Merger: Wiedeking und Porsche zeigen wie es geht
Porsche hat es im Jahr 2008 allen gezeigt. Man spielt das “Spiel der Spiele” besser nicht wie es Banken vorschlagen. Porsche wollte eine Mehrheit am Volkswagenkonzern und ist jetzt am Ziel.
Es ist erschreckend wie sich Familienunternehmer von Banken überreden lassen, sich auf waghalsige Abenteuer einzulassen. Der Fall Schaeffler ist solch ein Beispiel: Die Übernahme von Continental scheint ordentlich misslungen zu sein und bringt Schaeffler selbst ins Wanken. Die Phase einer Übernahme beinhaltet nicht nur interne Risiken, sondern auch das wirtschaftliche Umfeld ist wichtig, insbesondere wenn ein Teil des gekauften Unternehmens an der Börse notiert bleibt.
Wer als Unternehmer einen Aufschlag auf den Börsenkurs zahlt, der geht zusätzlich ein hohes Risiko ein, wenn der Kauf auf Kredit finanziert ist. Porsche hat es vorgemacht wie man erfolgreich ein anderes Unternehmen übernimmt. Mit Geduld und indem man die Banken gegeneinander ausspielt und nur scheinbar auf ihre Ratschläge hört.
Porsche hat immer anders getickt
Der Vorstand von Porsche weigerte sich jahrelang der Börse quartalsweise Bericht zu erstatten. Das Unternehmen klagte sogar vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof gegen die Börsenregeln und verlor. Letztlich veröffentlicht die Porsche Automobil Holding SE Zwischenmitteilungen wie das Geschäft läuft.
Seit dem Herbst 2005 kauft Porsche bei Volkswagen zu. Die Beteiligung an VW stieg jetzt zu Jahresanfang auf 50,76 Prozent der Stammaktien. Ursprünglich wollte der Sportwagenbauer bereits zum Ende des vergangenen Jahres die Schwelle von 50 Prozent überschreiten. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will 2009 den Anteil auf 75 Prozent hochschrauben. Er wird das sicher nur zu aus seiner Sicht akzeptablen Preisen tun.
Porsche hatte bei seinem Pflichtangebot zur Übernahme von VW im März 2007 zunächst einfach weniger geboten als der Marktpreis hergab. Das Unternehmen strebe keinesfalls die Übernahme von VW an hieß es damals. Die Aktie ging trotzdem weiter durch die Decke und Porsche verdient fleißig weiter, indem es die von Bankern erfundenen Instrumente zielgerichtet einsetzt. Im Oktober schien die Börsenwelt unterzugehen und trotzdem konnte Volkswagen als einzige Aktie im Dax seine Kurse steigern, da einige Hedgefonds und andere Leerverkäufer sowie Banken auf der falschen Seite erwischt wurden und es zu einem Short Squeeze kam.
Wie man Geld erfolgreich vernichtet und umverteilt
Im Fusionsgeschäft vorne sind die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die UBS. Wenn man die Ereignisse um Schaeffler beobachtet und die Warnhinweise von Consultingunternehmen ernst nimmt, dann wird bei vielen Fusionen nur die Wertblase aufgepumpt. Viele Unternehmen sind bei Mega-Übernahmen überfordert und strategisch in der Folge anfällig. Zum einen wird das Management zusätzlich belastet und zum anderen regen sich gelegentlich Widerstände in den übernommenen Unternehmen.
Merkwürdigerweise formulieren die Börsenteilnehmer ständig ihr Misstrauen und Unternehmensvorstände fusionieren dennoch fleißig weiter, anstatt strategische Kooperationen anzustreben und so flexibler agieren zu können. Die Aktienkurse der Übernehmer fallen meist zunächst im Kurs, wodurch die Skepsis der Aktienmarktteilnehmer ausgedrückt wird.
Sogar Banken selbst sind eher ungeschickte Fusionierer: Die Commerzbank übernimmt die Dresdner Bank zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt und sogar der Fusionsprimus selbst schaut auf eine Postbank-Aktie, die auf Jahressicht etwa 76 Prozent verloren hat. Die Deutsche Bank übernimmt in diesem Quartal 29,75 Prozent der Postbank-Aktien und legt dafür etwa 2,8 Milliarden Euro in bar oder 57,25 Euro je Anteilsschein auf den Tisch. Die Frankfurter dürfen weitere 18 Prozent der Postbank für 55 Euro kaufen, nachdem der Erwerb der Aktien abgewickelt ist. Daran wird der Branchenprimus erstmal kein Interesse haben, da die Postbank zurzeit bei etwa 15 Euro notiert.
Das Fusionsspiel ist ohnehin anfällig für Geldvernichtung. Der Erwerber zahlt am besten mit eigenem Papiergeld, also eigenen Aktien, und der Übernommene sollte auf Barausgleich setzen. In Zeiten der New Economy ging zwischen AOL und Time Warner die erfolgreichste Fusion eines Dot.Com-Unternehmens über die Bühne. Ein Jahr später (2003) war es den Bossen von Warner zu peinlich AOL noch im Namen zu führen: Das fusionierte Unternehmen AOL Time Warner hatte 99 Milliarden auf die Beteiligung abschreiben müssen und musste erstmal unternehmerisch arg strampeln.
Es gibt leider immer noch zu viele Akteure, die glauben, an der Börse würden Werte geschaffen. Banker gehören als Profiteure aus gutem Grund dazu; sie glauben aber inzwischen etwas naiv ihren eigenen Worten und fallen selbst in die eigens aufgestellten Fallen.





