Marktrückblick Januar 2009: Ein Start, so schlecht wie 2008


Es bleibt dabei: Die Finanzmarktkrise hat die Weltbörsen fest im Griff. Nur für eine Woche sah es so aus, als sollten Aktionäre neuen Mut fassen und an eine Trendumkehr glauben – dann folgten die nächsten Wellen des Ausverkaufs. Trauriges Ergebnis: Mit zweistelligen Verlusten erlebten die amerikanischen und deutschen Aktienmärkte den schlechtesten Jahresstart aller Zeiten.

Das Treiben an den Aktienmärkten hat inzwischen etwas von einer Kapitulation: Jeder, aber auch jeder noch so kleine Erholungsversuch wird wieder verkauft. So war es seit der Eskalation der Krise nach der Pleite von Lehman Brothers – und so geht es auch im neuen Börsenjahr 2009 weiter.

Betrachtet man die immer neuen Horrormeldungen, die über den Zustand der Weltwirtschaft offenbar werden, ist das eigentlich auch keine Überraschung. Es ist die erste globale Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, mussten die seit Mittwoch  auf dem  Weltwirtschaftsforum in Davos versammelten Spitzenmanager konstatieren.  Ausgang: völlig offen.

Tatsächlich sind die Entwicklungen der vergangenen viereinhalb Wochen weiter zutiefst beunruhigend. Die Wirtschaftsleistung in Corporate America dürfte im abgelaufenen Quartal um mehr als 5 Prozent eingebrochen sein, und auch in der Bundesrepublik wird mit einem Rückwärtsschock wie nie gerechnet. Für das laufende Jahr kursieren Schätzungen eines rückläufigen BIPs zwischen 2,25 Prozent (Regierungsprognose) und bis zu 4 Prozent.

Deutsche Aktienindizes: Dax mit komplettem Fehlstart – TecDax am robustesten

Wen wundert es da, dass die deutschen Aktienmärkte ihre Talfahrt nahezu ungebremst fortsetzen? Für einen Tag sprang der deutsche Leitindex Dax am Ende der ersten Handelswoche über die 5000-Punktemarke, dann war es vorbei mit der Zuversicht. Bei 4338 Zählern ging der deutsche Bluechip-Index am Freitag schließlich aus dem Handel, ein Minus von exakt 10 Prozent, nachdem der Dax noch bei 4810 Punkten ins neue Jahr gestartet war.  Damit performte der Vorjahressieger unter den deutschen Indizes zu Jahresbeginn gleich am schlechtesten.

Allerdings auch nur ein Prozent besser hat sich die zweite deutsche Börsenliga geschlagen. Bei noch 5601 Zählern ging der MDax, der im letzten Bullenmarkt die Anleger noch so begeistert hatte, Ende 2008 aus dem Handel. 5098 Punkte waren es noch am Freitag – ein Minus von rund 9 Prozent.  Noch mal ein Prozent weniger büßte der Kleinstwerte-Index SDax im Januar ein. Angesichts der Kursverluste in den vergangenen 18 Monaten ist das jedoch auch nur ein kleiner Trost: Nach 2801 Zählern Ende 2008 blieb die Kurstafel am Freitag Ende Januar nunmehr bei 2568 Zählern stehen.

Nahezu robust tendierte dagegen im schwierigen Marktumfeld der vergangenen viereinhalb Wochen der deutsche Technologieindex. Der TecDax, der das  vergangene Jahr bei 508 Zählern noch als Klassenletzter abgeschlossen hatte,  wurde zum Monatsende nunmehr bei 485 Punkten taxiert – ein Minus von nur rund vier Prozent.       

Internationale Börsen: Wall Street verliert deutlich 

Etwas mehr – nämlich rund 6 Prozent – musste das amerikanische Pendant seit Jahresbeginn abgeben. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite ging bei 1476 Zählern aus dem Handel – ein Verlust von exakt 101 Zählern im Vergleich zum Vormonat. Deutlich mehr Federn musste dagegen  der marktbreite Dow Jones Industrial Average lassen: Der traditionsreichste Index der Welt büßte 775 Zähler oder knapp neun Prozent ein und konnte sich nur um einen Punkt vor der 8000-Punkteschwelle halten. Damit legte der Dow Jones den schlechtesten Jahresstart in seiner Geschichte hin. 

