Aktien weiterhin zu teuer


Fundamental orientierte Bewertungsansätze schauen auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne im Verhältnis zum aktuellen Preis (Kurs-Gewinn-Verhältnis oder KGV). Anders gesagt, ausgehend vom aktuellen Preis (Aktienkurs) kann ein KGV für die bekannten Ergebnisse errechnet werden. Diese können für mehrere Unternehmen verdichtet werden und so kann zum Beispiel ein KGV für einen Index errechnet werden.

Schauen wir uns beispielsweise die Entwicklung des KGVs für den DAX an. Im September 2008 lag das KGV für den DAX bei ungefähr 12. Aktuell liegt das DAX-KGV bei über 11. Was bedeutet das? Der DAX ist seit September um etwa 30% im Preis gesunken, das Bewertungsniveau ist jedoch um weniger als 10% gesunken.

Die Erklärung dafür liegt in der Tatsache, dass die Unternehmensgewinne auch gesunken sind. Unterm Strich sind die Aktienpreise etwas stärker gesunken als die Gewinne. Deswegen ging das KGV als Resultat etwas herunter.

Allerdings ist das Preisniveau bei weitem noch nicht genug gesunken, um die Gewinnentwicklung der Unternehmen im Jahr 2009 zu berücksichtigen. Bis auf die Banken und Unternehmen, denen es bereits vor der Krise schlecht ging, befinden die meisten Unternehmen sich in der Lage, erst im Jahr 2009 mit den Auswirkungen der Krise auf ihre Gewinnentwicklung konfrontiert zu werden. Höchstens das vierte Quartal 2008 bot ein Indiz für die Entwicklung im Jahr 2009. Diese Entwicklung ist bei weitem noch nicht in allen publizierten Ergebnissen oder Gewinnschätzungen berücksichtigt.

Sollte die Entwicklung im Jahr 2009 nur um 10% schlechter als bisher publizierte oder prognostizierte Ergebnisse ausfallen, liegen wir mit dem heutigen DAX-Stand wieder auf dem gleichen Bewertungsniveau wie im September 2008. Mit anderen Worten, trotz des großen Kursrückgangs im DAX wäre der DAX nicht billiger geworden. Würde die Ergebnisverschlechterung um mehr als 10% unterschätzt, wäre der DAX sogar teurer geworden (das DAX-KGV höher geworden).

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir lediglich einen moderaten Ergebnisrückgang und keinen schweren Ergebnisrückgang sehen werden? Laut Bundesbankpräsident Axel Weber befindet sich die Wirtschaft „im freien Fall“. Sollte sich diese Entwicklung in den Unternehmensgewinnen niederschlagen, ist der DAX heute noch immer teuer und ein erheblicher Kursrückgang wahrscheinlich.

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