Mikrofinanzkredite: Leistungsorientierung statt Sicherheiten
Pedro Sanchez steigt von seinem Moped ab, schüttelt sich den Staub von 3 Stunden Fahrzeit ab und breitet eine große Tabelle mit Namen von Kreditnehmern auf den Tisch in der Mitte des kleinen Dorfes aus: Die Zweigstelle der Kreditgenossenschaft „Finca“ in Mexiko hat damit geöffnet. Die Kunden, meist Frauen warteten schon und stellen sich nun auf, um eine nach der anderen ihre monatliche Zins- und Tilgungsrate an den Bankmitarbeiter zu übergeben. Bankgeheimnis ist hier ein Fremdwort. Im Gegenteil, da alle Frauen gemeinsam für ein Darlehen von 1.500 USD haften, sind sie darauf bedacht, das jedes Mitglied dieser Kreditgemeinschaft seine Zahlungsverpflichtungen erfüllt. Erst wenn das gesamte Darlehen zurückgeführt ist, kann die Gemeinschaft einen neuen Kredit aufnehmen, um damit neue Nutztiere, Handels- oder Handwerksmaterial zu kaufen. Darlehen für rein Konsumzwecke sind unerwünscht, denn die Kleinkredite haben das Ziel, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Dorfes zu steigern. Mit den Erlösen aus ihren unterschiedlichen Gewerben können die Frauen nicht nur die Kredite zurückführen, sondern auch die Ernährung und Gesundheit ihrer Familie verbessern, die Wohnqualität erhöhen und die Ausbildung der Kinder sicher stellen.
Mit diesem System von Kleinkrediten, wird den Frauen und Kleinunternehmern ein unabhängiger Weg aus der Armut ermöglicht. Weltweit haben mehr als 100 Millionen bettelarme Menschen Kleinkredite erhalten und damit ihre Leben selbst erfolgreich in die Hand genommen. Wie stark sich das (Selbst-)bewußtsein der Kreditnehmer verändert, beweist ein Kreditprojekt der Grameen Bank, welches mit 100.000 Bettlern durchgeführt wurde. Die Bettler erhielten die Möglichkeit, einen Kredit von umgerechnet rd. 12 USD aufzunehmen. Sofern der Kredit innerhalb eines Jahres getilgt wurde, konnte der Kreditnehmer erneut ein Darlehen aufnehmen. Was ist das Ergebnis nach 4 Jahren? 20.000 Bettler haben komplett umgesattelt und sind nun Hausierer mit einem kleinen Warenangebot. Mehr als 50.000 Menschen sind immerhin zum „Teilzeitbettler“ aufgestiegen berichtete Nobelpreisträger Prof. Yunus auf einem Forum in Berlin mit einem Lächeln: An manchen Türen verkaufen sie, an anderen Türen erhalten sie weiter Almosen. Glauben Sie, dass eine Spende von 12 USD pro Person eine so derartig nachhaltige Verhaltensänderung bei diesen Menschen verursacht hätte? Mit einem Kapitaleinsatz von nur 1,2 Mio. USD hebt dieses Kreditprogramm die Population einer mittleren Stadt auf eine neue Daseinstufe!
Doch nicht nur die Menschen am untersten Ende der Pyramide profitieren von der Idee der Mikrokredite. Längst haben die Mikrofinanzinstitute auch den Bereich der Individualkredite für Kleinunternehmer oder Händler für sich entdeckt. Dies gilt z.B. für die Regionen Osteuropas und den Balkan, wo Mikrofinanzierungen einen wichtigen Aufbau- und Stabilisierungsbeitrag liefern. Nach einer Studie von Mikrorate lag der Durchschnittskredit pro Kreditnehmer in 2006 in der Region Osteuropa/Zentralasien bereits über 1.500 USD und betrug damit rund das Zehnfache des Durchschnittkredits in Süd-/Ostasien. Bei den höheren Krediten treten dingliche Sicherheiten und eine ausführlichere Analyse, bis hin zur Befragung des Pfarrers über den Leumund des Schuldners, an die Stelle der Gruppenkredite. Noch wichtiger als diese Sicherheitsmaßnahmen ist jedoch der unbedingte Leistungswille der Kreditnehmer, jede Chance für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse für seine Familie und sich zu nutzen. Die Investments in den Bereich Mikrofinanz haben sich daher als ausgesprochen krisensicher bewährt.
Mit zunehmendem Wohlstand verschwimmen die Grenzen zwischen dem traditionellen Bankgeschäft und reinen Mikrokrediten. Auch daher spricht man mittlerweile von der Mikrofinanzbranche, da die Mikrokreditinstitute teilweise schon einfache Zahlungsverkehrsprodukte und vor allem auch Sparanlagen anbieten dürfen. Es zeigt sich, dass Mikrofinanzinstitute mit immer intelligenteren Methoden in der Lage sind, das aufwendige Geschäft mit den Kleinstbeträgen der Menschen am unteren Ende der Pyramide wirtschaftlich profitabel zu gestalten.
So ist es nicht erstaunlich, dass das Erfolgsmodell Mikrofinanz bereits in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern Früchte trägt. Ausländische Kapitalgeber sind dabei eine der wesentlichen Finanzierungssäulen. Eine Schlüsselrolle bei der Refinanzierung der Branche kommt daher den Mikrofinanzfonds zu. Diese bündeln Darlehenspakete für Mikrofinanzinstitute aus verschiedensten Ländern und Regionen zu Fonds. Das Fondsmanagement überwacht die Rückflüsse und entscheidet anhand sorgfältiger Analyse der Kennzahlen und Abläufe in den Mikrofinanzinstituten über Neukreditvergaben. Eine kleine Zahl dieser Mikrofinanzfonds steht auch privaten Anlegern offen. Über ein Investment in dieses Segment können Geldanleger die Geschäftsbasis der Mikrofinanzbanken vergrößern helfen und selbst durch stabile Renditen profitieren.