Synchron dazu verlief  die Entwicklung für Anleger, die europäischen Aktien in vergangenen Monaten die Treue hielten: Der EuroStoxx50 ging bei nur noch 2237 Zählern aus dem Handel – ein Abschlag von ebenfalls neun Prozent, nachdem das Jahresausgangsniveau noch 2451 Zähler betragen hatte.  Noch härter unter die Räder kamen unterdessen die japanischen Aktienmärkte: Der Nikkei 225  fiel gar unter die 8000-Zählermarke, um bei 7994 Zählern aus dem Handel zu gehen - ein Minus von 11 Prozent.   

Das zweistellige Minus umgehen konnten Anleger auf der lange Zeit erfolgreicheren  chinesischen Halbinsel Hongkong – hier lagen die Verluste bei sieben Prozent: Der Hangseng-Index  ging am vergangenen Freitag bei 13.278 Punkten aus dem Handel.

BRIC-Märkte: Brasilien und China tendieren fester

Dem Abwärtstrend  trotzten sogar gleich zwei der vor Jahren noch boomenden BRIC-Märkte. Die brasilianische Börse, die im Sog der Rohstoffmärkte lange Zeit so gut aussehen konnte, legte tatsächlich in den vergangenen viereinhalb Monaten um mehr als vier Prozent zu – der Bovespa schloss damit im Januar bei 39.297 Zählern. Gar um fast zehn Prozent legten die 2006 und 2007 noch enorm haussierenden Märkte in Shanghai und Shenzhen zu. Der maßgebliche Shanghai-A-Index blieb am Freitag kurz vor der 2000-Punktemarke bei 1991 Zählern stehen.

Moderat nach unten ging es beim anderen asiatischen Rivalen. Der Leitindex der Börse Bombay, der sich 2008 halbiert hatte,  musste weitere, wenn auch nur marginale Abschläge einstecken: Der Sensex notierte am Freitag bei 9424 Zählern drei Prozent schwächer als noch zu Jahresbeginn. Erneut substanzielle Verluste gab es dagegen an den russischen Aktienmärkten zu beklagen. Der RTS, der von der Börse Moskau gestellt wird, wurde Ende vergangener Woche nur noch bei 535 Zählern taxiert – ein Minus von erneut 15 Prozent.  

Rohstoff- und  Devisenmärkte: Öl, Silber, Gold und Dollar-Rallye


Aufwärts ging es dagegen wieder an den Rohstoffbörsen.  So legte der Goldpreis, der sich schon gegen Ende letzten Jahres leicht erholt hatte, weiter zu.  Gegen Ende der letzten Woche wurde er bei 926 Dollar taxiert – fast sieben Prozent höher als noch zu Jahresbeginn. Die Entwicklung erscheint vor dem Hintergrund eines deutlich stärkeren Dollars durchaus überraschend. Noch fester tendierte der Silberpreis, der zuletzt bei 12,50 Dollar festgestellt wurde – 14 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn.

Ebenfalls wieder fester tendiert auch der Ölpreis , dem bis zum Jahresende vollkommen die Luft ausgegangen war.  An der New Yorker Warenterminbörse Nymex legten die Rohölnotierungen im Monatsverlauf um immerhin 10 Prozent zu, um wieder über der 40 Dollarmarke zu schließen bei zuletzt 41,60 Dollar.

Gegenteilige Vorzeichen dagegen an den Devisenmärkten: Der Euro, der  im letzten Jahr noch über weite Strecken  kräftig zugelegt hatte,  brach überraschend deutlich ein. Ende Januar ging die europäische Gemeinschaftswährung schließlich mit einem dicken Minus von rund 8 Prozent aus dem Handel – nämlich bei exakt 1,28 Dollar.  

Einen Kommentar schreiben