Ausblick: Zittern vor dem Börsenjahr 2009


Neustart: Das Horrorjahr 2008 ist Geschichte – das ist die beste Nachricht, die Anleger aus dem Jahreswechsel mitnehmen. Viel Grund zum Optimismus bietet die Nachrichtenlage zu Jahresbeginn tatsächlich nicht: Eine Schreckensmeldung jagt die nächste – die Stimmung ist miserabel. Doch genau daraus ziehen Börsianer die Hoffnung.  

Das Börsenjahr 2008 begann gut und endete schlecht.  Warum sollte es diesmal also nicht anders kommen: Ein glückliches Ende nach einem vermurksten Beginn? So oder so ähnlich könnte die optimistische Hypothese aussehen, die Anleger zu Beginn des neuen Börsenjahres vage formulieren.

Besonders viel mit Realismus hat das angesichts der derzeitigen Faktenlage der Weltwirtschaft nicht zu tun. “Das fällt so senkrecht runter”, erklärt Bert Rürup, Vorsitzender des Sachverständigenrates, den aktuellen Konjunkturverkauf. “Das kann man so richtig ökonomisch nicht erklären”. 

Wall Street: US-Wirtschaft und Arbeitsmarkt auf 26-Jahrestiefs 

Muss man auch nicht – die Fakten sprechen  eine deutliche Sprache. So rechnen  etwa die Analysten der amerikanischen Investmentbanken Morgan Stanley und JP Morgan Chase damit, dass Corporate America im gerade zu Ende  gegangenen Quartal um enorme 6 Prozent geschrumpft ist. Das wäre der größte Rückgang seit 26 Jahren.

In diesen Dimensionen bewegen sich auch längst die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA, die zu Weihnachten ebenfalls auf das Niveau von 1982 geklettert waren. Unterdessen sank diesseits des Atlantiks das von der EU Kommission ermittelte Wirtschaftsvertrauen im Dezember auf den tiefsten Stand seit Erhebung der Daten im Jahr 1985, der gleichzeitig einem neuen Rekordtief entsprach.

 TimeWarner und Intel: Jahresbeginn mit Gewinn- und Umsatzwarnungen

Als bedurfte es zur Untermalung der Misere noch die Bestätigung aus der Unternehmenswelt, waren die ersten Hiobsbotschaften in der ersten Börsenwoche des neuen Jahres nicht zu überhören. Mittwoch schockten gleich zwei Schwergewichte aus der Technologie- und Medienbranche die Wall Street.

Ausgerechnet der weltgrößte Chiphersteller Intel, der als enorm zyklisches Unternehmens ein guter Indikator für den Zustand der Konjunktur ist, musste vorgestern vor einem erstaunlich deutlichen Umsatzeinbruch  warnen. Die Erlöse im abgelaufenen vierten Quartal sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum  von happige 23 Prozent oder mehr als 2 Milliarden Dollar eingebrochen.

Schock in deutscher Bankenlandschaft: Commerzbank  wird teilverstaatlicht

Noch dramatischer trifft der durch Werteinbußen entstandene Abschreibungsbedarf Time Warner. Das nach Disney zweitwertvollste Medienunternehmen der Welt muss auf die verschiedenen Geschäftsbereiche – allen voran die Kabelnetzsparte – die enorme Summe von 25 Milliarden Dollar abschreiben. Damit endet das Geschäftjahr 2008 im Minusbereich, obwohl im November noch ein Milliardengewinn prognostiziert wurde.

In der Bundesrepublik schockierte unterdessen die zweitgrößte Bank des Landes mit dem Sprung unter den staatlichen Rettungsschirm. Für Einlagen von 10 Milliarden Euro wurde die Commerzbank teilverstaatlicht. In anderen Worten bedeutet dies nichts anderes als: Die Finanzmarktkrise hat die Commerzbank  so weit  in Defensive gedrängt, dass sie alleine die Übernahme der Dresdner Bank nicht mehr stemmen konnte.
 
Obama: “Eine Krise, wie wir sie zu unseren Lebzeiten noch nicht gesehen haben”

„Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt“, schwur Kanzlerin Angela Merkel die Bundesbürger dann zum Jahreswechsel auch auf ein hartes Jahr ein. Der designierte US-Präsident Barack Obama legte gestern nach. “Wir beginnen 2009 mit einer Krise, wie wir sie zu unseren Lebzeiten noch nicht gesehen haben”, erklärte der kommende starke Mann im Weißen Haus Obama ernst.

“Wenn nichts geschieht, kann diese Rezession noch Jahre weitergehen. Die Arbeitslosenrate könnte zweistellig werden. Wir könnten eine ganze Generation verlieren, weil mehr junge Amerikaner gezwungen werden, ihren Traum von der Uni oder von Zukunftsjobs zu begraben. Unser Land könnte seinen Wettbewerbsvorteil verlieren. Kurz: Eine schlechte Situation könnte dramatisch schlimmer werden.”

Gewagte Auguren: Analysten sehen Dax 2009 bei 5310 Zählern

Keine Frage:  So sieht ein wahres Horrorszenario aus. Umso bemerkenswerter, dass sich Anleger in den ersten Handelstagen des Jahres mit Verkäufen noch weitgehend zurückgehalten haben – und 2009 nur bedingt begann, wie 2008 endete. Obwohl die letzten beiden Handelstage verloren gingen, notiert der Dax bei 4880  Zählern noch 1,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.
 
Glaubt man den Analysten, ist 2009 – Megakrise hin oder her – sogar noch etwas mehr drin.  Bei 5310 Zählern taxiert der Durchschnitt der von der Tageszeitung “Die Welt” befragten Volkswirte führender deutscher und internationaler Banken den deutschen Bluechip-Index dax zum Jahresende 2009. Das entspräche einem Plus von 10 Prozent. Doch wie das oft bei Prognosen ist, sollten Anleger gewarnt sein. Im  vergangenen Jahr lagen die Dax-Schätzungen bei über 8500 Zählern. Der Ausgang ist bekannt…

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