US-Quartalssaison: Gute Zahlen, schlechte Zahlen
Immerhin: Wachstum ist auch in schwersten Krisenzeiten möglich – das ist die Erkenntnis der Auftaktwoche der US-Quartalssaison. Während es die erwarteten Enttäuschungen gab, stemmten sich zwei Schwergewichte des Technologiesektors gegen den Abwärtstrend. Apple und Google konnten auch bei Vorlage der jüngsten Quartalsbilanzen zweistellige Zuwächse vorweisen. Ob die beiden Vorzeigeunternehmen des Technologiesektors Ausnahmen bleiben, wird sich in den nächsten Tagen zeigen…
Es war mehr als ein Ausrufezeichen in schwierigen Tagen: Um ganze 28 Prozent besser zu sein als die Wall Street-Schätzungen lagen, ist ein seltenes Kunststück, zumal in Zeiten der reihenweisen Gewinn-Verfehlungen. Gelungen ist dies einmal mehr dem Computerpionier Apple: Wie das an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gelistete Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, konnte der Unternehmensgewinn – der Finanzkrise zum Trotz - im abgelaufenen Geschäftsquartal sogar noch einmal gesteigert werden.
Nach 1,76 Dollar verdiente Apple im abgelaufenen Dreimonatszeitraum nunmehr 1,78 Dollar je Aktie. Das entspricht einem satten Gewinn von 1,61 Milliarden Dollar – dem größten Unternehmensgewinn der Geschichte. Auch die Umsätze durchbrachen bisher nicht gekannte Bestmarken: “Gerade vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlich herausfordernden Zeit sind wir extrem erfreut, unser bestes Quartalsergebnis bei Umsatz und Gewinn in der Firmengeschichte von Apple bekannt geben zu können - erstmals haben wir die 10 Milliarden-Grenze beim Quartalsumsatz überschritten”, konnte sich der gesundheitlich angeschlagene Apple-CEO Steve Jobs freuen.
Den Löwenanteil der 10,2 Milliarden Dollar Umsätze generierte dabei überraschenderweise abermals die iPod-Sparte, die – entgegen allen Schätzungen nochmals um 3 Prozent zulegen konnte. 22,73 Millionen verkaufte MP3-Player entsprachen 3,4 Milliarden Dollar Umsatz. Das iPhone, von dem 4,36 Millionen Einheiten abgesetzt worden waren, generierte im Dreimonatszeitraum September bis Dezember 1,3 Milliarden Dollar an Umsätzen. Die MacBook-Unit erlöste 2,5 Milliarden Dollar (ein Umsatzplus von 23 Prozent). „In unsicheren Zeiten wie diesen ist Apple ein Wunder“, ordnete Vermögensverwalter Jason Schwarz das neuste Zahlenwerk ein.
Google folgt Apple mit starken Quartalsergebnissen
Gleiches gilt auch für das wertvollste Internetunternehmen der Welt. Google legte Ende der vergangenen Woche ebenfalls seine jüngsten Unternehmensdaten vor – und konnte die Wall Street-Erwartungen dabei ebenfalls schlagen. Nach 4,43 Dollar je Aktie verdiente Google im abgelaufenen Quartal nunmehr 5,10 Dollar je Anteilsschein, was einem Gewinnwachstum von 15 Prozent entsprach. Die Analystenschätzungen, die noch bei 4,96 Dollar je Google-Aktie gelegen hatten, wurden damit ebenfalls übertroffen.
Die Erlöse legten ebenfalls zweistellig zu: Nach 3,39 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2007 erlöste Google im abgelaufenen Dreimonatszeitraum nunmehr 4,22 Milliarden Dollar – was einem Plus von sogar 24 Prozent entspricht. “Trotz des zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Umfelds hat sich Google im vierten Quartal gut geschlagen”, äußerte sich Google-CEO Schmidt fast unisono wie Steve Jobs.
Microsoft enttäuscht die Wall Street – erster Gewinnrückgang seit 7 Jahren
Wie herausfordernd das wirtschaftliche Umfeld nämlich mitten in der schwersten Finanzmarktkrise der letzten 80 Jahre geworden ist, musste auch ein Technologieschwergewicht wie Microsoft feststellen. Einen Gewinn von satten 4,18 Milliarden Dollar oder 47 Cent je Aktie konnte Microsoft noch vorweisen. Das entspricht allerdings einem Gewinnrückgang von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal – dem ersten seit 7 Jahren.
Der Umsatz konnte mit Ach und Krach noch über dem Level des Vorjahres gehievt werden – ein Plus von zwei Prozent auf 16,63 Milliarden Dollar. Analysten hatten jedoch mit 17,12 Milliarden Dollar gerechnet. Als Reaktion auf die Verfehlungen kündigte Microsoft die größten Entlassungen seiner Geschichte an: 1400 Arbeitskräfte werden sofort entlassen, weitere 3600 bis Ende des Monats.
Internetaktien: eBay und Yahoo im Abwärtstrend
Diesen Weg haben zwei Pioniere des Internetsektors längst eingeschlagen. Wie nötig das Gegensteuern gegen den Abwärtstrend auch scheint, haben die jüngstem Quartalszahlen deutlich gemacht. Erstmal seit vielen Jahren musste auch das weltgrößte Onlineauktionshaus einen schwächeren Gewinn ausweisen. Nach 531 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum konnte eBay im 4. Quartal des letzten Jahres nunmehr nur noch 367 Millionen Dollar erwirtschaften. Der Gewinn schrumpfte somit von 39 auf 29 Cent je Aktie. Der Ausblick auf die laufenden Geschäfte fiel noch schwächer aus: eBays eigene Gewinnschätzungen lagen 20 Prozent unter denen der Wall Street.
Die Analystenprognosen für das abgelaufene Quartal schlagen konnte immerhin Yahoo. Das schlingernde Internetportal konnte im Dreimonatszeitraum vor Sonderposten und Abschreibungen mit 182 Millionen Dollar oder 17 Cent je Aktie tatsächlich mehr verdienen, als von der Wall Street erwartet worden war, die noch mit 13 Cents gerechnet hatte. Unterm Strich erhöhte sich das Minus jedoch auf 303 Millionen Dollar. Auch der Ausblick auf das laufende Quartal blieb zehn Prozent unter den Erwartungen. Als letzter der großen Internetkonzerne veröffentlicht Amazon morgen seine Quartalszahlen.





