Märkte: Ein kleiner Befreiungsschlag
Es ist doch noch Verlass auf die Historie: Wie so oft in der Vergangenheit notierten die amerikanischen Aktienmärkte in der verkürzten Thanksgiving-Woche fester. Die deutschen Börsen legten zum Teil noch stärker zu. Dennoch sind die Marktteilnehmer nach zuletzt so vielen gescheiterten Erholungsversuchen skeptisch, ob der Dezember noch für eine spürbare Korrektur eines desaströsen Börsenjahres gut ist.
Es herrscht noch etwas Leben im Markt. Nach einem erneut vernichtenden Kurssturz in der Vorwoche setzten die Aktienmärkte rund um den Globus in den letzten fünf Tagen zur breit angelegten Rallye an. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte um stolze 542 Punkte oder fast 13 Prozent auf ein Niveau von 4669 Zählern – in der Vorwoche war der deutsche Bluechip-Index noch bei 4127 Punkten stehen geblieben. Trotz der starken Rallye, die vor allem von Finanzwerten angetrieben wurde, bleibt seit Jahresbeginn ein Minus von deftigen 42 Prozent.
“Wer seine Aktien verkaufen wollte, dürfte schon verkauft haben, so dass nun keine große Verkaufswelle mehr auf uns zuschwappen sollte”, legt sich Kapitalmarkt-Analyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors gegenüber der Finanznachrichtenagentur Reuters fest.
Deutsche Aktienmärkte: Dax bleibt vorne
Für Besitzer von Nebenwerten dürfte das ein schwacher Trost sein. Zwar hat der MDax nach einer kräftigen Rally in der letzten Woche von ebenfalls 13 Prozent etwas an verlorenem Terrain zurückgewonnen. Dennoch liegt der deutsche Mid-Cap-Index bei 5356 seit Januar weiter um happige 46 Prozent unter Wasser, was allerdings immer noch die zweitbeste Performance des Jahres ist.
Auf den letzten Platz zurückgefallen ist unterdessen der deutschen Smallcap-Index (SDax) – und das, obwohl er im Wochenverlauf 6 Prozent an Wert zurückgewinnen konnte und nun bei 2563 Punkten notiert. Das Kursbarometer der deutschen Kleinstwerte lag damit am Freitag um rund 51 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.
Deutlich berappelt zeigte sich unterdessen der einstige Nemax50-Nachfolger. Der TecDax konnte nämlich die stärksten Zuwächse der Woche verbuchen. Bei immerhin wieder 497 Punkten blieb der deutsche Technologieindex am Freitag stehen – 15 Prozent höher als noch in der Vorwoche. Seit Ende Dezember 2007 haben sich die Verluste damit auf 49 Prozent reduziert.
US-Börsen: Zweistellige Gewinne an der Wall Street
Auch die US-Technologiebörse konnte eine Woche der zweistelligen Kursgewinne verzeichnen. Bei nunmehr 1536 Punkten notiert der Nasdaq Composite nun wieder - das ist ein Zugewinn von immerhin 11 Prozent im Wochenverlauf. Seit Januar liegt der Leitindex der amerikanischen Technologiebranche dennoch um 42 Prozent hinten.
Immer noch deutlich besser hält sich der Dow Jones Industrial Average, der in der letzten Handelswoche auch um immerhin 10 Prozent an Wert gewinnen konnte. Bei 8829 Zählern liegt der traditionsreichste Index der Welt im laufenden Börsenjahr nunmehr um fast überschaubare 33 Prozent hinten.
Kommende Woche: Was macht die EZB?
Unverändert sorgenvoll blicken Anleger jedoch den kommenden Handelstagen entgegen. ”Uns steht wohl keine sehr freundliche Woche bevor, aber ich rechne nicht damit, dass es noch einmal deutlich nach unten gehen wird”, stuft Allianz-Analyst Nacken das Risikopotenzial neuer starker Abschläge dennoch begrenzt ein.
Diesseits des Atlantiks könnte die anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB)zumindest für etwas Entspannung sorgen, wenn die Leitzinsen erneut fallen sollten. “Die Frage ist nur, in welchem Umfang”, legen sich die Analysten der Commerzbank fest. Unter Marktteilnehmern kursieren Schätzungen zwischen 50 und sogar 75 Basispunkten.
Für Spannung dürfte am Mittwoch zudem die Entscheidung über die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes sorgen. Börsianer gehen derzeit davon aus, dass die Hypo Real Estate nach den schweren Kursverlusten und Continental nach der Schaeffler-Übernahme den Dax verlassen müssen. Nachrücken könnten Beiersdorf und Salzgitter. Jenseits des Atlantiks dürften Börsianer eine Reihe von in volkswirtschaftlichen Daten in Atem halten: der Einkaufsmanagerindex am Montag, das Beige Book am Mittwoch und neue Arbeitsmarktdaten am Freitag.






