Kaufempfehlung: Strong Buy für TAOH
Zu meinem journalistischen Selbstverständnis gehört es normalerweise, in Kolumnen keine Kaufempfehlungen zu geben. Ich muss diesmal eine Ausnahme machen, da die Argumente zu überzeugend sind.
Barack Obama wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, da er sich glänzend verkauft hat und weil er genau der richtige Präsident in dieser schwierigen Zeit ist. Er will durch ein gigantisches Konjunkturprogramm der US-Wirtschaft zu einem Kaltstart verhelfen. Obama wird vermutlich im nächsten Jahr 1.000 Milliarden US-Dollar in die US-Wirtschaft pumpen. Vor wenigen Monaten wäre er für ein solches Hilfspaket gescholten worden. Jetzt ist es opportun.
Barack Obama ist nicht nur ein charismatischer Politiker, darüber hinaus ist er mit der seltenen Gabe der Selbstironie ausgestattet. In seinem New York Times Bestseller “The Audacity of Hope” (Titel der deutschen Übersetzung: Hoffnung wagen) beschrieb der jetzt gewählte US-Präsident wie es ist, erst kurze Zeit Senator zu sein. Er beschreibt Zeiten in denen sich beispielsweise kein Journalist für seine Pressekonferenzen interessierte. In einer anderen Szene schildert er die Teilnahme seines Teams an einer St. Patricks Day-Parade, bei der nach ihm und seinen Mitarbeitern nur noch der Besenwagen folgte. Nett erzählt er auch, dass ihm nach wenigen Tagen die Vorteile seines Single-Lebens in Washington (ungestört Sport schauen und das Bett ungemacht lassen) gar nicht mehr so toll vorkamen und er seine Tochter mit seinen ständigen Anrufen nervte.
Der politische Obama
Obama schildert wie ihm seine Frau Michelle nach einer klaren Wahlniederlage im Jahr 2000 nur noch einen Anlauf für eine Politikkarriere einräumte. Der Politiker gibt einen ungewöhnlichen Einblick in seine Gefühlslage, bevor er die nächste Wahl gewann.
In einer witzigen Sequenz wird die erste Begegnung mit Georg W. Bush geschildert. Dieser rief den Nachnamen des jungen Senators, bat ihn zu sich und schüttelte ihm die Hand. Georg W. Bush gab Obama einige Ratschläge, was Obama schließlich nicht davon abhielt, die Steuerpolitik des Präsidenten und viele seiner politischen Initiativen zu kritisieren. Die Art wie er diese Begegnung schildert und auch später gegenteilige Meinungen zu seinen Ansichten mit Respekt beschreibt, zeigt die Souveränität des nächsten US-Präsidenten.
Barack Obama überzeugt durch die Einfachheit seiner Argumente und zeigt ein tiefes Verständnis für Probleme und Nöte von Durchschnittsamerikanern. Der Leser lernt schnell eine anderes Amerika kennen: Ein Land, das zerrissen ist, unbewältigte Konflikte aufweist, Probleme vor sich her schiebt und bei dem Arbeitnehmer Angst vor der Globalisierung haben. Das ist alles fernab von unserem täglichen Wallstreet-Berichterstattungs-Bild, das Informationen aus der Welt des Big Business liefert.
Eine als ungerecht empfundene Einkommensverteilung ist in Amerika genauso ein Thema wie bei uns. So beschreibt Obama sein erstes Treffen mit Warren Buffet, der sich für eine stärkere Besteuerung der reichen Amerikaner stark macht. Er bezahle etwa die Hälfte des Steuersatzes für seine Kapitaleinkünfte wie seine Rezeptionistin. Und wenn Georg W. Bush so weitermache würde es noch weniger. Die Einführung einer Krankenversicherung für alle Amerikaner ist ein Thema, das Barack Obama sichtlich umtreibt. Zumal die Gesundheit die weltweit höchsten Kosten pro Einwohner verursacht und die Kosten trotzdem auch in den USA zu explodieren scheinen.
Manchmal kommt beim Lesen der Eindruck auf, dass Deutschland richtig gut dasteht und unser Land lediglich Luxusprobleme verwaltet. Aber dafür haben wir weit und breit keine Politiker mit dem Charisma und dem Selbstwitz eines Barack Obama.
Strong BUY
Wer sich über Weihnachten ein Buch wünscht, das es wirklich wert ist gelesen zu werden, dem sei das Buch mit dem Buchkürzel (TAOH) empfohlen. Zumal der Kurs des Buches in letzter Zeit gestiegen ist - vielleicht weil der Autor an Bedeutung zugelegt hat. Der innere Wert von TAOH ist noch gar nicht im Preis enthalten und bietet ungeahnte Wertsteigerungschancen. Der Originalpreis lag übrigens bei 7,99 US-Dollar. Übersetzt in Euro musste ich am Flughafen in Köln 10,95 Euro bezahlen. Das ist eine neue Interpretation der Euro-Dollar-Relation, aber was soll´s.
Auch wenn das Buch sicher sehr gezielt geschrieben wurde, um es zum Prägen des eigenen Images einzusetzen, es ist doch lesenswert. Obama hat ungeahnte Fähigkeiten als Buchautor bewiesen, der seinen eigenen Witz entwickelt hat und über sich selbst lachen kann. Die Lektüre vermittelt tatsächlich Hoffnung, denn ein US-Präsident, der seiner Familie ein eigenes Kapitel widmet, und ein gutes Gespür für einfache Dinge zu besitzen scheint, der kann in seinem neuen Job nur erfolgreich sein.





