Hedgefonds weiterhin unterschätzt


Durch die Finanzkrise leiden neben allen anderen Anlageklassen auch die Hedgefonds unter dem Abzug von großen Geldsummen und dem Preisrückgang in vielen Märkten. Daraus ziehen die Wirtschaftspresse und Öffentlichkeit schnell die pauschale Schlussfolgerung, dass alle Hedgefonds schlecht sind. Der Madoff-Betrug verstärkt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt noch den Eindruck, dass alle Hedgefonds unzuverlässig sind.

Doch die Realität sieht anders aus. In Wirklichkeit ist das Bild nicht einseitig, sondern sehr differenziert. Um es vorweg zu nehmen, es gibt einige Hedgefonds, die seit Jahren höhere Renditen erwirtschaften als die besten Strategien aus allen anderen Anlageklassen. Darunter befinden sich auch Hedgefonds, die in ihrer Vorgehensweise und in ihrer juristischer Struktur transparent, verantwortungsvoll und rechenschaftspflichtig sind.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen; Die besten Risikomanager und Risikomanagementsysteme aus der gesamten Asset Management Branche befinden sich nicht bei den Aktienfonds oder Rentenfonds, sondern bei einer kleinen Anzahl von überragenden Hedgefonds. Nun ist es so, dass sogenannte Single Hedgefonds per Gesetzt nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Folglich dürfen weder ich, noch die Hedgefonds an dieser oder an anderer Stelle öffentlich über konkrete Produkte kommunizieren. Diese Produkte dürfen ausschließlich im Rahmen von individuellen Kundenbeziehungen besprochen werden. In diesem Fall ist es tatsächlich so, dass die Personen die über Produkte reden (dürfen), in der Regel nicht wissen, und die, die wissen, nicht reden (dürfen).

Somit können Sie an dieser Stelle nur entscheiden, ob Sie es mir glauben, wenn ich Ihnen sage, dass auch Hedgefonds existieren, die seit vielen Jahren exzellente Ergebnisse erwirtschaften und die in ihrer juristischen Struktur transparent und überprüfbar sind.

Diese Hedgefonds sind nicht nur für Anleger von Bedeutung, sondern für die gesamte Finanzbranche. Denn sie besitzen nicht nur das beste Risikomanagement, sondern auch die nüchternste Sicht auf die Kapitalmärkte. Gerade die erfolgreichen Hedgefonds zeichnen sich durch die geteilte Einsicht aus, dass die kurzfristige Entwicklung von Kursen nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden kann. Trotzdem verdienen sie kontinuierlich sehr viel Geld in den Märkten. Folglich entsteht ihr Erfolg nicht durch Kursprognosen, sondern durch andere Strategien.

Eine besonders erfolgreiche Strategie ist die der Trendfolge. Das Prinzip ist einfach. Finde den Trend und nutze ihn. In der Praxis ist es jedoch überhaupt nicht einfach um mit diesem Prinzip kontinuierlich Geld zu verdienen. Es gibt viele trendfolgende Systeme. Die wenigsten trendfolgenden Systeme erwirtschaften eine positive, geschweige denn eine befriedigende Rendite.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im konsequenten und forschenden Einsatz der höheren Mathematik, kombiniert mit einem höchleistungsfähigen IT-System, dass die mathematischen Regeln zeitnah in Wertpapierpositionen umsetzt. Ebenso wichtig ist ein Risikomanagement, dass im Gegensatz zu den meisten Risikomanagementsystemen nicht davon ausgeht, dass sich unsere Welt linear weiterentwickelt, sondern, dass berücksichtigt, dass die Zusammenhänge im Verhalten zwichen unterschiedlichen Märkten sich ändern können. Die Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Märkten in extremen und untypischen Zeiten bilden den Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Risikomanagement.

Ein naives aber weit verbreitetes Schulbeispiel ist der Zusammenhang vom Aktien- und Rentenmarkt. Die bekannte Binsenweisheit lautet: “Sinken die Zinsen, steigen die Aktien”. Jetzt in der Finanzkrise erleben wir gerade das Gegenteil. Um so wichtiger ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie die vielen anderen Märkten sich jetzt im Verhältnis zu dem Aktienmarkt und dem Rentenmarkt verhalten könnten. Das kann auf Basis der “untypischen” Momenten in der Kapitalmarkthistorie mathematisch systematisch und detailliert erforscht werden. Die daraus entstehenden Einsichten sind bares Geld wert.

Entgegen vieler Medienberichte sind Hedgefonds in der Regel nicht dumm und die allerwenigstens sind Betrüger. Unter den vielen Hedgefonds befinden sich auch die intelligentesten und erfolgreichsten Manager aus der gesamten Asset Management Branche. Das was in diesem Zusammenhang im Moment oft als politisch korrekte Aussagen gehandelt wird, entspricht nicht der Realität.

Kommentare


Lars

17 Dezember 2008 um 10:12

Interessanter Beitrag, danke.

In welchen Größenordnungen muss man eigentlich rechnen, um als Privatanleger in Hedgefonds investieren zu können?

Marcel van Leeuwen

18 Dezember 2008 um 11:12

Wenn Sie in einzelne Hedgefonds investieren möchten, ist eine Diversifikation über mehrere Hedgefonds notwendig, der Beratungsaufwand ist sehr hoch, und die Abwicklung ist komplexer und teurer als bei klassischen Wertpapieren. Deswegen ist die Investition in einzelne Hedgefonds erst ab einem höheren Betrag sinnvoll. Es gibt nur sehr wenige Finanzinstitute, die explizit zu Hedgefonds beraten, deswegen ist es schwer einen Eindruck zu bieten, wie der Markt das handhabt. Wir selbst verlangen für die Teilnahme an unserem Flying Dutchman Hedgefonds-Programm eine Mindestsumme von 1 Mio. Euro.

Wenn Sie über Dachfonds in Hedgefonds investieren, liegt die sinnvolle Mindestsumme oft schon bei 500 Euro oder bei 50 Euro für einen Sparplan. Weil der Dachfonds ein institutioneller Investor ist und insgesamt große Summen anlegt, haben Sie von Anfang an die notwendige Diversifikation in Kombination mit niedrigen Kosten.

Insgesamt steht die Beratung zu und der Einsatz von Hedgefonds für Privatanleger in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

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