Märkte: Erholung auf tiefem Niveau
Nach dem brutalsten Ausverkauf der letzten 21 Jahre versuchten die Märkte in der letzten Woche ein Comeback. Obwohl praktisch jeder Erholungsversuch abverkauft wurde, blieb in der Breite doch ein Plus hängen. Vor dem Handelsstart in die neue Woche, in der die US-Quartalssaison an Fahrt aufnimmt, überwiegt dennoch die Angst vor neuen Hiobsbotschaften.
Für einige Wochen sah es so aus, als sollte das moderne Wirtschaftssystem von der Klippe fallen. Immer schneller und immer tiefer brachen die Weltbörsen in der vorvergangenen Woche ein – zwischen 18 Prozent im Dow Jones und 24 Prozent im Nikkei. Bei erdrutschartigen Verlusten in dieser Größenordnung braucht es kein Mathematikgenie, um die Wahrscheinlichkeit einer Gegenreaktion vorherzusagen.
Sie kam – und wie. Um mehr als zehn Prozent schossen die Aktienmärkte am letzten Montag in die Höhe. Doch die Rallye hielt nicht. Fast reflexartig ergriffen verunsicherte Anleger die Chance zum Ausverkauf, als der Dax wieder die Schwelle von 5300 Zählern überschritten hatte. Am Ende der Woche blieb der deutsche Aktienindex Dax bei nur noch 4782 Punkten stehen. Das sind zwar schon wieder fast 600 Punkte weniger als noch im Handelsverlauf am Dienstag, aber am Ende der Woche immerhin auch 5 Prozent mehr als noch sieben Tage zuvor. Gemessen am Startniveau des Jahres ist das jedoch nur ein schwacher Trost: Seit Januar liegt der deutsche Blue-Chip-Index nämlich um tiefrote 41 Prozent unter Wasser.
Deutsche Aktienmärkte 2008: Alle Indizes unter Druck – Dax hält sich am besten
Damit können sich die Standardwerte der fragwürdigen Auszeichnung rühmen, noch als erfolgreichster Index des laufenden Börsenjahres dazustehen. Der MDax nämlich, der über drei Viertel des Jahres noch bester deutscher Index gewesen war, kam in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck und konnte in den letzten Tagen auch weniger Verluste gutmachen. Bei 5420 Punkten konnten die deutschen Nebenwerte in der letzten Handelswoche zumindest knapp zwei Prozent zurückholen. Seit Jahresanfang bleibt aber das vernichtende Minus von 45 Prozent.
Noch schlimmer traf es gar den deutschen Smallcap-Index, der sich seit Januar fast halbiert hat. Auch Zugewinne von 7 Prozent im Wochenverlauf konnten die Bilanz nur kosmetisch aufbessern. Bei inzwischen 2813 Zählern haben die deutschen Kleinstwerte im SDax, nunmehr seit Jahresbeginn 47 Prozent an Wert eingebüßt. Das ist die schlechteste Bilanz aller deutschen Aktienindizes 2008.
Auch der TecDax, der im Spätsommer noch zu einer beeindruckenden Zwischenrallye angesetzt hatte, ist von diesem Niveau nur noch marginal entfernt. Bei nur noch 546 Zählern konnte der Nemax50-Nachfolger zwar im Wochenverlauf um 5 Prozent fester aus dem Handel gehen. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Technologieindex dennoch um 44 Prozent unter Wasser.
US-Börsen: Erholung nach volatiler Woche
Das US-Pendant Nasdaq, an dem die Einbrüche gefühlt zumindest ebenso stark ausfielen, hat sich 2008 dennoch bislang besser gehalten. In der vergangenen Woche konnte die amerikanische Technologiebörse immerhin 4 Prozent zurückgewinnen. Bei 1711 Zählern liegt der Leitindex Nasdaq Composite um 36 Prozent seit Jahresbeginn hinten – Index-Schwergewichte wie Google, Apple oder Amazon haben jedoch bereits um 45 bis 50 Prozent an Wert verloren.
Regelrecht wacker gehalten hat sich in all den Turbulenzen dagegen noch der Dow Jones Industrial Average, der auch in der vergangenen Woche unter enormer Volatilität auf und ab schwankte. Zum Handelsende am Freitag pendelte sich der traditionsreichste Index der Welt schließlich bei 8852 Punkten ein – immerhin rund 400 Punkte oder knapp 5 Prozent höher als letzte Woche. Seit Januar hat der Dow damit ein Drittel an Wert verloren.
Kommende Woche: Die Angst bleibt
Ob die Verluste in der kommenden Handelswoche weiter anwachsen, erscheint angesichts der allgemeinen Verunsicherung an den Märkten vollkommen offen. Zwar rät die Investmentlegende Warren Buffett nun dazu, in amerikanische Aktien zu investieren, auf der anderen Seite bleibt das Rückschlagpotenzial durch schlechte Nachrichten aus der Unternehmenslandschaft bestehen. Erst vor wenigen Stunden verkündete die ING, dass die Bank eine Kapitalspritze vom holländischen Staat in Höhe von 10 Milliarden Euro in Anspruch nehmen müsse.
Wie Corporate America weiter durch die Finanzmarktkrise kommt, können Anleger schon in der nächsten Handelswoche überprüfen, wenn die turnusmäßige US-Quartalssaison in die nächste Runde geht. Nach den guten Zahlen von Google blicken Anleger nun gebannt auf die neusten Bilanzen von Apple und Yahoo (Dienstag), Amazon (Mittwoch) und Microsoft (Donnerstag).
Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple und Google






