallen. Gerade mal 4608 Punkte bewilligen Anleger für den MDax, der noch Mitte 2007 den historischen Gipfel bei 11.378 Zählern erklommen hatte. Nach einem Minus von 10 Prozent im Februar liegt der deutsche Midcap-Index nun 2009 auch schon wieder 18 Prozent hinten.

Marginal besser hat sich der Kleinstwerte-Index im Februar geschlagen: Im SDax schwoll das Minus auf 9 Prozent an.  Angesichts der Kursverluste in den vergangenen 20 Monaten ist das jedoch auch nur ein kleiner Trost: Seit dem Allzeithoch bei 6659 Zählern hat der SDax mittlerweile fast zwei Drittel seines Wertes eingebüßt. Seit Jahresbeginn sind es auch schon 17 Prozent.

Immerhin etwas robuster tendierte dagegen der deutsche Technologieindex im schwierigen Marktumfeld der vergangenen viereinhalb Wochen. Der TecDax, der das vergangene Jahr bei 508 Zählern noch als Klassenletzter abgeschlossen hatte,  wurde zum Monatsende nunmehr bei 444 Punkten taxiert – ein Minus von nur rund 8 Prozent.  2009 bleibt damit ein Minus von 13 Prozent.

Internationale Börsen: Wall Street  – Dow Jones im freien Fall

Exakt genauso viel  musste das amerikanische Pendant seit Jahresbeginn abgeben. Die US- Technologiebörse Nasdaq Composite ging bei 1378 Zählern aus dem Handel –exakt 98 Zähler schwächer als im Vergleich zum Vormonat – ein Minus von 13 Prozent seit Jahresbeginn. Deutlich mehr Federn musste dagegen  der marktbreite Dow Jones Industrial Average lassen: Der traditionsreichste Index der Welt büßte fast 1000 Zähler oder nochmals 12 Prozent an Wert ein und konnte sich nur noch knapp über der 7000-Punkteschwelle halten. Bei nunmehr 7063 Zählern legte der Dow Jones mit einem Minus von 20 Prozent den schlechtesten Jahresstart in seiner Geschichte hin. 

Synchron dazu verlief  die Entwicklung für Anleger, die in europäischen Aktien in vergangenen Monaten die Treue hielten: Der EuroStoxx50 ging bei nur noch 1976 Zählern aus dem Handel – ein Abschlag von ebenfalls 12 Prozent, nachdem das Jahresausgangsniveau noch 2451 Zähler betragen hatte.  Seit Januar ist damit das erkleckliche Minus von 19 Prozent angefallen.

Etwas gefangen haben sich dagegen die japanischen Aktienmärkte: Der Nikkei 225 gab in den letzten vier Wochen nur noch rund 5 Prozent nach, um bei 7568 Zählern aus dem Handel zu gehen. Seit dem 1.1. ist damit ein Minus von 15 Prozent angefallen. Noch robuster präsentierte sich dagegen die chinesische Halbinsel Hongkong – hier lagen die Verluste bei gerade mal knapp vier Prozent: Der Hangseng-Index  ging am vergangenen Freitag bei 12.811 Punkten aus dem Handel – ein Minus von 11 Prozent seit Jahresbeginn.

BRIC-Märkte: Brasilien und China trotzen dem Abwärtstrend – Russland leicht erholt

Immerhin: Es gibt auf der Weltkarte ein paar Ausrufezeichen. So konnten gleich zwei der einst boomenden BRIC-Märkte 2009 bislang dem Abwärtstrend trotzen. Die brasilianische Börse, die im Sog der Rohstoffmärkte lange Zeit so gut aussehen konnte, musste im Februar lediglich Verluste von zwei Prozent verkraften. Bei  38.344 Punkten liegt der Bovespa aber 2009 immer noch um zwei Prozent vorne. 

Weitere fünf Prozent konnten dagegen die 2006 und 2007 noch so enorm haussierenden chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen zulegen. Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb am Freitag bei 2083 Zählern stehen: Das entspricht einem Plus von beachtlichen 14 Prozent im laufenden Jahr.    

Weiter moderat nach unten zeigt dagegen der Trend beim asiatischen Erzrivalen. Die Leitindex der Börse Bombay, der sich 2008 halbiert hatte,  musste weitere  Abschläge einstecken: Der Sensex notierte am Freitag bei 8892 Zählern sechs Prozent schwächer als noch zu Jahresbeginn. 2009 haben sich die Verluste damit auch schon wieder auf rund 8 Prozent summiert.

Eine moderate Gegenreaktion war dagegen an den russischen Aktienmärkten zu beobachten. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, wurde Ende vergangener Woche nur noch bei 544 Zählern taxiert – ein Plus von knapp zwei Prozent nach den happigen Verlusten von 15 Prozent im Vormonat.  2009 notieren russische Aktien damit 13 Prozent schwächer.

Rohstoff- und  Devisenmärkte: Öl-, Silber- und Gold-Rallye

Weiter leicht aufwärts ging es dagegen wieder an den Rohstoffbörsen.  So legte der Goldpreis, der sich schon gegen Ende letzten Jahres leicht erholt hatte, erneut zu. Gegen Ende der letzten Woche wurde er bei 944 Dollar taxiert – weitere zwei Prozent höher als im Vormonat bzw. gar  neun Prozent höher als noch  zu Jahresbeginn. Ebenfalls fester tendierte auch der Silberpreis, der zuletzt bei 13,10 Dollar festgestellt wurde – das sind 5 bzw. gar 20 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn.

Ebenfalls wieder fester tendiert auch der Ölpreis, dem bis zum Jahresende vollkommen die Luft ausgegangen war. An der New Yorker Warenterminbörse Nymex legten die Rohölnotierungen im Monatsverlauf um immerhin 6 Prozent zu, um wieder deutlich über der 40-Dollarmarke zu schließen – nämlich bei zuletzt 44,20 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich das Plus damit auf 16 Prozent summiert.

Weiterhin gegenteilige Vorzeichen dagegen an den Devisenmärkten: Der Euro, der  im letzten Jahr noch über weitere Strecken  kräftig zugelegt hatte,  gab weiter leicht nach. Ende Februar  ging die europäische Gemeinschaftswährung schließlich mit einem minimalen Minus von einem Prozent aus dem Handel – nämlich bei exakt 1,27 Dollar. 

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